Chennai

Ich hatte schlecht geschlafen, die Klimaanlage brachte eisige Luft ins Zimmer, draussen war der Verkehr konstant zu hören. Im Zimmer war dann plötzlich auch mal dunkel, ein erster kurzer Stromausfall. Der zweite des Tages erlebte ich im Lift auf dem Weg zum Frühstück, willkommen in Indien.
Unser Chauffeur sprach kaum englisch, wir konnten knapp die Nummern austauschen und ihm mitteilen, wann wir ungefähr wieder abgeholt werden möchten. Uns wurde auch hier ein persönlicher Fahrer zur Verfügung gestellt, so dass wir auf keinen Fall selber fahren müssen (puh!) und uns auch nicht auf die Unsicherheit eines Taxis verlassen mussten.
Im Park, wo unser Arbeitgeber ist, sind noch viele andere multinationale Unternehmen wie IBM, Dell, etc, es arbeiten ca. 100‘000 Leute hier. Unsere Büros sind ganz neu eingerichtet, es sind auch erst 150 Mitarbeiter hier, davon ein Team von ca. 12 Leuten für die Schweiz. Auch hier wurde ich sehr offen empfangen, das Team freute sich, mich endlich persönlich kennenzulernen, mir ging es genauso! Unsere Teamleiter sprachen sehr gutes Englisch, was mir hier die Arbeit sehr erleichterte. [Allgemein habe ich weniger Mühe damit, dass ich nur noch englisch sprechen muss, ich hatte es mir schlimmer vorgestellt. Manchmal denke ich schon in englisch.]

Wir sprachen in den ersten zwei Stunden mit den Verantwortlichen des Teams über die vergangene Zusammenarbeit und die Veränderungen für die Zukunft und bereiteten uns zu zweit für diese intensive Woche vor. Das knappe Kilo Schokolade, das ich heute mitgebracht hatte, war innert wenigen Minuten (!) verschwunden. Schweizer Schokolade ist hier sehr beliebt weil kaum vorhanden und sehr teuer. Immerhin wurde mein Koffer so endlich etwas leichter.

Das Mittagessen holten wir uns im Subway, wir trauten uns nicht an das lokale Essen heran. In vielen Restaurants gab es zwei Schlangen, einmal vegetarisch, einmal nicht-vegetarisch. So war hier allgemein sehr viel angeschrieben. Und die Schlange beim vegetarischen war erstaunlicherweise länger;-) Allgemein sei Chennai eine sehr konservative Stadt, viele leben vegetarisch und trinken keinen Alkohol.

Wir verliessen das Büro wieder früh, um dem Verkehr zuvorzukommen und arbeiteten im Hotel noch etwas, bis ein Teil des Teams zu uns stiess. Wir hatten im indischen Restaurant reserviert und wollten da unter fachkundiger Anleitung essen. Während unsere Kollegen kaum etwas merkten, war es für Pieter und mich schon ziemlich scharf! Trotzdem schlugen wir uns tapfer und assen mit den Händen, was uns aufgetischt wurde. Über das Brot mit Joghurtsauce freuten wir uns jedoch sehr! Der Nachtisch war dann dafür extrem süss. Die Kollegen amüsierten sich köstlich über unsere empfindlichen Geschmacksnerven und die erfolgreichen Versuche, von Hand zu essen. Erst der „Munderfrischer“ vor dem Herausgehen war dann für mich definitiv zu viel des Guten, ich freute mich auf ein kleines Stück Schokolade in meinem Zimmer zum Spülen!

Auch am nächsten Tag hatten wir wieder viele (telefonische) Meetings und diskutierten wir einige Unklarheiten mit dem Schweizer Team. Es war gut, mal persönlich miteinander zu sprechen!

Das Büro ist etwa so wie ich mir das vorgestellt hatte, nur moderner. Grossraumbüros, mit eher wenig Platz pro Person, aber dafür überall kleinere Ecken für Gespräche und eine geräumige Cafeteria. Was ich absolut genial fand war W-lan im ganzen Büro. Ich musste nicht immer nach einem Kabel suchen, sondern konnte auch spontan meinen Laptop schnappen und zum Team gehen um etwas zu besprechen. Das sollten wir in Zürich auch einführen!

Nach einem kurzen Stopp im Hotel liessen wir uns in die Bar bringen, wo wir für heute Abend einen Teamevent geplant hatten. Unsere Schweizer Flaggen waren ein beliebtes Fotosujet und alle wollten wissen, wie es mir denn hier gefällt. Ich konnte nur Gutes (bis auf das Essen ;-)) berichten, wurde ich doch überall sehr freundlich empfangen! Viele Gespräche, unzählige Fotos und einige Drinks später verteilten wir uns auf die vorhandenen Taxis und liessen alle heimfahren.

Ich war früh wach und testete den Swimming Pool im Hotel. Die tieffliegenden Flugzeuge waren sogar unter Wasser zu hören. Im Büro waren dann doch noch nicht alle da, einige litten noch etwas von vergangener Nacht, aber erstaunlicherweise hatten alle zusammen den Abend sehr genossen und erzählten dies auch im ganzen Büro herum.

Im Subway musste ich nicht mal mehr meine Bestellung aufgeben, der Angestellte hatte mich schon erkannt. Dies ein weiterer Hinweis, wie sehr ich hier auffiel.

Am Abend wollte ich noch etwas von der Stadt sehen, so erklärte sich ein Teamleiter bereit, mit mir durch die Strassen zu fahren und laufen. Ich erfuhr von Navin viel über diese Kultur, lernte einige Worte und genoss einfach mal das Strassenleben, das hier so ganz anders ist als zu Hause. Die kleinen Läden am Strassenrand waren kurz vor dem Schliessen, alle waren noch am Putzen und schauten etwa so neugierig zu mir wie ich zu ihnen. Ich war sehr froh um meine gute Begleitung! Nicht nur dass ich mich ohne verlaufen hätte, ich war auch froh zu wissen, dass ich nicht alleine war, als immerhin einzige Weisse und einige der wenigen Frauen auf der Strasse. Ohne Probleme erreichten wir wieder das Hotel, mir hatte dieser kurze Einblick in das Alltagsleben sehr gefallen!

Der letzte Arbeitstag war schnell um, ich verteilte die letzte Schokolade, machte noch einige Fotos und verabschiedete mich bald vom Team. Wir würden noch viel miteinander zu tun haben, aber vor allem per Email und Telefon, wer weiss wann ich sie wieder besuchen dürfte.

Der Chauffeur hatte im Parkhaus auf uns gewartet und fuhr uns wieder durch die Stadt. Plötzlich rammte uns ein Bus leicht von der Seite, das ganze Auto bewegte sich. Der Zusammenstoss war nicht schlimm, aber erschreckte uns doch sehr. Unser Fahrer bremste mitten in der Strasse, blockierte so die Weiterfahrt des Busses (und vielen anderen Fahrzeugen) und plötzlich standen ca. 10 Männer um unser Auto und diskutierten in einer uns nicht verständlichen Sprache. Pieter und ich waren unsicher, wie wir hier wieder rauskommen würden. Ich meldete mich schon mal bei unserem Team im Büro, sie hatten schon fast einen Ersatzwagen bereit, als es dann doch noch zurück ins Hotel ging. Wir haben keine Ahnung, wie das Ganze ausging, waren aber froh wieder im Hotel zu sein und zu wissen, dass die Sicherheitsleute im Büro schon einen Report über diesen Vorfall hatten. Ich war mal wieder beeindruckt von dieser Schnelligkeit!

Pieter und ich gönnten uns ein letztes (mal wieder zu scharfes) Essen im vegetarischen Hotelrestaurant, packten unsere Koffer und gönnten uns einige Stunden Schlaf. Mitten in der Nacht, um halb vier Uhr, wurden wir abgeholt und zum Flughafen gebracht. Die Sicherheitskontrolle war nach Geschlecht getrennt, ich war mit Abstand die Grösste in meiner Kolonne. Nachdem unsere Bordkarten mehrfach gestempelt und alle drei Meter kontrolliert wurden, durften wir endlich ins Flugzeug, wo wir uns müde auf unsere Sessel legten. Einen langen Flug und einen kurzen Aufenthalt in der First Lounge (letztes Upgrade ;-)) später war ich schon fast wieder in Zürich. Der Taxichauffeur hier war ein Inder und freute sich über meine wenigen Worte, die ich in dieser kurzen Zeit gelernt hatte.

Für mich war es ein sehr interessantes Abenteuer, ich freue mich darauf, bald mal wieder gehen zu können, hoffentlich mit mehr Zeit für Land & Leute!

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