Tempel und Gebrechen…

 

Die letzten zwei Wochen waren etwas speziell.

Nach meiner intensiveren Trainingseinheit (für meine aktuellen Verhältnisse!) reklamierte mein Rücken und eine (erneute) Entzündung hinderte mich an weiterem Sport. Mit Schmerzmitteln und Ruhe klappte es dann aber gut, so dass ich (noch?) nicht die Erfahrung in einem indischen Spital machen musste.

Am Wochenende war es dann auch etwas ruhiger, vor allem auch weil die zwei welschen Kollegen über’s Wochenende weg waren. So genoss ich eine Pediküre am anderen Ende der Stadt (hier laufen die Frauen in Sandalen/barfuss herum und meine lädierten Läuferzehen wollte ich so niemandem zumuten), fand Sandalen in meiner Grösse und sonnte mich etwas am Pool.

Zum Abendessen hatte sich der Basler ein Afghanisches Restaurant ausgesucht, das wir bereits kennen. Ich bin immer noch vorsichtig, welche Restaurants ausserhalb Hotels für uns magenverträgliches Essen servieren, daher bleiben wir oft in uns bekannten Restaurants. Im Anschluss gingen wir ins Kino, Spotlight, ein mittlerweile Oskar-prämierter Film. Ich bin immer noch froh um Untertitel im Englischen, habe ich doch immer noch Mühe mit Akzenten und Slang. Andererseits lerne ich es nie, wenn ich immer lesen kann.

Am Sonntag fuhren wir nach Mylapore, ein Quartier in Chennai wo es zwei interessante Tempel gibt. Auf der Fahrt überholten wir einen Leichenwagen, der Tote lag im offenen Kofferraum, gut sichtbar und mit Blumen geschmückt. Andere Länder, andere Sitten.

Am Kapaleeswari Tempel gaben wir unsere Schuhe ab und betraten barfuss das Gelände. Ein Mann wollte sich als Führer aufdrängen, als er hörte dass ich die Namen der Gottheiten kenne, liess er uns in Ruhe. Vermutlich war die Hälfte falsch was ich meinem Kollegen erzählte, aber der Mann verstand zum Glück kein Deutsch.


Die Tempel waren farbig geschmückt, nebenan fand auch noch eine Tanzdarbietung statt, wo junge Mädchen zu traditioneller Musik tanzten, ganz verkrampft um ja keine Fehler zu machen. Nur schade, dass genau dann der Strom ausfiel und somit auch die Musik. Wenn wir doch nur wüssten, wo die Musik aufgehört hatte….

Wir spazierten durch die Strassen, an Essensständen vorbei, und zogen viele Blicke auf uns. Beim nächsten Tempel sahen wir dann endlich mal ein anderes weisses Gesicht.


Zum Abschluss fuhren wir in ein lokales Restaurant, bestellten unser Essen und assen vom Bananenblatt, unter den wachsamen Augen der Angestellten, die gar nicht auf die Idee kamen, uns Besteck zu bringen. Es war lecker und absolut magenverträglich!

Die folgende Woche war ich wieder angeschlagen, diesmal von einer starken Erkältung, vermutlich durch die Klimaanlagen überall, vielleicht aber auch weil ich endlich etwas abschalten konnte. Ich merkte, dass die Trainings erfolgreich waren, unser Team hat erstaunlich viel gelernt, aber viel Arbeit kam noch nicht zu uns. So war es auch ok, dass ich einmal früher nach Hause zurückkehrte und mich schlafen legte. Am nächsten Morgen im Restaurant wurde ich aber dann gefragt, weshalb ich das Abendessen verpasst hatte…. Ich werde wirkllich gut umsorgt!

Diese Woche war wieder ein Geburtstag im Team, also wieder ein Kuchen im Büro. Und am Freitag war der letzte Tag eines Kollegen aus der Romandie, darum kochte das Team für uns (bzw. die Mütter). Wir konnten also leckere lokale Spezialitäten probieren, die auch an unser Schärfeniveau angepasst waren.


Anscheinend hatten sie knapp einen Drittel der üblichen Ration an Chili verwendet. Wie immer feierten wir mit obligaten Selfies und einem weiteren Kuchen.


Ach ja, apropos Kuchen: Das Schneiden von Kuchen wurde nicht hier erfunden. Jeder schneidet mal irgendwie ein Stück aus dem Kuchen heraus, in irgendeiner Form. Und anschliessend soll das Geburtstagskind das Stück anderen anbieten, die ein Stückchen abbrechen und dem Geburtstagskind in den Mund legen, als Zeichen der Liebe dem anderen gegenüber. Das zeigt einmal mehr nicht nur die Nächstenliebe und der Umgang miteinander, sondern auch dass der Sauberkeit der Hände mehr vertraut wird als dem Besteck.

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