Im Dunkeln in der Unterwasserwelt

(Donnerstag, 6. Januar 2011)

Ich erwache erstmals vor dem Wecker und finde das Badezimmer noch kühl vor.
Zimmer ist etwas übertrieben, denn das Dach deckt nur das Nötigste (Dusche,
WC, Lavabo) ab, daneben hat es auf der gleich grossen Fläche zwei kleine
Gärten mit Pflanzen und auch “Haustieren”. Manchmal sehen wir die Echsen,
Ameisen und Tausendfüssler, oft beobachten sie uns aus ihrem Versteck. Ich
geniesse aber die Wärme hier, so friere ich wenigstens nicht, wenn ich
fertig geduscht habe;-)
Gleich nach dem Frühstück springen wir wieder ins Meer. Eigentlich wollten
wir nach links, aber die Strömung treibt uns nach rechts. Wir geben auf und
lassen uns treiben, bis wir – unzählige Fische später – auf der anderen
Seite ankommen.
Wir ruhen uns aus bis der Abdruck der Taucherbrille aus unserem Gesicht
verschwunden ist und gehen essen. Zum Salat gibt es jeweils Papadam dazu,
das sieht aus wie ein kleines Fasnachtsküchlein, ist aber salzig.
Martin will gleich wieder ins Wasser, also ziehen wir Shirts und Shorts an,
die uns vor der aggressiven Sonne schützen sollen. Diesmal können wir links
durch und treffen auf riesige Schwärme verschiedener Fische, die sich alle
um einen Punkt tummeln. Es macht Spass, dazwischen durch zu schwimmen.
Manchmal habe ich auch das Gefühl, ich könnte die Fische berühren, so nah
sind sie. Aber ich bin überzeugt, dass die schon längst weg wären, bis
meine Hand bei ihnen ist.
Als wir durch eine kalte Strömung schwimmen, schwimme ich zurück zum Ufer.
Ich bin nicht hier um zu frieren;-)
Nach unserer obligaten Runde Squash, bei der ich Martin immer mehr stressen
kann, geniessen wir die Ruhe auf unseren Liegestühlen, bevor dann das
Schwierigste des heutigen Tages ansteht…
Pünktlich um 18 Uhr begrüsst uns Shaya an der Tauchschule. Gemeinsam sehen
wir den Sonnenuntergang an und warten auf die Dunkelheit. Mit Tauchlampen
ausgerüstet waten wir mit unserem Schnorchelequipment ins tiefere Wasser.
Es ist immer noch ziemlich warm, nur die kühle Strömung felht jetzt
glücklicherweise.  Hunderte winzige Fische stossen immer wieder gegen
unsere Körper, wie ein Mückenschwarm fühlt sich das an. Kaum sind wir über
dem Riff, wird das Wasser klarer und wir erkennen im Lichtkegel die grossen
Fische, die die kleinen jagen. Martin freut sich, als er weiter unten einen
Hai mit im Licht leuchtenden Augen entdeckt. Es soll nicht der einzige
sein. Mehrere Feuerfische, eine Moräne und sogar eine Krabbe zeigen sich.
Ich fürchte mich nicht, aber als wir die Fischschwärme in der starken Lampe
des Hafens durchschwimmen, wird mir ziemlich mulmig zumute. Die Fische
weichen aber zuerst aus und machen uns Platz. Plötzlich leuchtet Shaya mit
ihrer Lampe in die Ferne und “ruft” nach uns. Ein Rochen schwimmt gemütlich
an uns vorbei. Kaum habe ich mich erholt, schwimmt die zweite direkt unter
mir durch, ich kann nicht mehr ausweichen. Wie wenn da nicht schon genug
wäre, schwimmt auch noch ein Hai weniger als ein Meter unter mir durch.
Klar, er ist nur etwas grösser als einen halben Meter, aber es ist ein Hai!
Trotz allem geniessen wir dieses Abenteuer, aber als wir nach 45 Minuten
wieder an Land schwimmen, bin ich total erschöpft. Ich hielt die Lampe die
ganze Zeit krampfhaft in den Händen und die Arme eng an den Körper
gedrückt; das wird sich morgen wohl rächen…
Glücklich stellen wir uns unter die Dusche und gehen essen. Den
abschliessenden Drink an der Bar bestelle ich mit extra wenig Alkohol und
schaue dabei dem Barmann zu, wie er eine Kokosnuss in einen Mausdrink
verwandelt. Nebenan läuft der Santa vorbei (die Russen feiern heute
Weihnacht) und aus dem Lautsprecher klingt Jingle bells… Und wo bitte
schön ist der Schnee für die Schlittenfahrt? (Ja, auf den Schweizer
Strassen, das haben auch wir mitbekommen)
Erschöpft sinke ich nach drei Stunden Schnorcheln und einer Stunde Squah
ins Bett und sehe der Eidechse an der Decke zu, während ich zu vergessen
versuche, dass Martin heute Nachmittag eine Kakerlake vom Kissen
verscheucht hat.

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