Strand, Miot, Geburtstag und Parry’s Corner

2016-09-21-photo-00000052b  Sport am Strand, das wollte ich schon lange mal wieder machen, da kam die Einladung zu einem Core Training am Sonntagmorgen gerade richtig. Flo und ich erreichten Elliot Beach kurz vor 6 Uhr und fanden die Gruppe für das Training. Ähnlich wie Slow-up in der Schweiz gab es auch in Chennai “car free Sundays”, wie an diesem Tag. Wir hatten vorsorglicherweise Badetücher mitgebracht, aber die Übungen bestanden viel aus Herumlaufen und -springen, so liessen wir die Tücher in der Tasche. Wir rannten, sprangen, bückten uns und machten Liegestützen auf dem nackten Teer. Am Ende gab es noch eine Art Stafette mit verschiedenen Teams und ich war erstaunt, wie schlecht sich einige Menschen im Spinnen- oder Krabbenstil (d.h. auf allen Vieren) fortbewegen können. Egal, wir hatten Spass bis uns die Hände (und Muskeln) weh taten. Die Temperaturen waren frühmorgens noch nicht sehr hoch, die vielen Wolken und der leichte Wi2016-09-21-photo-00000053bnd halfen ebenfalls zur Kühlung. Wie typisch in Indien musste das Ganze auch fotografisch dokumentiert werden, aber Flo und ich hatten nach 10 Minuten Fotos (für 70 Minuten Sport) genug und genossen einen kurzen Spaziergang zum/ins Wasser.

Zurück im Hotel wollte auch mein Telefon eine Abkühlung und folgte mir in den Pool. Schade, trotz versuchter Rettung im Reisbeutel konnte ich es nicht mehr zum Leben erwecken…

 

2016-09-21-photo-00000054bSeit dem Hochzeit in Srirangam hatte Flo Probleme mit dem Magen, nach drei Wochen entschied sie sich, einen Arzt aufzusuchen. Wir waren also einmal mehr auf dem Weg zum Miot Hospital. Die hatten in der Zwischenzeit ihre Regeln geändert und wir mussten erst mal ca. 20 Minuten warten, bis sie herausgefunden hatten, ob sie Flo mit einem Business Visum behandeln dürfen. Sie durften. Bei der Anmeldung waren sie dann aber doch nicht so konzentriert, denn Flo wurde als Mann registriert….

Nach weiteren 20 Minuten hatte auch die Ärztin Zeit, sich den Magen anzuschauen und schickte Flo weiter in den Ultraschall, zur Sicherheit. Nach der Angabe, sie sei unverheiratet, wurde Flo auch nicht nach einer möglichen Schwangerschaft gefragt, wieso denn auch. Aber sie wurde erst mal wieder weggeschickt, weil wir in den Ultraschall-Raum für Frauen kamen und auf dem Formular stand, dass sie ein Mann ist. Kompliziert. Ihr war eine Art Eskort zugeteilt worden, er klärte alles mit dem Personal und den Ärzten und wich kaum von ihrer Seite. Ich liess die beiden für den Untersuch und besorgte in der Zwischenzeit die Medikamente. Aber der Untersuch musste wegen eines Fehlers wiederholt werden und da entschied ich mich, ins Büro zu gehen. Flo kam dann einige Zeit später nach, der Untersuch war nachgeholt worden und sie hatte ebenfalls einen netten Bericht der Ärztin vorzuweisen. Bei meinem stand damals “well built lady”, bei ihr stand “normal buildt” (für die, die Flo nicht kennen: Sie wiegt einiges weniger als ich!). Ob es da eine Rolle spielt, dass mein Bericht von einem Mann geschrieben wurde, ihrer von einer Frau? Egal, wir amüsierten uns gut! Es ist vermutlich “nur” eine Entzündung, sollte also bald besser werden!

Normalerweise feiere ich meinen Geburtstag nicht, aber hier konnte ich fast nicht anders, aber auf das, was an diesem Tag kommen sollte, hatte ich mich nicht eingestellt!

2016-09-23-photo-00000019Bevor ich am Tisch sass, hatte mir schon die Hälfte der Restaurantangestellten gratuliert. Nach meinem ordentlichen Frühstück wurden mir Pancakes mit Bananen und Nutella serviert. Als ich noch mittendrin war, kamen sie mit einer Torte, Kerzen und einer “Verkleidung”. Logischerweise musste ich die Torte anschneiden und ein Stück probieren. Ich war satt bis obenhin! Beim Lift gratulierte mir sogar ein Gast, mit dem ich schon mal im Fitnessraum gesprochen hatte. Anscheinend hatte die ganze Aktion viel Aufmerksamkeit erregt…img_7821

Da wir jeweils immer früh im Büro sind, konnte niemand meinen Tisch dekorieren. Aber während dem ganzen Tag kamen immer wieder Leute aus meinen und anderen Teams vorbei und wünschten mir alles Gute (facebook weiss alles), verstecken ging gar nicht. Kurz vor Feierabend kam dann noch das Schweizer Tax Team zusammen für den Rest des morgenlichen Kuchens. Zum Glück, ich hätte den nicht alleine essen können, viel zu süss für mehr als ein Stück!

Die Angestellten an der Rezeption warteten mit einem Geschenk und einem weiteren Kuchen, da sie am Morgen nicht mit mir feiern konnten, da das Team im Restaurant dies bereits gemacht hatte. Das Geschenk war ein Teebecher, da ich mich erkundigt habe, wo ich am besten einen neuen kaufen könne, da meiner nicht mehr dicht ist. Sehr aufmerksam!

Zurück bei meinem Zimmer musste ich schon draussen schmunzeln, Blumen an der Türe. Drinnen verschlug es mir die Sprache! Blumen und Luftballons überall und eine Tüchertorte und Glückwünsche auf dem Bett. Sie hatten sich echt ins Zeug gelegt! Später sagten sie mir, dass sie extra nur blaue Ballons verwendet hatten, weil das ja meine Lieblingsfarbe sei. Ich überlege immer noch, woher sie so etwas wissen könnten!

2016-09-24-photo-00000098Nach und nach trudelten einige Freunde im Hotel ein, ich hatte eine Ecke in der Q Bar auf der Dachterrasse reserviert, an einem Freitagabend eine gefragte Ecke. Auch hier war das ganze Personal informiert und wünschte mir “many happy returns of the day”. Sie hatten zwar meine Gästeliste verloren und die Reservation nicht in der Ecke gemacht, die ich angefragt und zweimal bestätigt erhalten habe, aber wir sassen dann doch in unserer Ecke. Nach vielem leckeren Essen brachten sie noch den Kuchen, den ich bestellt hatte. Ausdrücklich ohne Widmung, dafür liessen sie die Schokolade mit brennendem Hochprozentigen schmelzen.

Ach ja, ich hatte mal darum gebeten, dass sie mich nicht mit “Mam”, sondern mit “Manu” ansprechen. Das klappte meistens auch gut. Nun hatte ich aber herausgefunden, dass mein Spitzname bei einigen “Vegi” ist, da es hier ungewohnt ist, dass Ausländer auch Vegetarier sind. Und ich kämpfe immer noch darum, all die Namen der Angestellten zu lernen und richtig auszusprechen 😛

Am Samstag wollte ich an eine Panjabi Hochzeit in Chennai. Gemäss Facebook und Email Einladung sollte diese img_7829bum 10 Uhr morgens starten. Wir waren etwas zu spät da, aber es war alles noch verlassen, nur 5 Personen von EY und einige Helfer waren da. Wir setzten uns in die Halle, schön brav nach Männlein und Weiblein getrennt, während vorne erst gesungen, später in Panjabi gepredigt wurde. Nichts für mich, auch die anderen hatten bald mal genug und wir gingen wieder nach draussen. Als das Brautpaar auch 1.5 Stunden später noch nicht eingetroffen war, verabschiedeten wir uns, nur um beim Weggehen noch einen kurzen Blick auf die beiden zu werfen. Die ganze Zeremonie schien eher schlicht zu sein und wir wollten nicht mehr warten. Vielleicht ergibt sich ja nochmals eine Gelegenheit, aber dank facebook kam ich dann doch noch zu einem Foto.

Am Sonntag Mittag besuchten wir Parry’s Corner, wo es enge Strassen hat, in denen alles mögliche verkauft wird, eine Strasse für Textilien, eine für Stahlwaren, Esswaren, Keramik, alles war irgendwie notwendig sein konnte. Nach einer guten Stunde in verschiedenen Shops mit kaum Englischkenntnissen in der Alltagshitze hatte ich genug und wir kehrten wieder zurück. Spannend war es trotzdem, zu sehen wie die Einheimischen einkaufen (die Einkaufszentren sind eher teuer), wie die Materialien hier gelagert werden, wie die Leute miteinander und mit Fremden umgehen. Ein kleiner Junge blieb mit grossen Augen stehen, als er uns sah. Ich musste mal wieder schmunzeln.

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Mittlerweile fällt es mir manchmal schwer, den Blog in deutsch zu schreiben, vor allem wenn ich inmitten von Englischsprechenden bin. Beim Sprechen fällt mir das Wechseln zwischen den Sprachen nicht schwer, momentan mit Flo und Robert sprechen wir ein Mix zwischen Englisch, Französisch und Deutsch (in dieser Reihenfolge). Als ich aber für einige Tage in der Schweiz war, fiel mir das konstante Deutsch dann doch schwer und ich hatte oft die englischen Worte im Kopf. Mit der Geschwindigkeit bin ich auch schon fast auf dem gleichen Level wie im deutschen 🙂 Mal schauen, wie weit ich es noch in Tamil und Hindi bringe….

 

Eine Woche mit normalem Arbeiten folgte, die mit viel Müdigkeit und schlussendlich dem ganzen Wochenende und zwei weiteren Tagen im Bett endete; Entzündung der oberen Atemwege und Magenentzündung. Schade, dass der Arzt mir sagte, Joghurt und Milch seien sehr gut, aber als es mir nicht besser ging und ich dann mal Dr. Google fragte, erhielt ich einen anderen Bescheid. Und voilà, ohne Milch und Lassi (und mit Antibiotika) ging es mir dann schnell besser, endlich! Aber da musste ich durch, halte mich brav an meine “Diät”, so dass für das kommende Wochenende in Delhi und Agra alles klappt!

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