Ungewissheit

(Samstag, 3 April 2010)

Ich bringe die Augen kaum auf, als der Wecker klingelt. Wer bloss hatte die Idee, für 8 Uhr Frühstück zu bestellen?
Wir sind nicht mehr alleine im Hostel. Richard, ein Geologe, kam etxra wegen dem Vulkan für 10 Tage nach Island. Als Begleitung hat er Steffen, einen Regisseur, mitgebracht. Wir sichern uns schon mal eine Kopie dieser Reportage und plaudern ein bisschen. Er erzählt uns, dass die erste Portion Magma eher kühl war, jetzt aber sehr heisses (mind. 1250 Grad) Magma aus dem Krater strömt. Dies sei ein Indiz dafür, dass dieses von weit unten komme. Katla ist zur Zeit immer noch ruhig, aber steht unter konstanter Überwachung.
Ebenfalls lernen wir Mordisk aus Lettland kennen. Er war schon mit dem Helikopter über dem Lavafluss und ist auch schon zu Fuss zum Vulkan hochgelaufen. Seine Fotos sehen super aus. Wir verabreden uns für den Abend, um gemeinsam mit einem Superjeep von hinten an den Lavafluss zu kommen.
Kurz vor elf ruft Jebe an, er sei mit dem Auto unterwegs zu uns. Alles hat wunderbar geklappt, die zwei Jungs haben unser Auto überbrückt und von 700 m Höhe wieder auf Meeresniveau gebracht. Dies erst noch ohne etwas dafür zu wollen! Schön, diese Hilfsbereitschaft der Isländer. Im Sommer hatten wir ja auch schon hier einen Platten und sofort war ein Einheimischer zur Stelle.
In unserem Zimmer legen wir uns nochmals zwei Stunden ins Bett und fahren dann an eine naheliegende Gletscherzunge. Auf der Moräne spazieren wir umher, über Kiesberge und an kleinen, gefrorenen Bächen entlang.
Zwischendurch steht wieder ein riesiger Eisblock da, der uns daran erinnert, dass wir ja schon auf dem Gletscher sind. Vorne an der Gletscherzunge tropft Wasser von Eiszapfen, kleine Bäche haben sich daraus gebildet. Überall sind die Gletscher unterspült und bilden Höhlen. Ich traue der schmelzenden Masse nicht und bleibe draussen.
In der Unterkunft warten wir vergeblich auf den Letten. Mit über einer Stunde Verspätung erscheint er mit den Infos, dass nach der Jeeptour noch eine fünfstündige Wanderung notwendig sei, um die Lava zu sehen. Somit sind die Bedingungen ähnlich wie von der Südseite, nur teurer. Wir vergessen das und checken spontan aus. Innert wenigen Minuten ist das Auto startbereit und wir fahren gegen Osten. Es ist bereits 18 Uhr und die Sonne steht tief.
Martin knipst wild drauflos, während wir einsam auf der Ringstrasse fahren.
Das abendliche Sonnenlicht ist fantastisch und leuchtet die Gletscher rot an.
Es ist schon nach neun, als wir bei Skaftafell ankommen. Das Fosshotel ist noch geöffnet und hat noch ein Zimmer für uns frei. Da es bereits minus 3 Grad ist und wir unter Schlafmangel leiden, haben wir uns gegen das Zelt entschieden.
Kaum haben wir uns im Zimmer eingerichtet, ruft der deutsche Portier an und teilt uns mit, dass die ersten Polarlichter gesichtet wurden. Schnell sind wir mit unserem Material im Auto, um an den Gletscher zu fahren. Die Batterie streikt mal wieder und so steigen wir halt auf den naheliegenden Hügel und sehen das wundersame Schauspiel. Es hat richtige leuchtende Streifen, die ganz langsam wandern. Je nach Kamerawinkel scheint fast der ganze Himmel grün. Wir fotografieren jeden Teil des Horizintes, bis ich wieder zu frieren beginne. Das Licht ist jetzt kaum noch zu sehen unter den aufziehenden Wolken.
Wir gehen zurück in die Wärme und träumen weiter.

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