Regen in Island

(Dienstag, 28. Juli 2009)

Nach einer wunderbar warmen Nacht im halbdunklen Schlafzimmer erwache ich ein einem richtigen Bett. Der Weg zur Dusche ist kurz und warm. Es tut sehr gut!
Wir frühstücken noch im Zimmer, packen unsere Sachen wieder und verlassen das warme Dach über dem Kopf wieder.
Draussen ist immer noch alles grau und etwa 8 Grad. Nach kurzer Fahrtzeit beginnt es zu regnen. Wir verlassen die Ringstrasse Richtung Kjölur. Die Ringstrasse (Nr. 1) führt rund um Island herum und ist die best ausgebaute Strasse. Wir haben uns schon länger für einen Weg durch das Hochland entschieden. Sprengisandur ist die grössere, schlechtere Durchquerung.
Daher fahren wir via Kjölur auf einer meist akzeptablen Strasse.
Beim ersten Stopp erreichen wir Hveravellir, ein weiteres geothermisches Gebiet. Schon von Weitem sehen wir Menschen in einem warmen Pool. Einige tragen Wollmützen, aber das Wasser wird schön warm sein. Wir, ausgerüstet mit Regenhosen und -jacken, wandern auf Holzstegen von einem sprudelnden Topf zum Türkis Pool und weiter zu den dampfspeienden Löchern. Es ist immer wieder faszinierend, sowas zu sehen. Am liebsten hätte ich eine solche heisse Quelle in unserem Badezimmer;-) Wir fahren weiter auf der holprigen Strasse, weichen entgegenkommenden Autos aus und halten kurz für einige Fotos. Der leichte Regen will allerdings nicht mehr aufhören. Aber der war ja statistisch gesehen schon lange überfällig auf unserer Reise.
Für einen Abstecher nach Kerlingarfjöll verlassen wir unsere Strecke und erreichen nach kurzer Zeit einige versteckte Häuser. Wir folgen dem Fluss zu Fuss und sind begeistert von diesen Farben: Moose und Gräser in allen Grüntönen, braunrote Steine, die violette, goldige und gelbe Flecken zeigen und ein oranger Fluss, der die Farbe der Steine angenommen hat. Unsere Fotografen finden hier genügend Sujets. Gemütlich spazieren wir zum Auto zurück, ziehen die Regenkleider aus und gönnen uns einen süssen Zvieri.
Da das Wetter nicht so toll ist, entscheiden wir uns, weiterzufahren in der Hoffnung auf wärmere Temperaturen. Was uns langsam aber sicher nervt ist der obere Kofferraumdeckel. Wenn die Strasse zu holprig ist (was ja hier oft vorkommt), öffnet sich der Deckel automatisch und wir müssen aus dem warmen Auto nach hinten um ihn wieder zu schliessen. All dies hält Manu nicht davon ab, im Auto zu schlafen. Ich habe mich am Morgen von ihr anstecken lassen, es hat gut getan;-) Nach einiger Zeit erreichen wir die nächste Attraktion, den Gullfoss. Dies ist ein Wasserfall, der erst über kleinere Stufen 11 m hinabstürzt und danach über eine Höhe von 21 m in eine Schlucht fällt. Im Schnitt fliessen hier 103 m2 pro Sekunde, momentan sind es knapp 190 m2, aber der Rekord liegt bei 2’000 m2 pro Sekunde. Da es sowieso regnet und überall Wasser hat, fahren wir weiter.
Unser Nachtlager schlagen wir in unmittelbarer Nähe des Geysirs auf. Es regnet immer noch leicht, daher müssen wir uns beeilen mit Zelt aufstellen.
Unseres wird von innen nach aussen aufgestellt, das heisst, wir müssen das Innenzelt zuerst aufstellen und dann erst das Aussenzelt darüberspannen. So wird zwar das Innenzelt nass, aber unser Zelt ist aus wasserabweisendem Material und absolut dicht, daher kein Problem. Beim Zelt von Manu und Urs wird erst das Aussenzelt aufgespannt und das Innenzelt eingehängt. Da sie auch das grössere Vorzelt haben, essen wir bei ihnen im Trockenen.
Der Campingplatz gehört zu einem Hotel, das auch noch heisse Pools zur Verfügung hat. Manu und Urs nutzen dieses Angebot und wärmen sich auf.
Martin und ich gönnen uns ein Stück Schokoladenkuchen und machen uns auf die Jagd nach guten Fotos.
Bei diesem geothermischen Gebiet ist der ursprüngliche Geysir zu finden, der der Wasserfontäne weltweit seinen Namen gegeben hat. Leider eruptiert er nicht, während wir da sind. Gemäss Reiseführer sollte er dies “hin und wieder” tun, was auch immer das heissen soll. Der kleine nebenan, Strokkur, spritzt etwa alle fünf Minuten in die Höhe und eignet sich daher besser als Fotosujet. Die warmen Pools darum herum sehen traumhaft aus. Von Türkis bis tief Blau mit Höhle und Münzen ist alles zu finden. Wir geniessen das Spektakel eine Weile und kriechen dann ins Zelt, um beim Klopfen des Regens aufs Zeltdach einzuschlafen.

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