Tongariro Alpine Crossing mit Gipfelbesteigung

(Freitag, 9. November 2012)

Das Auto war von Frost bedeckt, als um fünf Uhr der Wecker im Dunkel der Nacht klingelte. Frierend zogen wir uns an, frühstückten und besammelten uns mit 16 anderen Frühaufstehern beim Bus, der uns zum Ausgangspunkt des Tongariro Alpine Crossings brachte.
Dies ist die beliebteste Tageswanderung Neuseelands, mit 19.4 km Distanz, 765 m Aufstieg und 1126 m Abstieg, um die bekannten Vulkane Tongariro und Ngauruhoe herum.
Der Weg begann gemütlich, als wir um 6 Uhr mit dicker Skijacke, Mütze und Handschuhen losliefen. Der steilste Anstieg begann nach einer guten Stunde, war aber mit Treppen sehr gut ausgebaut. Zusammen mit einem deutschen Paar entschieden wir uns für den Umweg zum Gipfel des Ngauruhoe, der ca. drei Stunden dauern sollte. Dieser Vulkan ist als Mount Doom, als Schicksalsberg, in “Lord of the Rings” zu sehen.
Der sehr steile Aufstieg war sehr mühsam! Der Untergrund war sandig weich, wir mussten bei jedem Schritt aufpassen, dass wir nicht wieder nach unten rutschten. Ausserdem konnte sich jederzeit ein loser Stein lösen, der auf dem Weg nach unten für andere gefährlich werden konnte. Zwischendurch gab es noch Kletterpartien über Vulkangestein.
Zwei Stunden und viele Gedanken an eine Umkehr (und den vor uns liegenden Abstieg) später erreichten wir die rauchenden Fumarolen knapp unter dem Gipfel. Der letzte Teil im Schnee war dann kein Problem mehr, denn wir konnten die Aussicht schon erahnen. Der Gipfel, 2287 m ü. M., bot in diesem strahlenden Sonnenschein bei eisigen Wind einen Blick weit in die Ferne, es war atemberaubend. Die Strapazen des Aufstiegs waren einen kurzen Moment vergessen, ich war zu sehr damit beschäftigt, mich in meiner Winterjacke zu verkriechen. Erst am Abend sollten wir feststellen, dass wir nicht am Kraterrand waren, sondern auf dem höheren Gipfel nebenan.
Für den Abstieg wählten wir die einfache Variante: Wir rutschten auf den Schuhen die Schneeflächen hinunter, dazwischen rutschten wir im Sand nach unten. Mehrmals landeten wir auf unserem Hinterteil, aber wir hatten viel Spass und waren um einiges schneller als alle anderen beim mühsamen Abstieg.
Wieder zurück beim normalen Weg waren wir nicht mehr so einsame Wanderer. In Spitzenzeiten sollen mehr als 1000 Wanderer pro Tag diese Route wählen.
Wir stiegen langsam zum Red Crater auf, der zwischen den schwarzen und roten Lavasteinen immer noch etwas dampfte. Dahinter waren die drei leuchtend grünen Emerald Lakes zu erkennen, bei denen wir die wohlverdiente Mittagspause machten. Auch hier dampfte es noch aus vereinzelten Löchern.
Wir spazierten am Blue Lake vorbei zu der langen Abwärtspassage. Mit unserem schnellen Tempo kamen wir gut voran. Zwischendurch mussten wir einen gefährdeten Abschnitt durchlaufen, in der ein kleinerer Vulkan im August gewütet hatte. Es lag noch viel Asche herum, einige Einschlagslöcher waren zu sehen und bei der Ausbruchstelle rauchte es noch.
Von weitem war das Ziel zu sehen, das noch so weit entfernt war. Irgendwann hatte ich es aber gesehen und mochte keine Treppen mehr laufen. Die letzten drei Kilometer durch den Wald konnten wir im T-Shirt zurücklegen, aber sie erschienen endlos und ich zwang meine erschöpften Beine Schritt für Schritt weiter. Dann, endlich, der Parkplatz, der gefüllt war mit Reisebussen verschiedener Unterkünfte und Tourenanbieter, die ihre Kunden abholten. Viele andere Wanderer sassen im Schatten, sie sahen zum Teil sehr erschöpft und mitgenommen aus. Auch ich war sehr froh, am Ziel zu sein! Meine Hände waren vom vielen Hin- und Herschwingen so aufgedunsen, dass ich den Ring, den ich sonst locker abnehmen kann, nicht mehr bewegen konnte.
Wir hatten heute 26.3 km zurückgelegt und dabei 1392 Hm Aufstieg und 1753 Hm Abstieg hinter uns gebracht.
Die wohlverdiente Dusche im Camping und die Sonne halfen bei der Regeneration, trotzdem fielen wir früh und ziemlich erschöpft, aber sehr zufrieden, ins Bett.

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