Traumhafter Frühlingstag

(Mittwoch, 7. April 2010)

Ich bin schon fast eingeschlafen, als Martin, der in den Kleidern vom Schlaf überrannt wurde, wieder erwacht und Polarlichtaktivität entdeckt.
Schnell sind wir angezogen und stellen unsere Stative in einer dunklen Ecke auf. Es bietet sich uns ein interessantes Spektakel mit intensiven Farbstreifen, die sich schnell bewegen. Ich bin fasziniert. Leider schliesst sich die Wolkendecke und verdeckt so die Sicht auf die farbigen Lichter.
Martin will nachts nochmals aufstehen um die Wetterlage zu überprüfen, aber wach werden ist nicht immer so einfach. Immerhin ist er bei den ersten Sonnenstrahlen beim Strokkur und fotografiert dessen Wasser- und Dampfsäule. Das abfliessende Wasser ist gefroren und bildet eine glatte Eisfläche. Wenn man berücksichtigt, dass das Wasser im Strokkur noch mindestens 100 Grad hatte, sagt dies doch einiges über die Aussentemperatur aus.
Wir verschaffen uns einen guten Überblick über das geothermische Gebiet vom nahegelegenen Hügel aus und geniessen die Sonne. Ohne den Wind ist es auch ziemlich warm.
Die Fahrt geht weiter nach Südwesten über eine weitere holprige, unbefestigte Strasse. Diesmal bin ich am Steuer und geniesse die Fahrt mit Allradantrieb über die Hügel.
Reykjavik steht nicht auf unserem Programm, wir fahren nur in ein Aussenquartier, in welchem der Outlet von 66North ist. Wir kennen die Marke noch vom letzten Besuch und finden jetzt für jeden eine Fleecejacke mit Kapuze, die – wenn der Reissverschluss geschlossen ist – nur noch Augen und Nase frei lässt. So werden wir nicht mehr frieren!
Auf der Weiterfahrt südwärts kommen wir an Fischtrocknungsständern vorbei.
Ich will die Gelegenheit für ein Foto nutzen, doch dies verschlägt sogar mir fast den Atem! Diese Fische riechen sehr intensiv, aber es sieht auch interessant aus.
Der nächste Fotohalt sind ein paar Island Pferde. Für die ist dieses Land ja bekannt, da sollten auch ein paar Fotos vorliegen.
An der Südküste versuchen wir uns ans Vogelfotografen, was mir aber eher schlecht gelingt. Ich geniesse aber vor allem die Wärme in der freien Natur. Wehmütig blicken wir nach Osten zum Vulkan, dessen Rauchwolken man bis hier sehen kann. Jetzt wäre das Wetter wieder besser, aber für uns hat es leider nicht mehr gereicht. Aber mal schauen, wie lange er noch weiterspuckt…
Wenn wir schon mal da sind, fahren wir noch an der berühmten blauen Lagune vorbei. An einen türkis schimmernden kleinen See mit weissen Rückständen auf den Steinen wurde ein modernes Thermalbad gebaut. Der Parkplatz und der Zugang wurden aus dem erstarrten Lava gehauen. Die Lagune sieht prächtig aus. Das blau und weiss in Kombination mit den schwarzen Steinen und grünen Algen sieht einfach super aus. Wir lassen das Bad darin aus und begnügen uns damit, was wir sehen.
Wieder in Njarðvik erhalten wir ein Zimmer in der Jugendherberge des Autovermieters. Wie das Auto ist das Wohnhaus nicht überzeugend. Es ist alles zweckmässig, aber ein Wohlgefühl kommt nicht auf, dafür stehen zu viele Gebote an den Wänden.
Wir essen beim Thailänder in Keflavik zu Abend und machen uns ans Packen.
Da wir die Schlafsäcke diese Nacht brauchen, ist dies nicht so einfach. Wie immer tue ich mich sehr schwer damit und frage mich, wie das alles beim Hinflug in meine Tasche passte.
Von den drei Einheimischen, welche seit Sonntag vermisst werden, konnte lediglich eine noch lebend geborgen werden. Die anderen zwei sind 700 m bzw. 5 km vom Auto entfernt aufgefunden worden. Alle drei waren nicht für einen Aufenthalt im Freien ausgerüstet und hatten keine Lebensmittel dabei.
Ihrem SUV ging das Benzin aus und einer nach dem anderen versuchte sich zu Fuss durchzuschlagen. Ich finde es beängstigend, dass Leute so unvorbereitet in die rauhe Natur reisen und so andere zwingen, für sie ihr Leben auf’s Spiel zu setzen. Seit Sonntag waren 270 Helfer auf der Suche, mit Helikopter (den sahen wir sogar vorbeifliegen, wussten aber nicht weshalb), Auto, Schneemobil, ja sogar mit Skiern und Hunden wurde nach den Vermissten gesucht. Die Natur ist halt doch nicht zu bezwingen, es lohnt sich, sich von Anfang an mit ihr anzufreunden.
Hier sind wir fast mitten in der Stadt. Um uns herum ist alles hell erleuchtet. Wir fahren zum grössten Leuchtturm Islands, nach Garoðskagi, aber selbst dort säumen Strassenlaternen den Weg. Wir geben es auf, das Polarlicht zu suchen und ruhen uns für die bevorstehende Heimreise aus.

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