Wanderung auf den Kristinartindar (1126 m.ü.M.)

(Dienstag, 21. Juli 2009)

Frühmorgens, als auf dem Campingplatz noch alles ruhig ist, brechen wir auf für unsere Tageswanderung. Ziel ist der grössere Gipfel Kristinartindar, von welchem man auf den Gletscher sehen kann. Das sind gemäss Buch 1026 Meter nach oben.
Wir beginnen mit einem Umweg zum Svartifoss, einem Wasserfall der nicht durch seine Grösse und Wassermenge besticht, sondern mit seiner Umgebung.
Das Wasser fällt hier über Basaltsäulen, die wie Orgelpfeifen aufgereiht sind. Dies ist wohl eines der bekanntesten Bilder Islands und auch in natura sehr schön anzuschauen.
Weiter geht es über eine lange Hochebene, die Steinfelder, Wiesen und durch kleine, mannshohe Wälder innert kurzer Zeit bietet. Von der nächsthöheren Ebene zeigt sich bereits ein fantastischer Ausblick auf einen Seitenarm des Gletschers Vatnajökull. Von einem anderen Arm sehen wir das Gletscherwasser durch die Talebene fliessen. Von hier aus ist gut zu erkennen dass, was wir gestern für Dunst hielten, tatsächlich aufgewehter Sand ist. Weit und breit sehen wir keine Menschenseele. Ein Gefühl der Einsamkeit kommt auf.
Wir setzen unseren Weg in Richtung Gipfel fort. Die letzten 500 Höhenmeter unter dem Gipfel unterscheiden sich nur durch den kaum sichtbaren Pfad von einer Geröllhalde. Auf dem Sattel, etwa 100 m unter dem Ziel, bläst der Wind mit einer Stärke von geschätzt 100 km/h an uns vorbei. Wenn ich aufspringen würde, würde ich einige Meter weiter wieder landen. Solche Winde habe ich noch nie gespürt. Zum Glück sind wir mit Faserpelz, Softshell, Mütze und Handschuhen gut ausgerüstet.
Die letzten Meter vor dem Gipfel sind noch windiger als zuvor, der Weg steinig und schwer. Wir kämpfen uns tapfer bis zum Ziel, als Motivation den Ausblick und das Zielfoto vor Augen.
Und plötzlich, nach eine kleinen Schneefeld, sind wir oben angekommen. Die Aussicht in alle Himmelsrichtungen ist atemberaubend. Gletscherarme in Tälern, eisbedeckte Bergspitzen und steinige Flusstäler soweit das Auge reicht. Die ganzen Mühen haben sich gelohnt!
Knapp unter dem Gipfel suchen wir uns ein windgeschütztes Plätzchen und wärmen uns mit heissem Tee und warmer Minestrone auf (Thermoskannen sei Dank!). Bei 2 Grad Temperatur und klammen Finger ist dies auch wirklich nötig.
Gestärkt machen wir uns auf den Abstieg. Dabei muss ich mir immer wieder sagen, dass dies meine SOMMERferien sind. Bei diesem Wind und der Kälte vergesse ich das leicht.
Die Pfadiausflügler haben sich mittlerweile auch auf den Weg gemacht, wir treffen sie beim Abstieg auf der nichtendenwollenden Hochebene. Sie gehen allerdings nicht weiter hinauf, Vereinzelte fragen jedoch bei uns nach.
Der Abstieg zieht sich hin und bietet aufgrund der kargen Landschaft kaum Schutz für eine Frau, die zu viel Tee getrunken hat. Aber auch das klappt dann mal;-). Schlussendlich kommen wir genau beim Zelt unten an. Die frische Brise an den nackten Füssen zu spüren ist in diesem Moment unbezahlbar. Wir legen uns in die Sonnenstrahlen, die sich jetzt zum ersten Mal des Tages zeigen und geniessen Süssigkeiten.
Da wir alle eher erschöpft sind und so schon fast einschlafen, essen wir mal wieder pünktlicher und kurz nach acht liegen schon drei im Bett. Nur Martin nutzt das immer besser werdende Wetter und macht sich noch auf die Suche nach Nahaufnahmen vom Gletschersee, welchen wir von oben gesehen haben.

Schreibe einen Kommentar

Deine Email-Adresse wird nicht veröffentlicht.

neunzehn − acht =