Zurück im Norden

(Donnerstag, 1. April 2010)

Ich bin so nervös und unruhig, dass ich sogar meine Tickets in der Self-Check-in-Maschine vergesse. Aber sonst klappt alles problemlos und wir erreichen Kopenhagen pünktlich zum Mittagessen. Im Flugzeug nach Keflavik müssen wir jedoch feststellen, dass sie ein anderes Flugzeug fliegen als bei der Buchung angegeben. So sitzen wir zwar immer noch am Fenster, aber leider mit Sicht auf den Flügel. Wie sich herausstellt, spielt das sowieso keine grosse Rolle, denn der Pilot hat sich entschieden, dass er nicht der Küste entlang fliegen will, sondern über das Land. Für uns heisst das, wir sitzen auf der falschen Seite und können den Vulkanausbruch nicht sehen.
Mitsamt unserem Gepäck kommen wir in Keflavik an. Schnell Geld wechseln und los geht’s mit dem Taxi zur Autovermietung in Njardvik. Unser günstiges Auto ist alt und hat schon viele Kilometer hinter sich. Aber es hat Allradantrieb, das ist hier wichtig. Was mir sowieso mehr Sorgen macht, ist die eingebaute Wasserwaage, welche angibt, in welchem Winkel zum Horizont wir fahren. Ich hoffe, wir werden dies nicht brauchen!
Wir kaufen das Nötige ein, ziehen bequeme Schuhe an und fahren los.
Kaum auf der Autobahn stellen wir fest, dass der Tank leer ist. Na toll!
Glücklicherweise reicht es noch bis in die nächste Stadt..
Voller Freude erkenne ich einige Ortschaften und Berge wieder, die wir im Sommer besucht hatten. Auch sonst ist die Landschaft nicht anders als damals. Es hat kaum Schnee, nur einige kleine Schneefelder leuchten weiss aus dem braungrün hervor. Die Bäche und Tümpel sind noch teilweise gefroren und lassen uns doch noch auf gefrorene Wasserfälle hoffen. Die Temperatur ist jedenfalls auf dem Gefrierpunkt und der Wind sorgt dafür, dass ich mich nicht ohne Jacke aus dem Auto traue.
Uns kommen viele grosse Autos mit Schneemobilen auf Anhängern entgegen. Wo die wohl herkommen…
Der stahlblaue Himmel und die tiefliegende Sonne werfen ein prachtvolles Licht auf die eintönige Landschaft. Wir freuen uns, dass uns das Wetter mal wieder gut gesinnt ist.
Schon von Weitem sehen wir eine weisse Dampfwolke, die vermutlich vom Vulkan aufsteigt. Unsere Vorfreude wird immer grösser.
Der Seljalandsfoss zeigt sich auch schon Kilometer im Voraus. Im Sommer konnten wir dahinter durchlaufen, heute ist alles in der Nähe des Wasserfalles gefroren. Neben dem herabfallenden Wasser bieten auch die vereisten Grashalme und Eiszapfen gute Bilder in der späten Abendsonne.
Vorsichtig, um nicht auszurutschen, laufen wir über die Eisflächen, um noch näher am Geschehen zu sein. Es sieht wunderbar aus.
Etwa 20 km weiter östlich sind wir am heutigen Ziel angelangt. Für die ersten zwei Nächte habe ich ein Hotel beim Skogafoss gebucht. Von da aus werden wir auch unsere Vulkantouren starten.
Wir erfahren, dass man den Schein des Vulkanes beim Wasserfall sehen kannn und so steigen wir im Dunkeln wieder ins Auto. Auch den Skogafoss haben wir im Sommer schon bestaunt, aber jetzt bin ich froh, dass ich nicht mehr auf diesem Campingplatz schlafen muss. Es steht nur ein einziges Zelt da, aber sehr viele Autos. Die Besitzer sind alle irgendwo in der Nähe des Vulkans.
Wir begnügen uns damit, die 60 m zur Spitze des Wasserfalles aufzusteigen und von dort die orange beleuchtete Wolke zu fotografieren. Uns kommen immer wieder Leute entgegen, die im Dunkeln den Rückweg suchen.
Zurück im warmen Hotelzimmer entdeckt Martin auf seinen Fotos einen grünen Schimmer. Hat sich da wirklich das Polarlicht auch noch vor die Linse geschlichen? Ich schlafe ein mit dem Gedanken, dass Martin wohl stündlich aus dem Fenster Ausschau halten wird…

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