Zurück nach Chennai und weiter nach Hyderabad

(Freitag, 17. Mai bis Samstag 25. Mai)

Als wäre ich nie weg gewesen. So fühlte es sich an, wieder zurück nach Chennai zu kommen.

Etwas hat sich in der Zwischenzeit getan, noch nie zuvor war ich annähernd so schnell durch die Visakontrolle. Dafür dauerte es entsprechend länger, bis ich meinen Koffer hatte. Doch auch das trübte meine Wiedersehensfreude nicht! Trotz der mitternächtlichen Zeit machte ich mich zu Hause hungrig über die frischen Mangos her, lange hatte ich darauf gewartet!

Samstag war gemütlich, ausschlafen ausräumen im neuen Zimmer, Gym anschauen und ausprobieren für eine Stunde auf dem doch eher kleinen Indoorrad. Sogar ein Pool gibt es hier in dieser Überbauung, echt toll! Der Bademeister meinte, der Pool ist 50 m lang. Meine Schwimmzeiten sind also besser als je zuvor 

Am Abend hatten wir uns zum Essen im Hilton verabredet. Als ich aus dem Auto stieg, begrüsste mich Rajinikanth freudestrahlend. Ich plauderte mit weiteren Angestellten bis ich im Restaurant auf Anand traf. Mittlerweile zum Manager befördert hatte er uns einen Tisch reserviert und servierte mir einen kleinen Nachtisch mit dem Schriftzug “Welcome Home”. Sprachlos! Nach über zwei Jahren werde ich immer noch so verwöhnt! Mein Lieblingsessen war auch bald bereit und so genoss ich mein Paneer Butter Masala mit Malabar Parotta mit breitem Grinsen. Die Portion war gross, entsprechend voll lag ich danach zu Hause auf dem Sessel vor dem Fernseher, immer noch glücklich.

 

 

 

 

Rührei, Rusk und Chai zum Frühstück, zusammen mit frischen Mangos. Hab ich schon erwähnt dass ich verwöhnt bin?

Wir holten Lorena und Bernadette im Hilton ab, natürlich konnte ich es nicht lassen, noch mit den Jungs am Empfang zu sprechen. Zu lange hatte ich sie nicht gesehen und ich wurde sogar an der Stimme erkannt, so dass auch der Letzte aus dem Büro rauskam. Alle kenne ich mittlerweile nicht mehr, mit einigen (auch Ehemaligen) bin ich immer noch im Kontakt.

Heute war Shopping angesagt, wir drei Mädels brauchten Kleidung für die anstehende Hochzeit. Einige Zeit und Nerven später hatten wir Sarees und was sonst noch nötig ist, sehr toll! Ich hatte mich schon lange auf Avengers gefreut und diesen Film in Indien zu sehen ist etwas Gigantisches. Das Publikum feiert lauthals mit, klatscht und pfeift und unterstützt so die Helden auf der Leinwand. Ein Erlebnis, das ich immer wieder geniesse!

Sehr früh ging es am Montag Morgen nach Hyderabad, ich muss ja auch mal arbeiten. Hyderabad ist ca. 1:20 h Flug von Chennai entfernt. Bürozeiten sind hier von 11 bis 20 Uhr. Ich konnte also noch etwas Schlaf nachholen, bevor ich im Büro erwartet wurde.

Es sah ungefähr so aus wie erwartet: Grossraumbüros, überall mal wieder ein paar Wachmänner und Putzfrauen und ganz viele Inder. Der Kleidungsstil ist lockerer als ich es gewohnt bin. Sehr schön. Ich traf die ersten Teammitglieder, die die Schweiz unterstützen und verbrachte den ganzen Tag damit, weitere zu treffen. Endlich lernte ich auch einen langjährigen Kollegen mal persönlich kennen. Er hatte den gleichen Wechsel ein paar Monate vor mir gemacht. Ich sollte noch weitere treffen, der Wechsel von gelb zu grün ist auch hier nicht ungewöhnlich.

Es reichte zwischendurch für ein paar Puffs aus der Kantine, später für eine Schale frische Früchte und Chai. Als ich abends im Hotel nach einem Chauffeur fragte, wurde ich einem zugeteilt, der schon unterwegs war und so lernte ich auf dem Heimweg eine Deutsche kennen, die für drei Monate in Hyderabad ist. Nach einem Essen im Hotelrestaurant war ich erst ca. 22:30 im Zimmer, ungewohnt spät.

Dienstag begann mit 50 Minuten auf dem Laufband mit schmerzfreien Intervallen, gefolgt von einer Stunde Yoga am Pool, offeriert vom Hotel. Den Weg ins Büro kannte ich bereits, so war ich dann auch etwas früher dort. Mein Meetingmarathon ging weiter, ich lernte nun auch die Chefs etc. kennen und begann, mein Offshore Netzwerk wieder aufzubauen. Das hatte ich in den letzten Monaten stark vermisst! Und mit etwas Schokolade (ok, ein paar Kilos) funktionierte auch meine Bestechung, meine indische Seite gemischt mit Schweizer Tradition.

Zum Mittagessen gab es ein Paneercombo mit Parotha (einer Art Brotfladen) in der Kantine, für INR 70 (ca. CHF 1), lecker! Zum Abendessen versuchten wir dieses Mal das indische Hotelrestaurant, auch sehr lecker, aber ich fühle mich nicht sehr gut wenn ich erst nach 21 Uhr esse.

Mittwochs probierte ich den Pool aus. Wer kommt auf die Idee, die Länge bei 27 m festzulegen? Ich musste früher aufgeben, der Chlorgehalt war zu hoch, den Geschmack im Mund brachte ich den ganzen Tag nicht mehr los. Auch nicht mit meinen unzähligen Chais für INR 10 nicht.

Das Highlight des heutigen Tages war, dass ich vom K Block, in dem meine Teams arbeiten, in den F Block musste. Entweder Shuttle mit dreimal umsteigen oder Uber. Einfache Entscheidung. Dafür musste ich feststellen, dass in Hyderabad anderes Hindi gesprochen wird als ich es kenne. Mit viel Geduld haben wir uns dann doch verstanden. Unser sehr kleines Team im F Block arbeitet wegen der USA von 14 bis 23 Uhr und muss übrigens alle Anfragen innert 4 Stunden bearbeiten. Ich bin beeindruckt! Und genau heute hatte ich keine Schokolade dabei!

Donnerstag begann abgesehen von erbarmungslosen 90 Minuten Netflix ähm Velofahren vor dem Frühstück normal. Zum Abendessen hatte ich mit einem indischen Kollegen abgemacht. Auf seinem Motorrad hatte er ganz klar mehr Angst als ich, ich wäre viel schneller gefahren. Im Restaurant neben dem Hotel bestellten wir einmal mehr sehr leckeres Essen, einmal mehr ass ich viel zu viel! Er zeigte mir anschliessend noch die neuen Büros, zwei riesige Gebäude stehen bereits, das dritte ist im Bau. Da sollen dann mal alle unzähligen Mitarbeiter einquartiert werden.

Freitag: Pool, Gym, Frühstück, Büro. Schon fast Alltag. Heute musste ich noch die restliche Schokolade loswerden und schaffte es auch, beim “walk in IT” Schalter meine Computerprobleme hoffentlich so zu beheben, dass ich nächste Woche problemlos von zu Hause aus arbeiten kann. Ich genoss die letzte Früchteschale, mehr konnte ich eh nicht essen nach dem gestrigen Festmahl. Ich bestellte den Fahrer, mit Umweg über Block F, für die letzte Schokolade. Soviel Fleiss soll nicht unbelohnt bleiben. Und genau dieses Team wird diesen Monat noch viel zu tun haben.

Sehr früh war ich wach am Samstag, um 6 Uhr holte mich Manoj ab. Er hatte mich im Dezember 2016 über die Ziellinie des Chennai Triathlon gezogen. Heute joggten wir zwei Runden durch den Park. Meine erste gemeinsame Laufrunde seit 1.5 Jahren! Die Hitze machte sich dann noch bemerkbar, ich war froh um die vielen Wasserspender entlang unserer Runde. Viele waren zu Fuss unterwegs, die meisten spazierend oder in einem Aussengym (also ein paar Geräte auf einer Wiese oder so). Manoj durfte mich dann offiziell in den Hotelpool begleiten und ich gab ihm einige Tipps zu seinem Schwimmstil. Dafür hatten wir uns ein leckeres Frühstück verdient!

Er musste noch einkaufen, ich ging mit und begann schon mal, Shirts für die Kinder zu kaufen, Avengers sind hier auch hoch im Kurs!

Schnell hatte ich gepackt, erreichte den Flughafen und nachdem die Handgepäckröntgenmaschine (oder wie heisst das Ding?) wieder repariert war, gab es sogar noch einen Snack vor meinem Heimflug nach Chennai

Gemütlich in Chennai

(Montag 20. August bis Freitag 24. August)

Zurück in Chennai wurde ich wieder am Flughafen abgeholt, wie schön! Den Rest des Tages verbrachte ich gemütlich, es sind ja Ferien.

Am Dienstag hatte ich mich mit einem Freund aus dem Büro verabredet, er ist einer der wenigen sportlichen Inder die ich kenne. Das Resultat ist, dass er mit mir im Mai 2019 an den Genfer Halbmarathon gehen will. Wir werden sehen! Wir genossen Egg Chili und Bier in einer Hotelbar gegenüber von seiner Wohnung, etwa 1 km vom Büro entfernt. Trotzdem geht er täglich mit dem Auto, wegen der Hitze. Daran werde ich mich wohl nie gewöhnen, in Chennai vermisse ich immer die Bewegung. Gefühlt bin ich nie draussen, ich gehe aus dem Haus ins Auto und von dort aus ins nächste Gebäude. Auch jetzt war es noch täglich zwischen 30 und 35 Grad, die Strassen waren sowieso in schlechtem Zustand, es hätte also eh keinen Grund gegeben, draussen spazieren zu wollen.

Ich kann nicht nach Chennai gehen ohne „mein“ Team zu besuchen, selbstverständlich mit etwas Schokolade (die einen beträchtlichen Teil meines Gepäcks ausmachte). Ich freute mich sehr, das Team zu sehen. Diejenigen, die ich trainiert hatte, werden demnächst befördert, das freute mich sehr zu sehen, wie sie sich weiterentwickelt hatten! Ich plauderte auch mit anderen, schliesslich war seit meinem letzten Besuch wieder viel Zeit vergangen. Drei Stunden später verliessen wir das Büro auf der Suche nach etwas zu essen.

Am Abend fand der Empfang der Hochzeit in Kerala statt. Die Familie des Bräutigams wohnt in Chennai und die beiden hatten sich ja auch hier kennengelernt. Auf der Einladung stand, dass es ab 18.30 Uhr beginnt. Wir waren ca. 19.15 dort und es lief noch nichts. Viele Familienmitglieder freuten sich, mich wieder zu sehen, ich hatte mir keinen Namen merken können. Der Empfang fand in einem Saal statt, vorne eine Bühne, auf der Seite ein DJ, hinten beim Eingang wurden Getränke verteilt. Wir sassen eine Weile rum, dann kam das Brautpaar rein, setzte sich auf die Bühne und die Fotosession begann. Nach ca. 30 Minuten stellten wir uns in die Reihe für die Fotos, als mich eine Mitarbeiterin von Hilton Chennai ansprach. Es komme sonst niemand mehr, meinte sie. Ich schätze, wir haben uns wegen der lauten Musik und der Sprache missverstanden, denn am nächsten Tag erhielt ich Nachrichten der Hilton Mitarbeiter, warum ich denn nicht dabei gewesen war. Egal, wir machten ein paar Fotos und machten uns dann auf den Heimweg. Es sah nicht so aus als ob noch viel laufen würde, worauf es sich lohnte zu warten, ausser dem Abendessen. Als Abschied gab es noch ein Geschenk, was hier üblich war; eine kleine Blechschale mit den Zutaten für Pan, das von vielen v.a. nach dem Essen gekaut wird. Ich hatte es einmal probiert und schlechte Erinnerungen daran.

Leider hatte ich am Mittwoch nicht alle im Büro getroffen, zwei waren krank, also ging ich am Donnerstag noch einmal vorbei. Anschliessend ein leckeres Mittagessen im Shopping Center, die letzten Einkäufe und dann musste ich schon wieder packen. Da die Schokolade nun draussen war, hatte ich genügend Platz für die Tshirts für die Kids, Nüsse und Gewürze. Vielleicht sollte ich ein Import/Exportgeschäft eröffnen……

Die Nacht war kurz, um 4 Uhr war ich am Flughafen, um 5.30 Uhr verliess der Flieger indischen Boden in Richtung Europa. Ich schlief etwas, erwachte als Frühstück vor mir stand und schaute fern. Immerhin funktionierte der Bildschirm dieses Mal problemlos. Anscheinend war ich beim Buchen des Fluges nicht ganz bei der Sache gewesen, denn in London musste ich den Flughafen wechseln. In Heathrow wurde mir erklärt, dass ein Uber die einfachste Möglichkeit sei, an den Flughafen City zu gelangen. Das kostete mich zusätzliche 77 GBP, ersparte mir immerhin zweimaliges Umsteigen mit der günstigeren U-Bahn. Auch das klappte tadellos und bald war ich zurück im schönen Hermikon.

(Die Radwege in Chennai wurden besser, die Schilder definitiv! :-))

Hochzeit in Kerala

(Mittwoch, 15. bis Montag, 20. August 2018)

Am Unabhängigkeitstag war viel Regen angesagt, ich war sehr müde und hatte Bauchprobleme, daher schlief ich den meisten Teil des Tages zu Hause. Dafür sind Ferien ja da ☺️

Am Donnerstag verbrachten wir etwas Zeit unterwegs draussen und im Shopping Center, schliesslich brauchte ich noch etwas zum Anziehen am Wochenende, es soll ein Kerala Saree sein. Im Fernsehen lief konstant das Neuste zum Hochwasser in Kerala. Es wird als das Jahrhunderthochwasser bezeichnet. Starke Regenfälle brachten das Mehrfache an Regen, was die Dämme an ihre Kapazitätsgrenzen brachte, so dass diese mindestens teilweise geöffnet werden mussten. Alvin war vor Ort bei seiner Familie, die auf einem Hügel neben der Kirche wohnten. Er half wo immer er helfen konnte. Navin’s Familie war noch zu Hause, das Wasser stieg jedoch auch bei ihrem erhöhten Haus immer näher an die Eingangstreppen. Nachbarn waren bereits zu ihnen geflüchtet. Ein umgefallener Baum stellte den Strom im Haus ab. Nach einiger Zeit sahen sie sich gezwungen, so viele Habseligkeiten wie möglich ins obere Stockwerk zu bringen und flüchteten mit einem Boot in den Süden, zu anderen Verwandten.

Am Freitag sah ich endlich mal wieder den Strand. Am Elliot Beach war ich damals oft zum joggen, mit vielen anderen Läufern, denen meine Hautfarbe egal war. Heute waren kaum Menschen am Strand, sehr ungewöhnlich. Dafür viele Helfer, die den Strand säuberten. Das war auch sehr nötig. Am Abend ins Kino für einen weiteren Film. Alles sehr gemütlich.

 

 

Am Samstag brachte mich Navin an den Flughafen, ich flog nach Mangalore und wurde dort von drei Jungs abgeholt, Freunde der Braut. Für sie waren die Anweisungen einfach: Nehmt die vermutlich einzige weisse Frau am Flughafen mit:-P Drei Stunden Autofahrt über zum Teil katastrophale Strassen später hatte ich Frau und Schwiegermutter des Fahrers und die Brüder der zwei anderen gesehen. Alle wollten mich wohl sehen und riefen via Video an. An einem einfachen Hotel liessen sie mich raus, am Abend sollte mich jemand anders abholen. Ich ruhte mich etwas aus und spazierte dann ins nahegelegene Shoppingcenter. Es war klein und hatte vermutlich noch nie eine weisse Person gesehen. Draussen sammelten sie mit kleinen Eimern Geld für die Hilfe des lädierten Staates, die Soforthilfe und der Wiederaufbau sind kostspielig. Ich machte meinen Besuch sehr kurz und kehrte bald mit Cola und Snacks zurück in mein Zimmer. Nach langem Suchen hatte ich immerhin einen englischsprachigen Newssender gefunden, die anderen Sender verstand ich nicht. Meine Kenntnisse in Malayalam (Sprache in Kerala) begrenzten sich auf eine Handvoll Worte, zudem wird die Sprache so schnell gesprochen. In Tamil (Sprache in Tamil Nadu, Staat um Chennai) kann ich ein paar Sätze sagen, vor allem um mich mit einem Fahrer zu verständigen. In Hindi (wird im Norden Indiens gesprochen, ist nicht die Nationalsprache Indiens) kann ich manchmal sogar den Zusammenhang eines Gespräches erraten, kann aber auch daran liegen, dass immer mal wieder ein englisches Wort vorkommt.

Wie erwartet kam mein Fahrer am Abend verspätet, der erneute Regen verschlechterte die Sicht auf der kaum beleuchteten Strasse. Als Erinnerung: In Indien heisst die Zeitzone IST, Indian Standard Time, was öfters als Indian Strecheable Time bezeichnet wird. Ashok ist der Mann einer Cousine von Reshma, der Braut (oder so), sein Englisch war sehr gut, er arbeitet in Dubai, das machte es einfacher für mich mit ihm zu kommunizieren. Bei der Braut zu Hause traf ich auf ca. 60 Familienmitglieder und Nachbarn. Sie machten Fotos, sassen beisammen und plauderten. Mich setzten sie in ein Zimmer mit Tee und hausgemachtem Gebäck, Ashok’s Frau Soumya malte mir ein Mehendi auf die linke Hand und später assen wir draussen von Bananenblättern. Der Bräutigam und seine Familie waren noch nicht eingetroffen. Wegen den Überschwemmungen in Kerala war der Flughafen in Kochi geschlossen, die Züge und Busse gestrichen und die Strassen nicht einfach zu bewältigen. Daher hatte die Familie des Bräutigams einen Bus gemietet und war in Chennai losgefahren. Unterwegs mussten sie noch auf einen Ersatzbus warten, da ihrer einen Platten hatte. Ereignisreiche Stunden später erreichten sie spätabends endlich den Ort des Geschehens. Es gab weitere Fotos mit Freunden und Familie, dann setzte mich Naveen, der Bräutigam, zu seinen Hilton Kollegen ins Auto, sie wohnten im gleichen Hotel. Nach Mitternacht war ich dann endlich im Bett.

Am Sonntag erwachte ich früh, irgendwo wurden Möbel herumgeschoben, um 6 Uhr. Dann musste ich feststellen, dass es im Hotel kein heisses Wasser gab für die Dusche. Da die Temperatur draussen wohl nie unter 25 Grad fällt, ist kaltes Wasser nicht so kalt, wie wir es uns in der Schweiz gewohnt sind, also durchaus aushaltbar. Im Esssaal wurde ich etwas komisch angeschaut, als ich nach Frühstück fragte, trotzdem erhielt ich kurz darauf eine Portion Dosa mit Sambar und Tee.

Als nach einer Stunde immer noch niemand eingetroffen war, um mich zum Festsaal zu bringen, tauchten die Hilton Kollegen auf und erbarmten sich. Ich hätte ja auch gerne eine Rickshaw genommen, wenn ich die Adresse gewusst hätte, aber keine Ahnung, ob diese Fahrer englisch lesen können. Mit Hilfe erreichte ich dann doch noch früh genug den Ort des Geschehens, da ich ja mich noch umziehen musste bzw. ich brauchte Hilfe beim Anziehen des Sarees. Etwa 10 Frauen hatten sich mit der Braut in einem Zimmer verkrochen, schminkten sich oder kümmerten sich um den Saree, die Frisur oder den Schmuck von Reshma. Abwechslungsweise halfen mir 4 Frauen, bzw. sie machten alles und ich versuchte mich korrekt (nicht) zu bewegen. Leider stellte ich erst viel zu spät fest, dass sie meinen Saree verkehrt rum angezogen hatten, die Stickereien waren also von der Hinterseite zu sehen. Es gab Schlimmeres!

Ich wurde also gut angezogen in den Saal geführt und auf einen Stuhl gesetzt. Der Saal ist mit einer unserer Mehrzweckhallen vergleichbar: Eine Bühne, links und rechts davon eine kleine Treppe nach oben. Davor eine grosse (!) Anzahl von fix installierten Stühlen. Ich plauderte etwas mit dem Mann neben mir, sein Kind war krank und es schaute mich mit grossen Augen an. Immer mal wieder kam jemand (Un)Bekanntes vorbei um etwas zu fragen oder so, ansonsten blieb ich sitzen. Dann begann die Prozedur, ohne grosses Aufsehen und ohne Ankündigung. Reshma folgte einer Reihe von ca. 20 Frauen auf die Bühne, lief ein paar Mal um die kleine Bühne auf der grossen Bühne herum und setzte sich. Dann machte Naveen das gleiche und setzte sich zu seiner Zukünftigen. Ohne Ansprache, Musik oder sonst etwas, das darauf aufmerksam machte, dass jetzt das Wichtigste beginnt, wurden die Hochzeitszeremonien vollzogen, Blumenkränze und Ringe ausgetauscht und eine Art Schnur geknüpft („tie the knot“). Dazwischen und rundherum waren viele Familienmitglieder, die immer mal wieder dreinzureden schienen, mehrere Fotografen mit Unterstützung, die allen sagten wer wo was zu machen hatte und sonst noch so einige; ich hatte den Überblick verloren. Ich sass gemütlich da, lächelte allen zu und wartete geduldig, bis mich jemand auch auf die Bühne holte für Fotos. Zuvor wurde ich jedoch gebeten, mit den „Älteren“ (ich lass das mal so stehen) das Brautpaar zu segnen. Nach kurzer Einführung stellte ich mich also vor diese beiden hin, nahm etwas Reis vom Teller nebenan, streute es über beide Köpfe und gratulierte ihnen. Alle freuten sich, also hatte ich nichts Falsches gemacht. Weiter ging es mit allen möglichen Fotos und Selfies. Als Soumya mir ihren Schmuck borgte, brachte sie sogar den offiziellen Fotograf mit, der mich anwies, wie ich zu stehen hatte für die Fotos.

  

Nach unzähligen Fotos mit Cousinen, Onkeln, Tanten und sonstigen Verwandten, die mehr oder weniger Englisch sprachen gingen wir in den unteren Stock, wo das Essen serviert wurde. Ein Bananenblatt auf dem Tisch, dann servierten verschiedene Männer jeweils einen Teil des Essens, bis ich eine grosse Auswahl an Reis, Curries und anderen Leckereien vor mir hatte. In die Becher füllten sie neben Wasser noch zwei Sorten Payasam, eine Art Gries, als süsses Dessert. Jemand füllte mir gewürzte Buttermilch in die Hand, nicht mein Stil, daher lehnte ich die zweite Portion ab. Mittlerweile war ich ziemlich geübt, mit der Hand zu essen, trotzdem war ich langsamer als die Lokalen. Nach dem Essen gab es noch ein Selfie mit einem der „Kellner“, dann folgte ich den anderen zu den Waschbecken. Da es keine Servietten gab und die rechte Hand ja das Besteck ersetzte, hatte mindestens ich etwas Wasser nötig (ja, auch nach mehrfachem Ablecken aller Finger).

Dann waren irgendwie immer weniger Menschen da, einige stiegen in einen Car und die eine Cousine, die sich bisher um mich gekümmert hatte, brachte mich wieder zu den Hilton Jungs, anscheinend war die Hochzeit vorbei. Ich hatte das nicht wirklich verstanden und hatte mich daher nicht verabschiedet, zum Glück sehe ich das Brautpaar in ein paar Tagen in Chennai wieder.

Nachdem wir uns alle bequemere Kleider angezogen hatten, nahmen mich die Jungs mit zum Bekal Fort. Sie hatten zum Glück ein grosses Auto gemietet, in dem ich auch locker Platz fand. Mit viel Fragen fanden wir das Fort, wo ich als Fremde mal wieder gut das Zehnfache als Eintritt bezahlen musste (25 INR vs. 300 INR (=5 CHF)). Wir schlenderten durch das Fort, machten unzählige Selfies und hatten viel Spass, bis sie uns rausschmissen, die Öffnungszeiten waren vorbei. Einer der Jungs hatte noch nie das Meer gesehen, also war die nächste Station der Strand neben dem Fort. Ich war nicht die Einzige, die sich auf die Wellen freute und stundenlang dasitzen und zuschauen konnte.

Eine Spezialität in Kerala ist Toddy, eine Art Palmwein, der aus Kokospalmen gemacht wird, jedoch nicht immer überall gern gesehen wird. Ich hatte schon viel davon gehört, wie auch die Jungs, also war das unser nächstes Ziel. Hier konnten wir jedoch nicht offen fragen, deshalb dauerte es etwas länger, bis wir einen Toddy Shop gefunden hatten. Dort wurden wir in ein Hinterzimmer geführt und sie stellten verschiedene Flaschen auf den Tisch. Ich probierte den normalen Toddy wie auch den Süssen, beide jedoch nicht mein Stil. Einige der Jungs leerten mehrere Gläser in kurzer Zeit und nahmen noch mehrere Flaschen mit ins Hotel. Nicht so der Fahrer. Ich hatte ihnen schon angedroht, dass ich sonst das Steuer übernehmen würde, mir wurde dann gesagt, dass Mallus (Personen aus Kerala) die besten Fahrer seien, das zeigte unser Fahrer dann auch, wir erreichten unsere Ziele schnell.

In einem Restaurant assen wir grosse Portionen Panneer Butter Masala, verschiedene Chicken Curries und viele Parottas, sehr lecker. Sie hatten zu viel bestellt, ich war froh zu sehen, dass sie sich den Rest einpacken liessen. Vermutlich werden sie hungrig sein, wenn der ganze Toddy getrunken ist….

Am Montag hatten sich meine Fahrer auch wieder verspätet, aber da wir früh losgefahren sind, erreichten wir den Flughafen in Mangalore trotz einem Frühstückshalt pünktlich. Die Jungs sprachen kaum mit mir, nur einer konnte ein paar Worte Englisch, trotzdem wollten sie noch Selfies am Flughafen machen. Ich beginne mich zu fragen, auf wie vielen Bildern auf Facebook ich wohl bin….

Mumbai

(Montag, 6. August bis Dienstag, 14. August 2018)

Ohne einen Gedanken ans Büro, sondern mit Vorfreude auf drei Monate Urlaub stand ich einmal mehr am Flughafen in Zürich.

16 Stunden später stand ich in Chennai am Einreiseschalter, nur 10 Personen vor mir. Trotzdem dauerte es fast eine Stunde, bis ich endlich an der Reihe war. Immerhin war mein Gepäck dann schon bereit. Draussen wurde ich von Navin abgeholt und war um 6 Uhr früh zu Hause im Bett.

Es wartete ein gemütlicher Tag, ausschlafen, Chai trinken, einfach entspannen. Alvin kam früh von der Arbeit nach Hause, das Büro wurde mal wieder früher geschlossen. Der Oppositionsleader Karunanidhi ist mit 94 Jahren gestorben, nach gut 60 Jahren in der Politik. Zusammen mit MGR und Amma (Jayalalita), die im Dezember 2016 starb (siehe früherer Artikel) hat er die Politik Südindiens geprägt. Aus Angst vor Unruhen wurden alle nach Hause geschickt und am nächsten Tag blieben entsprechend alle Geschäfter geschlossen, für die Mitarbeiter war Home Office angesagt. Somit ein weiterer gemütlicher Tag, unterbrochen von einem ausgiebigen Lunch im Feathers Hotel (die meisten Restaurants waren geschlossen).

Früh am Donnerstag brachte uns Alvin an den Flughafen, Navin und ich hatten 5 Tage Mumbai gebucht. Das Hotel hatte online besser ausgesehen und war leider auch etwas weiter entfernt von den Hauptattraktionen.

Nach einem Tee auf der Dachterrasse erreichten wir das Gateway of India mit einem Uber Fahrer. Das Wahrzeichen von Mumbai zog viele Menschen an, jedoch nur sehr wenige Weisse, so wurde ich auch hier für Fotos gefragt. Gleich nebenan ist das Taj Hotel, das 2008 zum Ziel terroristischer Angriffe wurde und für viele Inder eine Art Mahnmal darstellt. Wir spazierten dem Meer entlang und genossen angenehme Temperaturen (knapp 30 Grad verglichen mit den über 35 Grad in Chennai).

 

Mumbai ist bekannt für den Street Food. Direkt vor dem Hotel gab es eine gute Auswahl an Chai, Samosa, Pakora und anderen Leckereien. Dies diente uns mehrmals als Abendessen oder Snack.

 

 

Am Freitag holte uns Mansi, eine ehemalige Kollegin aus Chennai, vor dem Hotel ab. Nach einer knappen Stunde erreichten wir die Elefanteninsel, wo uns ein Guide durch die Höhlen führte. Die Shiva Statuen wurden durch die ankommenden Portugiesen beschädigt, ich kann mir vorstellen, wie imposant sie nach der Erstellung ausgesehen hatten. Auf der Insel leben ca. 1200 Personen, sie leben v.a. vom Tagestourismus. Die dort lebenden Affen haben gelernt, Petflaschen zu öffnen und klauen diese mit Vorliebe von Touristen. Am Hafen liegt sehr viel Abfall herum, auch das Meer lädt nicht zum Baden ein, sehr traurig. Gegen Ende der Bootsfahrt setzte Regen ein, wie momentan fast jeden Tag hier in der Regensaison. Zwei Stunden später erreichten wir auch endlich unser Hotel, der Feierabendverkehr ist auch in Mumbai sehr intensiv und langsam.

 

Für den Samstag hat Mansi einen Ausflug in die Berge geplant. Die Fahrt nach Lonavala dauerte gut drei Stunden. Zuvor hielt sie noch am Strassenrand für ein Emmissionszertifikat, das hier alle 6 Monate erneuert werden müsste. Das scheint hier also einfach jemand am Strassenrand aus seinem Auto heraus zu machen. Nach dem Stadtverkehr folgte eine ruhigere Autobahn, schlussendlich fuhren wir durch enge Kurven den Berg hoch. Der Regen wurde stärker, die Sicht schlechter. Am Tiger Point parkten wir auf einem holprigen Parkplatz, retteten uns unter eine mehr oder weniger dichte Plane zu einem kleinen Essensstand. Während es draussen regnete und windete, wurde uns Pakora und Chai serviert. Wir nutzten eine regenfreie Minute für ein paar Fotos draussen, bevor wir uns wieder auf den langen Rückweg machten. Ich bin froh, muss ich nicht jeden Tag 6 Stunden im Auto sitzen, um etwas zu sehen.

 

 

Auch der Sonntag begann mit Regen, irgendwann wurde es besser und wir spazierten dem bekannten Pier entlang, Queen’s Necklace genannt. Auf dem Rückweg setzte starker Regen ein. Bis wir einen Unterschlupf fanden waren wir schon ziemlich nass. Ein Taxi brachte uns zurück ins Hotel, die Schuhe werden nicht trocken werden, bis wir wieder nach Hause gehen. Mansi und ihre Freunde trafen uns um 21.30 Uhr (mit 90 Minuten Verspätung) zum Abendessen, sehr leckeres indisches Essen.

 

 

 

Im nördlichen Teil von Mumbai ist der Sanjay Gandhi Park, wo zur Zeit 46 Leoparden geschützt werden und so auch weitere Tiere einen Platz finden. Wir machten eine Tour durch den Park, in dem auch ca. 2000 Menschen in 11 Dörfern leben. Neben Ziegen und Hirschen besuchten wir die Kanheri Höhlen, die Buddhisten als eine Art Kloster nutzten. Es regnete immer mal wieder leicht, die Temperatur war angenehm.

Zum Mittagessen waren wir bei Ponnu, einer weiteren ehemaligen Arbeitskollegin eingeladen, sie hatte extra für uns gekocht. Es war schön, sie nach über 1.5 Jahren mal wieder zu sehen.

 

Im hinteren Teil des Hotel hatten wir 5 sehr junge Welpen entdeckt, ich besuchte sie regelmässig und war erfreut zu sehen, dass sich die Mutter auch gut um die Kleinen kümmerte.

Am Dienstag flogen wir zurück nach Chennai, wo in der Regen mittlerweile auch angekommen war. Die vielen grossen Löcher auf den Strassen waren teilweise schon mit Regen gefüllt, als wir am Abend ins Einkaufszentrum zum Kino fuhren. Wenige regenreiche Stunden später hatte sich das Wasser auf fast allen Strassen gesammelt, zum Teil 20 cm. Zahlreiche Motorradfahrer mussten ihr Zweirad stossen, das war zuviel Wasser für ihre Maschinen. Bleibt zu hoffen, dass am morgigen Unabhängigkeitstag alles normal laufen würde.

 

 

Lima und zurück

(Donnerstag, 23. November – Samstag, 25. November 2017)

Müde waren wir, aber pünktlich am Flughafen. Der Start der Fliegers nach Lima verzögerte sich um ca. eine Stunde, was wir zum Dösen nutzten. Mit allem Gepäck, aber ohne Franziska‘s Halstuch fanden wir schnell ein Taxi in die Innenstadt Limas. Nach einer Dreiviertelstunde erreichten wir das Hilton Miraflores, eines der schöneren Hilton, die ich gesehen habe. Wie erwartet erhielten wir ein Upgrade, das Zimmer war sehr schön und gross. Wir wurden verwöhnt!

Als Erstes holten wir uns in der Lounge ein leckeres Mittagessen, dann liessen wir uns vom freundlichen Concierge erklären, wo der nächste Buchladen ist. Ich hatte (mal wieder) mein und auch Franziska‘s Buch gelesen und brauchte Nachschub. Wir fanden auf Anhieb einen Shop und ich ein gutes Buch, nur um dann an der Küste vorne direkt in eine Buchmesse zu laufen. Es war ein grösseres Einkaufszentrum dort und wir reduzierten unseren Bargeldbestand noch etwas mit Souvenirs für uns. Dann mieteten wir zwei Räder (Franziska‘s Zweites hatte dann auch genügend Luft) und so suchten wir den Weg via Radweg. Das war gar nicht so einfach, vor allem weil wir uns vorgestellt hatten, dass wir unten am Meer fahren würden, nicht nur oben an den Klippen. Tatsächlich fanden wir eine geeignete Strasse hinunter, aber das Überqueren der sechsspurigen Strasse (Autos mit 80 km/h) war dann doch abenteuerlicher als angenommen. Wir meisterten auch das und radelten in Sand und Kies und auf dem Gehsteig, vorbei an Surfern, die im Meer auf die grosse Welle warteten. Irgendwann realisierten wir, dass die schönen Parks und Statuen oben auf den Klippen waren. So mussten wir das Rad den Berg hoch stossen/tragen.

Oben fanden wir dann auch bald den Leuchtturm und freundeten uns mit den doch nicht ganz so schlechten Velowegen an. Weiter fuhren wir durch hübsche Pärke, an Tennisplätzen vorbei und genossen das schöne Wetter. Nach einer guten Stunde gaben wir die Räder zurück und kehrten ins Hotel zurück.

Auf dem Dach waren zwei kleine Jacuzzis und ein Infinity Pool, die ich ausprobieren musste. Trotz dem Wind war es herrlich hier oben!

Sergio von der Lounge empfahl uns ein leckeres Restaurant namens Punto Azul, wo wir sehr feine Meeresfrüchte serviert bekamen. Die Portionen waren gross, entsprechend bald fielen wir müde ins Bett.

Auch zum Frühstück wurden wir in der Lounge verwöhnt. Anschliessend liefen wir durch die Strassen von Lima, fanden eine schöne Kirche, ein Restaurant namens Panchita für Franziska’s Fotos und schlussendlich kamen wir wieder an der Küste an. Bei schöner Aussicht tranken wir etwas, bis ein Peruaner anfing, mir Zaubertricks vorzuzeigen. Es stellte sich heraus, dass seine Frau aus der Romandie kommt. Schweizer sind überall.

Entlang der Klippen war ein Park am anderen. Immer mal wieder waren Kunstwerke zu sehen, überall gab es Sportgeräte. Wir liessen die aus und spazierten gemütlich umher.

Dann hiess es schon wieder packen, so richtig diesmal! Ein Taxi brachte uns an den Flughafen, wo Franziska die letzten Soles ausgab.

Mit einer Stunde Verspätung starteten wir in Lima in Richtung Europa. Die meisten der 12 Stunden schliefen wir, trotz der Turbulenzen. Paris erreichten wir pünktlich. Aber auch der Weiterflug war verspätet. Der Pilot erinnerte uns während der Turbulenzen daran, dass wir alles im Flugzeug lassen sollen, falls eine Evakuierung notwendig wäre. Hätten wir in Südamerika bleiben sollen?

In Zürich kam das Gepäck diesmal problemlos an, immerhin hatten wir nun alle Souvenirs.

Cusco Teil 2

(Dienstag, 21. November – Donnerstag, 23. November 2017)

Die Freude über das ebene Zimmer war bereits um 5 Uhr morgens getrübt, als die ersten ihre Rollkoffer über die Holztreppe hinunterzogen, neben unserem Zimmer. Ab dann lief es an der Rezeption rund und unser Schlaf war unruhig.

Wir genossen das Frühstück und sprachen mit denen an der Rezeption. So stellte sich heraus, dass sie uns nur noch für eine Nacht gebucht hatten. Wir verlängerten nochmals und erhielten wieder ein Zimmer ganz oben (ruhig und gute Internetverbindung!).

Später schlenderten wir durch die Gassen, wir wollten auf den Aussichtspunkt beim Christo Blanco. Beim Eingang angekommen liessen wir uns für eine Tour am nöchsten Tag überreden und spazierten stattdessen via Kirche San Christobal zurück. In Schokoladenshop von vor einer Woche genossen wir ein heisses Getränk und kauften noch einige leckere Souvenirs. Wir blieben auf unserem Shopping Trip, ich fand einen Pulli und wir nochmals mehr Schokolade.

Zum Mittagessen trafen wir Jan auf einer Dachterasse mit Blick auf die Kathedrale, schön in der Sonne. Das Essen war ausserordentlich lecker, aber auch teurer als andere Restaurants.

Bei Llama Path gaben wir die Duffelbags zurück und holten unsere verdienten Trinkflaschen ab. Aiben konnte meine Matte reparieren, daher liess ich sie ihm da. Ich werde mir eine neue kaufen.

Wir schlenderten weiter durch die Stadt, fanden sogar noch die Lippenpomade, die uns ein Guide wärmstens empfohlen hatte und gönnten uns dann noch etwas Ruhe.

Beim Abendessen trafen wir neben Jan auch wieder Tobi an, der noch einen klaren Hangover von der Vornacht hatte. Wir hatten die Einladung gestern abgelehnt, nach 3 kurzen Nächten im Zelt hatten wir endlich mal wieder schlafen wollen. In einer Disco waren Tobi seine Kreditkarte und 200 Dollar geklaut worden. Schade! Mit dabei war jetzt auch Bettina, die drei gehen morgen auf den Salkantay Trek für 4 Tage. Ihre Übernachtungen sehen viel besser aus als unsere Zelte, ev. etwas für die nächste Tour?

Das Essen im Green Point war wieder sehr lecker, wir liessen es uns gut gehen!

Pünktlich holte uns Santos nach dem Frühstück ab und brachte uns mit dem Taxi zu einem kleinen Ort. Dort übergab er uns an Octavia, die zwei Pferde für uns sattelte: Bronco (8 Jahre) für mich und Aguainti (Sonnenwasser, 10 Jahre) für Franziska. Die Pferde sahen besser aus als beim letzten Versuch in Baños und mir war versprochen worden, dass die Pferde gut versorgt sind und nicht über Asphalt laufen müssen. So ging es dann auch über einen engen Seitenweg mit Erde, Steinen und Holz nach oben. Bronco und ich verstanden uns gut und kamen gut voran.

Die Sehenswürdigkeit Tierra X, wo irgendwas mit Mumien der Inkas sein sollte, war wegen Unterhalt geschlossen. So ritten wir nur daran vorbei, um dann nach einer kurzen Strecke im Galopp (naja, oder einfach mal etwas schneller) beim Mondtempel anzukommen. Wir kletterten auf den Felsen, liefen zum Affentempel rüber, machten da ein paar Fotos und kehrten dann zu unseren Pferden zurück. Ich hatte mir den Ritt etwas länger vorgestellt, aber mein Hinterteil wird das später sicher danken.

Wir versuchten noch, Fotos von den Alpacas nebenan zu machen, aber sie waren zu scheu für ein Selfie mit uns. Dafür erklommen wir die letzten Höhenmeter zum Christo Blanco und wunderten uns einmal mehr, warum die Südamerikaner überall mit dem Auto hin mussten.

Müde kehrten wir ins Hotel zurück und dösten etwas, das tat gut! Anschliessend packten wir mal wieder unsere Siebensachen, es geht bald in Richtung Heimat zurück.

Für das Abendessen hielten wir uns an eine Empfehlung von PeruHop. Das Restaurant Nunes hielt, was uns versprochen wurde, das gesunde, lokal angebaute Essen schmeckte herrlich. Den letzten Abend auf grosser Höhe wollten wir noch geniessen, also spielten wir in einer Bar ein, zwei Runden eher schlechtes Billard. Dazu genossen wir die Musik und die Happy Hour, mit farbigen Drinks. Die Höhe und die drei Drinks waren für mich eher zuviel, angeheitert spazierten wir zurück ins Hotel. Von den angeblich gefährlichen Strassen in Cusco bekamen wir nichts mit. Wir hielten uns aber auch immer im Zentrum auf. Was mich hingegen eher störte waren die Menschen an jeder Ecke, die entweder Massagen oder Essen verkaufen wollten. Oder die traditionell angezogenen Frauen mit (kleinen) Lamas oder Alapcas, die die Tiere gegen ein Entgelt als Fotoobjekt hergaben. Nicht sehr tierfreundlich, meiner Meinung nach. Da sahen die streunenden Hunde noch fast glücklicher aus.

Im Hotel fehlte mal wieder der Strom an den 16 Steckdosen im Zimmer, nur schaffte es diesmal niemand, das Problem noch zu lösen. Egal, wir waren müde.

 

InkaTrek zum Machu Picchu

(Freitag, 17. November – Montag, 20. November 2017)
Früh waren wir bereit, alles gepackt. Das grosse Gepäck blieb im Zimmer, den Rest nahmen wir mit uns auf die Reise. Um 4.30 Uhr trafen wir die Gruppe unterhalb des Plaza de Armas.

Erster Stopp war das Haus der Träger. Die Organisation Llama Path hatte es sich im Jahr 2003 zum Ziel gemacht, die Position der Träger zu Stützen und ihnen bessere Bedingungen zu bieten. So hatten sie Massenlager zum Übernachten, gute Kleidung und sonst noch so einige Vorteile für sie und die Famile.

Weiter ging die Fahrt für ca. 1.5 Stunden bis zum Frühstücksrestaurant. Nach einer Stunde Pause brauchten wir noch ca. 30 Minuten bis zum Punkt, von wo aus wir bei sonnigem Wetter losliefen. Jose Ruiz und Aiben waren unsere beiden Guides für diese Wanderung. Als Erstes hiess es Pass zeigen und dann durften wir über eine Brücke in den Nationalpark. Es begann mit einer steilen Steigung. Das sollte ja heiter werden…

Nach einer halben Stunde gab es 10 Minuten Pause und so weiter bis wir eine Inkastätte namens Patagliata erreichten. Dort wurde uns erklärt, dass ein Mann namens Hiram Bingham im Jahr 1915 den InkaTrail sowie die verschiedenen Stätten entdeckte. Er begann, diese nach Ort, Aussehen oder geschätzter Funktion zu benennen. So heisst Patagliata zu deutsch „obere Stadt”. Es gab verschiedene Wege während den Inkas, insgesamt ca. 42‘000 km in ganz Südamerika.

Administrative Wege waren schmal, für schnelle Läufer gedacht, die Nachrichten überbringen sollten. Handelswege waren breiter, denn Lamas können im Gegensatz zu Pferden keine grossen Lasten tragen, nur ca. 25 kg. Die religiösen Wege waren den Besseren vorbehalten, die auf Pilgerfahrt waren. Der vor uns liegende Weg war von der dritten Sorte.

Nach wenigen Stunden (und vielen Pausen) erreichten wir einige Häuser, zwischen denen unser Essenszelt aufgebaut war. Die Träger erwarteten uns mit einem Getränk sowie kleinen Becken mit Wasser. Jeder von uns erhielt einen nummerierten Waschlappen für den Trek, Hände waschen vor dem Essen muss sein. Dann tischten sie auf: Vorspeise, Suppe und 4 verschiedene Platten für den Hauptgang.

Während dem Essen hatte leichter Regen eingesetzt, nach 10 Minuten laufen entschied ich mich dann auch für meine Regenhose. Wir wurden von den Jungs nun losgelassen, das heisst wir durften in unserem Tempo loslaufen. Die meisten starteten schnell und machten viele Pausen. Franziska und ich fanden unser gemütliches Tempo und zogen dies durch, während wir einen nach dem anderen überholten.

Im heutigen Camp namens Ayapata angekommen hatte der Regen aufgehört. Die Porters applaudierten bei jedem, der das Tagesziel erreichte. Ich hatte extra meine Sportuhr mitgebracht, sie zeigte 12.76 km und 860 Hm Aufstieg.

Wir richteten uns in unserem Zelt ein und begannen, uns mit den anderen zu unterhalten. Es waren Schweden, Amerikaner, eine Kanadierin, eine Spanierin sowie ein Australier dabei. Zwischen 1.5 Wochen und 6 Monaten Urlaub war alles dabei. Eine bunt gemischte Gruppe zwischen 23 und 37 Jahren.

Unsere Guides stellten die Truppe von Llama Path vor. Ein Chef, ein Sous Chef, ein Head Porter sowie 14 Träger waren Teil des Teams. Die Träger waren zwischen 19 und 57 Jahre alt, jeder von ihnen trägt jeweils ca 20-25 kg. Das beinhaltet unsere Zelte, das Essenszelt, Geschirr sowie alles Essen. Franziska und ich hatten uns entschieden, einen zusätzlichen Porter zu bezahlen, damit wir weniger tragen mussten.

Dann begann die Happy Hour. Mit Tee und heisser Schokolade sassen wir im Zelt, assen Popcorn und lernten uns kennen. Zum Abendessen wurde erst eine Kürbissuppe serviert, anschliessend gab es Poulet, Reis, Spinatwähe, Kartoffeltortillas, gefüllte Peperoni sowie flambierte Bananen zum Nachtisch. Das Essen war sehr lecker!

Im Dunkeln räumten wir das Essenszelt, da schliefen die Porters. Neben dem Zeltplatz war ein kleines Gebäude mit Plumpsklos (ein Loch im Boden). Daran mussten wir uns für die nächsten Tage gewöhnen. Ich hatte (dank Indien?) kein Problem mehr damit, nur der Gestank war mir eher unangehehm.

Kaum lagen wir im Zelt begann es wieder zu regnen. Ich dachte, ich hätte mich langsam daran gewöhnt, suchte dann aber trotzdem meine Oropax und fand so etwas Schlaf. Mitten in der Nacht wachte ich auf, der Regen hatte aufgehört, trotzdem war der Weg zur Toilette eher kalt. Der grosse, schwere Schlafsack (der für uns getragen wird) war jedoch sehr warm.

3 Porters weckten uns um 5 Uhr mit heissem Cocatee (koffeinhaltig). Wir hatten eine halbe Stunde zu packen, dann war das Frühstück bereit: süsses Brot, Pancakes, Früchte und flüssiger Porridge. Das Wetter war strahlend schön, es wartete ein toller Tag auf uns.

Wir starteten die Wanderung mit dem grössten Anstieg von ca. 1000 Hm. Franziska und ich starteten wieder am Schluss, arbeiteten uns stetig über den steinigen Weg nach oben. Der letzte Teil bestand aus Treppenstufen, es war sehr intensiv. Als ich den Dead Woman‘s Pass erreichte, war ich erstaunt, die Erste zu sein. Franziska kam nur wenige Minuten nach mir.

Dann tröpfelte einer nach dem anderen ein, 30 Minuten nach uns kam der letzte. Wir machten einige Fotos und machten uns wieder auf den Abstieg von ca. 700 Hm. Wir entschieden uns für eine schnellere Geschwindigkeit, so hatten die Beine weniger Zeit, wackelig zu werden. Unten angekommen, erwarteten uns die Porters mit Getränk, Händewaschwasser und Mittagessen. 

Der Nachmittg begann steil, mit grossen Stufen, es waren weitere 500 Hm zu überwinden. Ab hier sollen es 80-90% des Orinialtreks sein, der auch dem Unesco Welterbe untersteht. Jedes Jahr gibt es einen Marathon über die gleiche Strecke, die wir in 4 Tagen machen. Der Rekord liegt bei 3:45 h!

Wo es hoch geht, geht es wieder runter, also wieder geschätzte 400 m nach unten.

Unterwegs machten wir einen Abstecher zu einer weiteren Inkasite, es führten 100 zusätzliche Stufen nach oben. Wir genossen die Steinmauern und die Lamas und sahen den Nebelwolken beim Rasen zu. Unsere Truppe war sehr interessant und lustig, wir hatten eine gute Zeit.

Der heutige Tag endete mit offiziell (Suunto Uhr) 11.5 km / 1190 m hoch / 903 m runter. Ich hatte mehr Hm erwartet, basierend auf der Karte.

Uns wurde wieder das gleiche Zelt zugewiesen, unsere Duffelbags sowie unsere Schlafsäcke lagen schon drin.

Nach dem Einrichten plauderten wir bei Popcorn und Frittiertem, bis es kein Milo Pulver mehr hatte (eine Art Nesquick), das schien tragisch zu werden.

Beim Abendessen setzte Regen ein, entsprechend sank meine Laune dann etwas, aber beim Verlassen des Zeltes war wieder klarer Sternenhimmel zu sehen.

Leider schien meine neue Exped Matte wirklich nicht zu funktionieren, schade. Ich hatte sie extra für meinen Rücken mitgebracht. Als ich nachts erwachte, war der Himmel klar, weit entfernt leuchteten Blitze.

Regen weckte mich, schade. Um 6 Uhr gab es wieder Cocatee, wir liessen unser Gepäck im Zelt und frühstückten. Mit Regenklamotten ausgerüstet starteten wir bei leichten Regen. Bei einer längeren Pause, in der Jose uns etwas über die Kultur erzählte, begann ich zu frieren und meine Laune sank. Als sich dann später zufällig die Gelegenheit bot, übernahm ich die Führung und lief ohne Halt weiter, bloss nicht anhalten und weiter frieren. 

Gegen Mittag hatte der Regen aufgehört und wir erreichten eine weitere Inka Site namens Intipata. Die Jungs erklärten uns, dass die Inkas sehr praktisch waren (gefällt mir!). Ihr Gott war überall, daher konnten sie mit der Bibel zum Beispiel nichts anfangen. Schwarz ist die purste Farbe. In dunklen Höhlen konnten sie mit Mutter Erde in Kontakt treten. Im Himmel suche sie die schwarzen Stellen zwischen den Sternen.

Die Inka Flagge ist der Pride Flagge sehr ähnlich, hat jedoch eine Farbe mehr.

Das Camp war nur noch wenige Minuten entfernt und bald gab es Mittagessen. Die Wolke öffneten sich, die Sicht wurde besser.

Als wir bei Llama Path diesen Trip buchten, hatten wir irgendwo gehört/gelesen, dass es Schokoladenkuchen gab. Immer mal wieder hatte ich dann eine entsprechende Bemerkung gemacht, bis Jose heute sagte, dass er wegen mir mit der Küche reden müsste. Im Vertrauen meinte er dann zu mir, dass der Kuchen jedesmal zum Abschluss (vor Ort!) gebacken wurde, als Überraschung. Und ich hatte dies wohl versaut.
Die Inka Site Wiñaywayna lag gleich neben dem Camp. Es ist der Name einer Blume und bedeutet „für immer jung”. Die verschiedenen Terassen dienen dazu herauszufinden, was wann angebaut werden sollte. Sie wurde erst Jahre nach der Entdeckung des Inkatrails gefunden, im Jahr 1945. Wir spazierten weiter bis zu einem Wasserfall, wo ein junges Pärchen gerade duschte. Ich sehnte mich eh nach einer Dusche und war mit Versprechen auf ihr Shampoo innert Minutenfrist ausgezogen. In Unterwäsche stand ich also schon im Wasser, als der Rest unserer Truppe kam. Zwei Jungs taten es mir gleich, es war herrlich!!

Im Camp gab es dann den lang ersehnten Kuchen, dann galt es Ernst. Für den letzten Abend waren Dankesreden sowie Trinkgeldvergabe für die Crew angesagt. Mir wurde die Ehre zuteil, zum SousChef und zum ChefTräger zu sprechen. Ob mein Spanisch das Drittbeste war oder ob ich sonst einfach zuviel plauderte, sollte ich nie erfahren.

Als Team sammelten wir das Trinkgeld für alle zusammen, um es dann nach vorgegebenem Schlüssel auf die einzelnen Positionen zu verteilen. Obwohl wir zwei 25% mehr gaben, kamen knapp 3/4 des empfohlenen Betrages zusammen. Wir zwei waren enttäuscht, dass die anderen so wenig gegeben hatten, obwohl die Truppe wirklich tolle Arbeit geleistet hatte.

Nach dem Essen gab es also die drei Reden, anschliessend bedankte sich Jose, dass wir Llama Path gewählt hatten. Dann hiess es packen und früh zu Bett, Tagwache war sehr früh morgen.

Mitten in der Nacht hörte ich einen leisen Wecker im Zelt nebenan. Es war noch stockdunkel um 3 Uhr, als wir uns auf den Weg zum Checkpoint machten. 10 Minuten laufen und wir erreichten das momentane Ziel. Da viele Gruppen früh zum Machu Picchu wollen, mussten wir früh am Tor stehen, dass wir vorne waren, als es dann um ca. 5.30 Uhr aufging.

In schnellem Tempo liefen wir zum Sonnentor, wo sich zwischen den Wolken das erste Mal Machu Picchu zeigte. Wir klickten die ersten Fotos und liefen dann näher, während die Wolken immer weniger wurden.

Als wir beim Eingang des Areals mal wieder so richtig flach (betoniert) wurde, brach Begeisterung aus in der Gruppe. Auch die Toiletten mit Sitz waren gerne genutzt.

Wir spazierten zwei Stunden mit den Guides durch die stattlichen Mauern und lernten, dass die falsche Aussprache verheerend sein kann. „Matschu Pitschu” heisst grosser Penis, der Ort hier wird „Matschu Pictschu” genannt. Täglich kommen 3500 Touristen hierher, 2500 am Morgen und 1000 am Nachmittag. Da die Stadt sich senkte, mussten die Menschenströme limitiert werden. 70% der Ruinen sind Original, 28% wurden restauriert, 2% wurden zerstört, als der angebliche Entdecker Hiram Bingham, Historiker, nicht Archäologe, illegal die Ruinen freilegen wollte. Unesco verbietet den Wiederaufbau dieses Teils, sonst gelte es als gebaut, weil unklar ist, wie genau es vorher ausgesehen hat. Heute sind die wichtigsten Steine nummeriert, dass die Stätte im Falle eines Erdbebens wieder aufgebaut werden kann.

Gemäss einem Scan von National Geographic liegen 40 % der Stätte unter der Oberfläche, als Basis für die Terassen, als Wasserabflusssystem oder als Höhlen und Gänge.

Auf diesen über 100 Terassen lebten damals ca. 2000-2500 Menschen. Ob es sich bei einigen der Häuser um Tempel (für Sonne, Erde, Wasser) handelte oder eher um Studienhäuser für Agrikultur, ist unklar. Rund um Cusco gibt es über 1000 ähnliche Plätze, einige grösser als Machu Picchu, aber keiner so bekannt.

Schon während der Führung war ich sehr müde und hungrig. Wir sahen uns noch ein zwei andere Dinge an, dann traten Franziska und ich den Weg ins Tal an. Der Bus fuhr die typischen Serpentinen nach unten. Wir unterhielten uns mit Guido, einem anderen Guide, er brachte uns ins Restaurant, wo wir unsere Guides trafen. Nach einer kurzen Tour durch die sehr touristische Ortschaft, die gefühlt aus Restaurants und Souvenirläden bestand, kehrten wir für Drinks und Essen zum Treffpunkt zurück. Nach und nach kam der Rest des Teams, bis sich die Guides verabschieden mussten. Unser Zug fuhr erst zwei Stunden später. Zu Zweit hatten wir ein Upgrade gebucht, dafür war nichts mit schlafen. Nach Getränk und Focaccia trat ein farbig verkleideter Teufel auf, während die Lautsprecherstimme etwas Geschichtliches erzählte. Ich weiss nicht mehr was, denn ich musste mit dem Teufel im Mittelgang tanzen (ja, meine Waden schmerzten dann auch). Anschliessend folgte eine Modeschau für Alpacaprodukte, bis wir unseren Zielort erreichten. Dort trafen wir unsere Freunde wieder und im Bus ging es nach Cusco. 

Nach einem letzten Gruppenfoto und vielen Umarmungen kamen wir zurück in unser Hotel. Wir hatten das Zimmer neben der Rezeption, also keine weiteren Treppen vor uns. Eine herrliche Dusche später lagen wir in richtigen Betten. Es braucht nicht viel……
Ach ja, uns wurde gesagt, dass der InkaTrek zu den 5 härtesten Treks der Welt gehört…. keine Ahnung, ob das stimmt, aber wir sind stolz auf uns (und meine Waden erinnern mich ununterbrochen daran:-p)

Cusco (Teil 1)

(Montag, 13. November – Donnerstag, 16. November 2017)
Vor 5 Uhr erreichten wir Cusco, ein Taxi brachte uns durch die engen, steilen Gassen zu unserem Hotel. Wir mussten lange warten, bis jemand öffnete. Leider war unser Zimmer noch nicht bereit, aber Frühstück war schon fast angerichtet und Wifi war sehr gut (sogar für mein gebeuteltes Telefon!).

Um 10 Uhr hängten wir uns einer der vielen angebotenen Free Walking Tours durch die Stadt an. Alvaro führte uns erst in ein Schokoladen, wo wir verschiedenes probieren konnten. An den typischen Wänden erklärte er uns die Merkmale der Inka und spanischen Steinmauern. (Die der Inkas sind perfekt und eckig gehauen und ohne Mörtel eingebaut. Die Spanier haben mehr Hilfsmittel benötigt, dafür sehen die Wände nicht so perfekt aus.)

Wir hielten in einer Art Musikgeschäft und der Besitzer spielte auf lokalen Saiteninstrumenten. Etwas überrascht war ich zu sehen, wie auf einem Kiefer eines Esels geschlagen wurde (die klappernden Zähne machen die rhythmischen Geräusche) und auch die Nägel von Lamas wurden als Rasselinstrumente genutzt. Weiter ging die Tour durch die Strassen, auf einen hohen Aussichtspunkt (ja, ich war sehr atemlos! Die Höhe macht viel aus!) mit schöner Aussicht über das historische Stadtzentrum, bis wir wieder im unteren Zentrum landeten. Kurz vor dem Abschluss der Tour liefen uns Salome und Marco in die Arme, wir nahmen sie gleich mit in die Bar für den obligaten Pisco Sour. Ich hatte mir sehr viel Mühe gegeben, mindestens ein Teil des langen Namens des bekanntesten Inka-Gottes zu lernen (es fängt mit Ili…. an und endet mit uilicocha). Meinen Mühen wurden mit einem weitere Pisco (auf nüchternen Magen) belohnt.

Zu viert suchten wir uns ein Restaurant für‘s Mittagessen und anschliessend hatten die beiden anderen uns für eine Massage angemeldet. Auf einer Art Dachstock war ein Zimmer mit 6 Holzliegen, die knarrten, als wir uns kichernd hinlegten. Die kleinen Frauen begannen, uns mit Cocaöl einzucremen und zu massieren. Ich schlief fast ein, wäre es nicht eher kühl gewesen. Alle vier blieben nach der gefühlt kurzen Stunde noch etwas liegen, bis wir die 40 Soles (13 USD) pro Person bezahlen mussten. Als Abschluss holten wir unsere Shirts vom PeruHop Bus ab, diese Reise war hier in Cusco zu Ende.

Franziska und ich hatten uns ja für den 4tägigen InkaTrek angemeldet, also gingen wir ins Büro vorbei um definitiv zu bestätigen. Wir erhielten einige Infos, machten in Gedanken die letzten Packlisten und bezogen in je 4 Anläufen am Bankomat das restliche Geld (wir hatten uns da keine Freunde gemacht:-P).

Dann musste ich eingestehen, dass ich etwas Pause brauchte. Mein Magen war seit mindestens diesem Morgen stark aufgebläht, hart und schmerzte. So verzog ich mich zurück ins Hotel und verbrachte den Rest des Tages mit Netflix (zum Glück endlich mal richtig gutes Wifi im Hotel!). Franziska war mit den Schweizern und Deutschen noch aus für Essen und Drinks.

Am nächsten Morgen ging es mir trotz über 10 Stunden nichts essen nicht besser. Ich liess die anderen wohl oder übel alleine auf die Tour zu den Salinen und holte mir stattdessen in der Apotheke Rat; ich wollte auf keinen Fall den InkaTrail verpassen. Obwohl ich seit über einer Woche auf dieser Höhe war, hat mein Magen dies jetzt als nicht normal empfunden. Ich erhielt Medikamente zur besseren Verdauung und verbrachte den Rest des Tages spazierend, lesend und später wieder liegend. Immerhin, es ging langsam besser und für das Abendessen hatte ich schon wieder einen leichten Hunger. 

Die Tour sei ok gewesen, leider der Guide nicht so toll und die Attraktionen kosteten extra. Franziska schlief auch noch eine Weile, als sie zurück kam. Die vielen unterbrochenen Nächte haben es uns angetan. Ausserdem hatte es sich wohl auch in meinen Magen eingebrannt, dass wir unterwegs im Bus nur „Number 1″ durften, die Toilette im Bus konnte nur Flüssiges verarbeiten. Egal, es ging langsam besser und ich wurde zuversichtlicher für die Wanderung.

Wir genossen ein sehr leckeres Essen in einem veganen Restaurant und sahen uns dann das zweite Qualispiel zwischen Peru und Neuseeland auf dem Plaza de Armas an. Zusammen mit Hunderten anderen feuerten wir die peruanischen Spieler an und feierten den Sieg und die erste Qualifikation Peru‘s seit 1982. Auch hier floss Bier, es wurde Popcorn verkauft und die Menge brachte gute Stimmung auf den Platz. Auf dem Heimweg hallten immer noch laute Böller durch die Strassen, die Menschen hupten freudig. Fussball ist überall auf der Welt ähnlich. 
Ausschlafen, so richtig! Das Zimmer blieb dunkel, die Dusche war perfekt und das Frühstück auch kurz vor Schluss noch sehr lecker! Quinto San Blas gefällt uns. Wir holten unsere Wäsche im Shop nebenan und stellten freudig fest, dass wir mehr Kleider zurückerhielten als wir abgegeben hatten. Glücklicherweise schien nichts zu fehlen von uns.

Im Zimmer machten wir grosse Auslegeordnung, was wie auf den Trek mitgenommen werden musste und wie schwer es wohl sein sollte. In Jack‘s Cafe gab es leckere Tomaten-Avocado-Toasts mit Fruchtsäften, wir sind echt verwöhnt. Noch die letzten Einkäufe für den Trek (Coca Bonbons für die Höhe) und dann sassen wir mit 9 anderen Teilnehmern bei Llama Path für die letzten Informationen der nächsten vier Tage. Es wird intensiv, Tagwache zwischen 3 und 6 Uhr, dafür dürfen wir bereits um 7 ins Bett. Ich werde berichten!

Nun war es auch an der Zeit, uns von Salome und Marco zu verabschieden, sie werden Cusco am Samstag nach Norden verlassen. Das nächste Mal treffen wir uns, wenn Peru an der WM spielt!

Bolivien: Copacabana

(Sonntag, 12. November – Montag, 13. November 2017)
Etwa zwei Stunden, nachdem wir Puno verlassen hatten, erreichten wir die Grenze zu Bolivien. Ich hatte mich auf einiges Tamtam eingestellt, war aber kein Problem. Gepäck aus dem PeruHop, in Peru Ausgangsstempel abholen und dann waren wir im Niemandsland (wo noch Unmengen von Menschen herumspazierten). Wir stellten das Gepäck in den massiv kleineren Bus von BoliviaHop, füllten das Anmeldeformular aus, das dann doch niemand sehen wollte und erhielten den Eingangsstempel für Bolivien. Fasziniert war ich über zwei Koreanerinnen, die kaum englisch sprachen (wohl auch kein spanisch), aber sich doch irgendwie durchschlugen.

Copacabana (das bolivianische, das dem brasilianischen den Namen gegeben haben soll) liegt nur ca. 10 Minuten von der Grenze entfernt. Wir gaben das Gepäck im Hotel ab, holten Sandwiches beim Hafen (leider doch nicht vegetarisch) und setzten uns auf das Dach des Bootes, das uns nach Isla del Sol brachte. Unterwegs sahen wir nicht allzuweit entfernt Schneeberge, vom strahlenden Sonnenschein angeleuchtet. Es sah nicht so aus, als ob die Berge viel höher wären als wir. Wir waren auf ca. 3800 m ü. M. Heimatgefühle kamen auf. 

Einige verbrachten eine Nacht da. Wir spazierten den Hügel hoch, an einem Tempel vorbei und genossen die Aussicht, bevor wir durch ein hübsches Dörfchen zurück an den Hafen gelangten. 

In Copacabana schlenderten wir dem windigen Strand entlang, bis wir realisierten, dass die Schweiz ja gegen Nordirland spielt. In einer Sportbar zappten wir uns durch die Kanäle, aber leider wurde das Spiel nicht übertragen. Immerhin half uns Wifi herauszufinden, dass die Schweiz qualifiziert ist!

Nach weiteren Stopps in Souvenirläden setzten wir uns in ein warmes Restaurant für Suppe, Fisch und Kuchen. Giovanni, vermutlich der Besitzer, quatschte lange mit uns. So verzieh er es uns, als wir dann genau 1 Boliviano zu wenig zum Bezahlen dabei hatten (15 Rappen). 

Endlich, seit langen ein Tag, an dem wir nicht früh raus mussten. Unser einziger Termin heute war die Weiterfahrt am frühen Abend. Wir sahen uns also die Kirche an und kletterten auf den kleineren Hausberg namens Horca del Inca (3990 m ü. M.). Der Weg war felsig, die Stufen direkt in die Steine geschlagen. Oben zeigte sich eine schöne Aussicht über die Stadt und den Hafen. Die Sonne wärmte uns auf, so dass wir uns Zeit liessen. So sollen Ferien sein, Wärme und Nichtstun!

Im Dorf gönnten wir uns Nachos und Fruchtsäfte, ansonsten machten wir nicht mehr viel, sondern genossen das schöne Leben. 
Die Fahrt zurück über die Grenze verlief dann auch ereignislos. Wir hatten uns die vordersten oberen Sitze im Bus geschnappt. Ich genoss die Landschaft und sah zu, wie es dunkler wurde. Ich erkannte die Strasse und die anderen Verkehrsteilnehmer (auch Velofahrer ohne Licht!) immer weniger und hoffte, dass es den Fahrer besser ging. 

In Puno hielten wir für ein Abendessen und unterhielten uns mit Engländern, die ein halbes Jahr unterwegs waren. Sie machten fleissig Notizen von Franziska‘s Ecuador Tips. Dies ist auch das Spannende am Reisen: Wir treffen ähnlich gesinnte Menschen, die entweder das gleiche Ziel hatten oder schon da waren und dann können wir Erfahrungsberichte austauschen. Das gefällt mir!

Im Bus konnten wir diesmal die VIP Sitze im unteren Teil des Busses übernehmen, fast wie in der Business Class. Die Fahrt geht nach Cusco,

Puno

(Donnerstag, 9. November – Sonntag, 12. November 2017)
Etwas verspätet wurden wir abgeholt im Hotel und traten in einen stinkenden Bus, die anderen hatten die ganze Nacht da geschlafen. Ob es bei uns auch so gerochen hat?

Kurz darauf gab es einen kurzen Frühstückshalt, den wir ausliessen. Stattdessen dösten wir zwei Stunden bis zu einem Aussichtspunkt auf ca. 3500 m ü. M. Dort klappte eine junge Frau wegen der Höhe zusammen. Einmal mehr war ich froh, die Höhe gut zu vertragen. 

Und weiter ging es, diesmal mit einem Film, den wir jedoch mittendrin aufhören mussten, da wir spontan in einen anderen Bus umsteigen mussten. Wir gaben unser Hotel an, das Gepäck wurde auf das Dach geschnallt und wir stiegen ein. Nach langen Hin und Her stellte sich heraus, dass wir im falschen Bus sassen weil sie uns ins falsche Hotel gebucht hatten. Also wieder raus, das Gepäck (natürlich zuunterst) wieder vom Dach und auf das nächste Dach und dann ging es endlich weiter. 

Puno erreichten wir nach einer knappen Stunde, die Stadt überzeugte mich im ersten Augenblick nicht. Dreckige Strassen, unfertige Bauten und eher lieblose Wege sah ich. Ich weiss, dass ich meine Meinung revidieren werde, wenn ich denn am Wasser bin. Puno liegt am Titicacasee, dem höchstgelegenen, navigierbaren See. 

Die Temperatur war wieder eher kühl, auch im Hotelzimmer. Die 3 Decken sollten uns aber warm halten. 

Zu Fuss fanden wir die wichtigen Plätze und Kirchen sowie die Fussgängermeile, die sehr schön aussah. Wir fanden ein Restaurant zum späten Mittagessen, während dunkle Wolken aufzogen. Trotzdem schlenderten wir weiter, durch Touristenshops, den lokalen Fleisch- und Gemüsemarkt, an Schreibern mit Schreibmaschinen vorbei sowie durch den Gemischtwarenmarkt, wo in einer Ecke alles Nähmaschinen standen. Am Ende fanden wir doch noch einen Ort für einem Haarschnitt, für 4.5 Soles (1.50 USD) wurden wir etwas aufgehübscht. 

Geld abheben stellte sich hier auch als Herausforderung dar. Eine Bank würde uns gerne sparsamer erziehen und verneinte die Abhebung mit dem Kommentar, dass ich diesen Monat bereits Geld abgehoben hatte. Andere lehnten grundlos ab, da blieb uns nichts anderes übrig als bei der teuren Bank 6 USD Gebühren zu bezahlen. 

Mit einem diesmal eher wässrigen Fruchtsaft (sonst immer sehr sehr lecker und schon fast wie eine eigene Mahlzeit) kehrten wir ins Hotel zurück. Die vielen kurzen Nächte hatten es mir angetan, ich schlief vor neun Uhr bereits ein, dick eingepackt in Woll- und Daunendecke. 
Mehr als 9 Stunden Schlaf am Stück, so schön können Ferien sein! Nach dem Frühstück wurden wir für die heutige Tour abgeholt, alles sehr gut organisiert, PeruHop ist empfehlenswert!

Wir wurden an den Hafen und dort auf ein kleines Schiff gebracht. Nach ca. 30 Minuten Fahrt erreichten wir die schwimmenden Uros Inseln. Der Guide brachte uns noch die wichtigsten Wörter bei (Kamisaraki – good morning. Hello. How are you? / Waliky – i am fine) und erklärte, dass wir den Kindern keine Süssigkeiten geben durften, da es auf den Inseln keinen Zahnarzt gibt. Dort angekommen erklärten sie uns, dass die Inseln aus schwimmenden Wurzeln bestehen, auf die mehrere Schichten einer Art Seegras namens Totora gelegt wurden. Darauf folgten dann die Hütten und für die Küche wurde noch ein Stein dazwischengelegt, um das Abbrennen der Insel zu verhindern. Alle 15 Jahre müssen sie die gesamte Insel erneuern. Früher schwammen die Inseln ziellos umher, nun mit der Grenze zu Bolivien, die irgendwo durch den See verläuft, setzen sie eine Pflock ins Wasser um das Wegtreiben zu verhindern. Etwa 2000 Menschen wohnen auf diesen 97 schwimmenden Inseln. 

Eine Frau zeigte uns ihr kleines Haus, ich war erstaunt, eine Art Computer zu sehen. Vor der Hütte war ein Solarpanel, das erklärte einiges. 

Wir setzten uns in eines ihrer Schiffe, während die Frauen Abschiedslieder sangen. Während der Überfahrt zur Hauptinsel sangen die Kinder in verschiedenen Sprachen und sammelten dann Geld für ihre Darbietung. Vor dem Anlegen sammelten die Frauen von jedem Passagier noch 10 Soles (3.30 USD) ein. Hier wird das Geschäft klar mit den Touristen gemacht. Auch das Stempeln des Passes kostete wieder 1 Sole. Naja, wenn wir schon mal hier sind. 

Wir hatten uns mit zwei Deutschen angefreundet und setzten uns in unserem Boot auf das Dach. Die Fahrt nach Amantaní dauerte über zwei Stunden, genug Zeit sich anzufreunden und dann noch etwas zu dösen. 

Auf der nächsten Insel angekommen wurden wir auf verschiedene Familien verteilt, zusammen mit den Deutschen wurden wir bei Annamaria einquartiert. Wir sollen uns den Namen der Gastmutter gut merken, die Frauen sahen alle ähnlich aus. Sie führte uns in 10 Minuten in unsere Unterkunft für die folgende Nacht. Erst mal gab es jedoch Mittagessen: Quinoasuppe und Gemüse mit Bratkäse. Zu meinem Glück leben sie hier vegetarisch. Die Küche war ein separater Raum, wir alle mussten uns bücken um hineinzulaufen, unsere Gastmutter lief normal geradeaus. Mit unserem Spanisch schafften wir eine einfache Kommunikation und lernten, dass die 56jährige seit 30 Jahren Witwe ist und mit ihrem Vater, Bruder und einer Tochter sowie deren 3 Kindern hier wohnt. Das Haus bestand aus vielen kleinen Häusern, Franziska und ich bezogen unser Quartier in einer Art Turm. 

Hier spricht man Quechua, auch da mussten wir wieder die wichtigsten Worte lernen: 

Agli glianchu – hello. How are you

Agli tota – good night

[keine Haftung für korrektes Schreiben!]

Um 4 Uhr trafen wir die Gruppe beim Dorfplatz und der Guide erklärte, dass hier jede Community eine andere Farbe des Rockes hat. Wir sollen nach unserer Wanderung also wieder zu den schwarzen Röcken zurückkehren. Oben auf dem Berg sei der Tempel für Pachatata (Father Earth), auf 4200 m ü. M. Noch 50 m höher wäre der für Pachamama (Mother Earth). Ob es noch etwas für Mamachacha (?) hat, hab ich jedoch nicht verstanden. Er erklärte noch mehr über die Dreifaltigkeit dieser Religion, die sich immer wiederholt, bei den drei Elementen stellte ich ab, wir kennen ja vier Elemente. Spannend ist es trotzdem. Dann liefen wir los, von ca. 3800 m ü. M. ca. 400 m zum Teil steil nach oben. Der Weg war gesäumt von lokalen Frauen, die ihre Waren verkaufen wollten. Sie priesen gestricke Handschuhe, Schals und Pullover an, aber auch Wasser, Bier und Schokolade. Die Landschaft war weitläufig und von oben sahen wir einen traumhaften Sonnenuntergang und den See rund um die Insel. Auf dem Festland leuchteten die Schneeberge in der untergehenden Sonne. Windig, aber die Aussicht war es wert!

 Ich war sehr beeindruckt über die klaren Luftverhältnisse, wegen der fehlenden Luftverschmutzung sieht alle sehr klar aus, die Farben sind sehr intensiv, sehr beeindruckend. Nach den obligaten Fotos spazierten wir den gleichen Weg wieder zurück und trafen unsere Mama vor unserem Haus. 
Kurz darauf gab es Abendessen, Suppe und Reis mit Gemüse, sehr lecker. 

Danach wurden wir umgezogen, das heisst wir wurden in traditionelle Kleodung gesteckt. Jan und Tobi bekamen einen Poncho und lustige Hüte, Franziska und ich Röcke und Blusen, Brustgurt und ein schwarzes Tuch über den Kopf. So trafen wir dann auch die restlichen der Gruppe in der Halle des Ortes an. Extra war eine Musikgruppe aus Puno angereist, die für Stimmung sorgte und die Lokalen zogen uns auf die Tanzfläche. Wir tanzten im Kreis zu typisch peruanischer Musik und sogar ein Cover von Despacito spielten sie. Mit einem Bier verzogen wir uns nach draussen um die unzähligen Sterne zu betrachten. Ab und zu sahen wir sogar eine Sternschnuppe. Wir waren langsam müde und unsere Mutter brachte uns auf den Heimweg. Die Jungs blieben in einer Bar hängen, sie wollten noch das Qualispiel Peru – Neuseeland sehen, wir Mädels legten uns unter unsere Schichten von schweren Alpacadecken und waren bald eingeschlafen. 
Am Morgen zeigte sich das Wetter von bester Seite, die Vorhersagen scheinen falsch zu sein. Wir frühstückten und verabschiedeten uns von unserer Gastfamilie. Mit dem Boot ging es weiter zur Insel Taquile, wo ca. 2700 Menschen leben. Wir schlenderten zum Dorfplatz und genossen die Aussicht in der Sonne. Mit hübschen Armbändern ausgestattet spazierten wir weiter, entlang von schönen Steinwegen, an kleinen Häusern vorbei, viele mit Solarpanels ausgestattet. Hier ist das Leben noch sehr einfach! Überall am Wegrand verkauften sie geknüpfte Armbänder oder hielten einfach so die hohle Hand hin. Es scheint wirklich so als ob sie das ganze Geld vom Tourismus machen und das scheint nicht mal so schlecht zu funktionieren. 

Beim nächsten Stopp zeigte uns ein junger Lokaler wie Shampoo hergestellt wurde, durch einfaches Zerreiben einer bestimmten Pflanze, das Resultat, was er an dreckiger Wolle zeigte war gut. 

Der Guide erklärte uns, dass Jungs bis 6 Jahre eine bestimmte Mütze tragen, die der Nationalblume ähnlich sieht. Danach gab es bis 18 Jahre eine rot-weisse Mütze mit weissem Bauchgurt, sofern der junge Mann noch Single ist. Nach der Heirat (die eher früh ist und lebenslang bleibt) trägt der Mann eine rote Mütze mit rotem Bauchtuch sowie einem Gurt, in dem die Haare seiner Frau eingearbeitet sind. Ausserdem tragen sie eine kleine Tasche mit Cocablättern, die werden ausgetauscht zur Begrüssung, anstelle eines Handschlages. Die Frau erhält zur Hochzeit keinen Ring, sondern ein schwarzes Tuch mit Pompons an den Ecken, um Kinder und Material zu tragen. Die 25 regierenden Männer der Insel wiederum tragen andere Mützen zusammen mit einem Hut als Erkennungszeichen. Alles scheint hier seine Ordnung zu haben.

Sie servierten uns eine Quinoasuppe sowie frischen Fisch, zum Abschluss den typischen Muñatee mit frischen Kräutern. Dann hiess es bereits wieder, die Insel zu verlassen und den weiten Weg nach Puno anzutreten. Für Unterhaltung sorgte ein junger deutscher Tourist, der beim Hafen sein Telefon ins Wasser fallen liess und ihm dann (leider erfolglos) nachtauchte. 

Nach fast drei Stunden dösen, lesen und die letzte Aussicht auf dem Dach geniessen erreichten wir wieder den Hafen von Puno. 

Wir schlenderten durch den samstäglichen Markt, wo Jacken, Unterwäsche, Duschmittel, Süssigkeiten, Schreibwaren, einfach alles angeboten wurden. Für uns gab es noch Kokoskekse und frischen Fruchtsaft, bis es dann mal an der Zeit war, uns mit den Jungs zu treffen. Im uns empfohlenen Restaurant Colors in der Fussgängermeile servierten sie Alpaca, doch auch dieses Fleisch überlasse ich gerne anderen. Wir hatten einen vergnüglichen Abend zu viert. Auf dem Heimweg kamen wir an einer Geburtstagsparty für eine 15jährige vorbei, das schien hier gross gefeiert zu werden. Wir waren klar underdressed und entschieden uns so dagegen, die Party zu crashen.
Das Hotel Independencia Suites war nicht sehr gut isoliert. Wir hörten die Türklingel im dritten Stock und auch alle frühen Nachbarn, als ob sie bei uns im Zimmer wären. Morgens war dann auch noch der Strom ausgefallen, so dass wir auch mit kaltem Wasser duschen mussten. Auch das klappte und wir wurden sogar pünktlich von unserem Bus abgeholt. Es geht heute nach Bolivien. 

Follow

Get every new post on this blog delivered to your Inbox.

Join other followers: