Kulturunterschiede und RIP Amma Jayalalitha

Alle zwei Wochen haben wir mit dem Team einen Technical Lunch, an dem zwei Personen pro Team ein Thema präsentieren müssen. Letzte Woche standen die Unterhaltskosten für Liegenschaften an. Ich besprach dies mit einer meiner Mitarbeiterinnen und musste doch sehr lachen, als sie mich fragte, was denn Heizkosten seien, sie verstehe das nicht. Ich habe ihr dann die Temperaturen in der Schweiz erklärt und auch, dass wir keine Klimaanlage haben/brauchen, sondern halt eben eine Heizung. Ein weiterer (kultureller) Unterschied war die Küche. Wir haben den Unterschied in der Abzugsfähigkeit eines neuen Kühlschranks gegenüber eines neuen Sofas besprochen, es war für sie nicht klar, weshalb der Kühlschrank abzugsfähig ist, aber das Sofa nicht. Als ich ihr dann ein Bild einer Küche in der Schweiz zeigte mit der Erklärung, dass die Küche grundsätzlich immer eingebaut ist und zu einer Wohnung dazugehört, machte es auch für sie Sinn. Hier ist eine Küche einfach ein zusätzlicher Raum, Kühlschrank, Mikrowelle, sogar Kochherd und allenfalls Backofen (hab ich aber noch nie gesehen) müssen alles separat mitgebracht werden und sind dann Eigentum der Mieter. Andere Länder, andere Wohnungen…..

 

Endlich war mal wieder etwas Regen angesagt. Und wie es regnete! Innert kürzester Zeit waren die Strassen wieder leicht überflutet, aber immerhin blieb das Dach im Büro dicht. Für uns war das kein Problem, nur im Büro kamen bei einigen Erinnerungen an die letztjährigen Überschemungen auf, die am 2. Dezember 2015 den Höhepunkt fanden. Wir genossen das Wasser, die Stimmung und vor allem die kühleren Temperaturen von knapp 30 Grad, mal etwas anderes!

 

Ich hatte am 1. Dezember eine Krise, als ich den Kalender anschaute. Es ist nun bereits Dezember, ich bin seit fast 11 Monaten hier in Chennai, die Zeit verging schnell! In drei Wochen ist Weihnachten und ich laufe immer noch mit FlipFlops umher, bei Temperaturen von normalerweise über 30 Grad. Trotz den unterschiedlichen Religionen (die meisten hier sind Hindus) ist Weihnachten ein Thema, obwohl hier kein Feiertag gewährt wird im Büro. Die Krise währte kurz, nach einem Tag (und etwas Zeit im Fitnesscenter, das hilft mir mental sehr viel!) war wieder alles ok, obwohl ich mich langsam aber sicher auf einige Tage in meiner Wohnung, mit meiner Familie und Freunden, bei kühleren Temperaturen freue!

 

Die Regierungschefin von Tamil Nadu, J. Jayalalitha, img_8292auch Amma (tamil für Mutter) genannt, war eine sehr bekannte und omnipräsente Persönlichkeit. Im September war sie in ein Krankenhaus eingeliefert worden, schon damals hatten sich kleinere Unruhen abgezeichnet. Am späten Sonntagabend kam dann die Nachricht, dass sie einen Herzinfarkt erlitten hatte und daher alle von zu Hause aus arbeiten müssen. Für mich kam eine solche Nachricht eher unerwartet, da es für mich nicht verständlich war, weshalb das einen so grossen Einfluss haben soll. So musste ich am Montag morgen früh (im Fitness) erst mal Informationen sammeln, bevor ich meinem Team bestätigen konnte, dass sie zu Hause bleiben müssen. Mit schlechtem Netzwerk (auch von unserem Hotel aus) liess es sich schlecht arbeiten und ich hoffte, dass wir am Dienstag wieder ins Büro konnten. Diese Hoffnung wurde zerschlagen, als ich am Montagabend ca. 18 Uhr eine Nachricht erhielt, dass sie gestorben sei. Ich gesellte mich kurz zu den fullsizerenderJungs an der Bar, die mir das lokale Fernsehen übersetzten, das den Tod von Amma verkündete. Kurz darauf erhielt ich einen Anruf von der Verantwortlichen des Büros in Chennai, ich könne jetzt sofort noch etwas einkaufen gehen oder sonst eventuell 4 Tage nicht mehr. Ich verneinte, meldete mich aber bei meinem Team, dass sie auf weitere Instruktionen warten sollten. Dann prasselten die Nachrichten auf allen möglichen Chats auf mich ein. Je nach Fernsehstation war Amma entweder tot oder noch an der Herzmaschine. Irgendwann kam dann eine glaubwürdige Nachricht, dass sie doch noch am Leben war. Egal, ich konnte nichts mehr machen und legte mich schlafen.

img_8300Am Dienstag zeigte mein Telefon wieder unzählige Nachrichten. Jayalalitha war in der vergangenen Nacht gestorben, alles blieb geschlossen heute, wir konnten das Hotel nicht verlassen. Mein Team war schnell informiert, ich war nur noch am abklären, ob jetzt denn ein Feiertag ausgerufen wird oder ob wir arbeiten mussten. Erst gegen 10 Uhr kam dann die Nachricht, dass es ein Feiertag sei. So konnte ich immerhin mein Team wieder entlassen und gönnte mir auch einen freien Nachmittag. Leider war das Wetter eher kalt (für Chennai Verhältnisse), so blieb ich nicht lange am Pool. Draussen war kaum etwas zu hören, die Strassen waren leer, so etwas hatte ich noch nie gesehen. Jeder Shop blieb geschlossen, die Hotelangestellten waren zum Teil schon am Vorabend eingezogen worden und schliefen im Hotelkeller in einem Schlafsaal.

Es wurden Unruhen befürchtet, von Trauernden oder solchen, die randalierten. Aber die Beerdigung, die noch am Dienstag unter grossem Andrang am Strand von Marina stattfanden, verlief ohne Probleme und sehr ruhig, trotz der über 1 Million Menschen und auch VIPs, die daran teilnahmen.

img_8301Ein indischer Freund kam zum Abendessen vorbei, weil er nichts Essbares mehr zu Hause hatte und wirklich nichts offen war. Ich verteilte noch Schokolade bei den Angestellten im Hotel, weil sie ja arbeiten mussten, obwohl niemand sonst arbeiten konnte/durfte/sollte und war dann erfreut, als die Nachricht kam, dass das Büro morgen Mittwoch wieder offen ist.

In der Zwischenzeit hatten sie aber bereits den Chennai Wipro Marathon vom kommenden Sonntag abgesagt, wo ich mit einigen Kollegen für 10 km angemeldet bin. Sehr schade. Ich hatte bereits im Januar am Verschiebedatum des Anlasses teilgenommen, weil der Wettkampf im letzten Jahr wegen des Hochwassers verschoben werden musste. Scheint wohl eine Tradition zu sein… Mir bleibt ja (voraussichtlich) immer noch mein Triathlon eine Woche später…

 

2 Kommentare

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  1. […] 60 Jahren in der Politik. Zusammen mit MGR und Amma (Jayalalita), die im Dezember 2016 starb (siehe früherer Artikel) hat er die Politik Südindiens geprägt. Aus Angst vor Unruhen wurden alle nach Hause geschickt […]

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