Spaziergang in der Dämmerung

(Dienstag, 29. Dezember 2009)

Ich schlafe so gut, dass ich den Wecker ausschalte und mich umdrehe; draussen ist es sowieso noch dunkel. Eine Stunde später, um 10 Uhr, stehe ich auf, setze mich zu Martin ins Wohnzimmer und sehe nach draussen. Es sieht aus als ob jeden Moment die Sonne über den Horizont steigt.
Wir frühstücken, es gibt einheimischen Käse. Danach ziehen wir uns warm (!) an, Thermowäsche und Snowboardkleidung ist angesagt. Mit dem ganzen Fotomaterial machen wir uns auf den Weg dem Ufer entlang. Der Pfad ist schmal und führt an einigen Sommerhäusern vorbei. Wir steigen zu Wasser ab und sehen eine Robbe etwa 80 Meter von uns entfernt aus dem Meer herausschauen. Sie zeigt sich noch einige Male auf unserem Spaziergang.
Das Licht ist heller als erwartet, wir sehen gut, wo wir unsere Füsse hinsetzen. Dem Weg entlang ragen gelbe Grasbüschel aus dem Schnee heraus.
Am Ufer ist es eher flach und zum Teil sehr eisig. Mit vorsichtigen Schritten tasten wir uns vor, denn den Weg haben wir auf der Suche nach einem guten Motiv verloren. Wir kämpfen uns durch kleinere Büsche und über Steinsbrocken und sehen uns die Umgebung an. Das sanfte Licht reicht zum Fotografieren, aber es wird bereits wieder dunkler. Meine Kleidung wärmt mich sehr gut, aber als vorne am Fjord der Wind stärker wird, werden auch meine Nase und Zehenspitzen kälter. Zurück beim Haus sieht es aus, als ob die Sonne gerade untergegangen wäre. Ein ganz leichter Rotschimmer war die ganze Zeit zu sehen, aber nicht sehr intensiv. Henry erwartet uns beim Haus und bringt uns noch zwei Säcke voll Brennholz. Nachts zwischen 22 und 02 Uhr soll die Wahrscheinlichkeit, das Nordlicht sehen zu können, am grössten sein. Die Nacht wird also kurz;-) In der Wärme des Hauses mit dem Holzofen legen wir uns auf das Sofa und beginnen zu lesen, während die Skispringer in Oberstdorf starten. Langsam döse ich ein. Als ich erwache, habe ich das Gefühl, es sei bereits Zeit für’s Abendessen. Aber es ist erst 16 Uhr und ich drehe mich nochmals um.
Zwei Stunden später erwache ich, als Martin zu kochen beginnt. Draussen ist bereits wieder totale Dunkelheit. Zum Nachtisch stossen wir mit mitgebrachtem Prättigauer Röteli auf unsere Ferien an.
Einen Film und Dutzende Bücherseiten später zeigt sich das Polarlicht immer noch nicht, aber ich werde schon wieder müde. Wir werden wohl in der Nacht mehrmals aufstehen, in der Hoffnung auf farbige Streifen am Himmel…

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