Mysore / Abreise nach Chennai

Ich wurde vom Telefon geweckt, ich hatte mal wieder den Wecker nicht für den Samstag programmiert und verschlafen. Trotzdem sass ich knapp 15 Minuten später frisch geduscht im Auto von Brijesh, unserem indischen Kollegen, und begutachtete die Snack Box, die Pieter für mich bestellt hatte.
Schon die dreistündige Fahrt nach Mysore war für uns Europäer ein Erlebnis! Was wir auf den Strassen sahen, war für uns kaum vorstellbar.
Jeder lief über die Strasse, wo er gerade wollte, darum hupte auch Brijesh sehr oft. Die Lastwagen fordern die hinter ihnen fahrenden auf, zu hupen, denn der Rückspiegel wird wohl nicht genutzt. Man musste auch damit rechnen, dass jederzeit Kinder über die Strasse rennen konnten, denn oft waren die Dörfer auf beiden Seiten der Hauptstrasse. Mit hohen Bodenwellen wurde sichergestellt, dass die Autofahrer nicht rasen, zwischendurch trennten auch Abschrankungen die halbe Strasse, so dass sich jeweils ein Stau bildete. Pieter und ich genossen die Fahrt wie in einem Film und lauschten gebannt Brijesh’s Erklärungen und Geschichten, die er hier erlebt hat. Zum Beispiel hat er immer nur eine Kopie seines Führerscheins bei sich, falls der Polizist mal wieder zusätzliches Geld möchte um den Ausweis nach einer normalen Kontrolle wieder zurückzugeben, überlässt Brijesh ihm den Führerschein ohne gross nachzudenken. Vier Personen auf einem Motorrad sind hier keine Seltenheit, die 2 Kinder werden nämlich nicht gezählt, somit ist die Maximalzahl von zwei Personen erfüllt. Helme scheinen nicht notwendig zu sein. Es hatte heute zwar sehr viel Polizeipräsenz, aber die Staus kommen angeblich vor allem, wenn Polizisten versuchen, den Verkehr zu regeln.
In Mysore wurde ich schon auf dem Parkplatz von den ersten Verkäufern bedrängt. Der Eintrittspreis für Inder war 40 Rupien, für Ausländer 200 Rupien (CHF 3). Meine Kamera mussten wir gleich nach dem Eintritt abgeben und mussten dafür sogar zahlen, obwohl gross „free storage“ stand. Korruption herrscht hier an vielen Orten.

Wir sahen uns den Mysore Palace, den Tempel und das Museum nebenan an. Es gab Kleider, Waffen, Möbel, Gemälde und vor allem auch die speziellen Gebäude zu bewundern. Erst spät merkte ich, dass ich für die einheimischen Touristen auch als Anschauungsobjekt betrachtet wurde, viele sahen mich von Kopf bis Fuss an. Wir verzichteten auf einen Ritt auf dem Elefanten und Kamel, uns war es definitiv zu heiss draussen. Wir holten unsere Schuhe wieder am Eingang ab (glücklicherweise hatten wir noch Socken an, ohne die wäre der Steinboden kaum erträglich gewesen) und setzten uns ins kühle Auto. Draussen herrschten 38 Grad! Wir machten einen weiteren Ausflug zu einem anderen Tempel und einem Wasserfall, uns reichte aber auch schon der Alltag, der schon auf den ersten Blick ganz anders aussah als bei uns. Auf dem Weg zum Chamundi Hill erfuhren wir, dass es in Indien verpönt ist, sich in der Öffentlichkeit zu küssen. Einem Paar am Strassenrand schien es egal zu sein, aber es war das erste (und einzige) Mal, dass wir so etwas sahen.

So genossen wir auch die Heimfahrt wieder, glücklicherweise im kühlen Auto, aber mit Blick auf die besten Attraktionen mit einem gesprächigen einheimischen Führer.

Brijesh arbeitet mit uns, er ist hier unter anderem auch für unser Schweizer Team zuständig. Da er auf eine Privatschule gegangen ist, ist sein Englisch sehr gut und für mich sehr gut verständlich. Manche Leute kann ich kaum verstehen, so stark ist der für Indien typische Akzent. Wir hatten Glück, dass er sich die Zeit für uns nahm, um uns einiges zu zeigen und von seinen Geschichten zu erzählen.

Wir gönnten uns ein letztes Mal norwegischen Lachs und einen Schlummertrunk und freuten uns aufs Ausschlafen am Sonntag.

Trotz des fortgeschrittenen Morgens war der Pool noch leer, als ich mich ins kühle Nass stürzte. 2 Kilometer später erwartete mich der Bademeister wieder mit einer Flasche Wasser und nach dem Frühstück gesellte ich mich zu Pieter auf den Liegestuhl. Lesend genossen wir die kühle Brise im Schatten. So sollten die Sonntage immer sein!

Bald schon hiess es packen und dieses Traumhotel zu verlassen. Es war sehr eindrücklich, immer mit dem Namen angesprochen zu werden (und das trotz 290 Zimmern!). Die Angestellten waren alle sehr zuvorkommend und fragten immer nach dem Wohlbefinden und allfälligen Wünschen. Ich konnte mich über gar nichts beklagen und hatte das Verwöhnprogramm sehr genossen!

Der Flug nach Chennai verlief erstaunlich schnell und so waren wir 3 Stunden nach dem Verlassen des Hotels bereits im neuen Hotel angekommen. Dieses hier in Chennai sei noch besser als das in Bangalore, wurde mir versprochen. Ich war sehr beeindruckt von den Räumen (auch wenn ich hier „nur“ noch ein normales Zimmer erhielt was immer noch extrem eindrücklich war), jedoch fehlte mir das Tageslicht. Wir tranken einen Willkommensdrink, machten eine Tour durch das Hotel, reservierten für unsere Abendessen und bestellten uns Essen im italienischen Restaurant.

Zurück im Zimmer suchte ich mir erst mal ein paar Socken, denn die Räume sind stark klimatisiert. Draussen war es gute 38 Grad und über 70% Luftfeuchtigkeit, das sei sogar zu heiss für die Moskitos. Das konnte ich sehr gut verstehen! 😉

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