Rauchschwaden mit Schwefelgeruch

(Dienstag, 13. Oktober 2009)

Die Nacht war stürmisch. Der Wind pfiff um die Ecken und der Regen prasselte auf das Dach als ob wir im Zelt lägen.
Als ich am Morgen erwache, herrscht draussen absolute Stille. Der blaue Himmel lockt uns auch gleich aus dem Zimmer. Innert Kürze haben wir unsere Wandersachen angezogen und sind auf dem Weg auf den Vulkan. Der erste Teil des Aufstiegs ist sehr sandig und somit weich und mühsam. Der zweite Teil führt über Sandstein, zwischen dem einige Pflastersteine gelegt wurden, die meisten aber bereits weggewaschen sind und tiefe Furchen den Weg erschweren. Ganz oben wechselt der Untergrund zu normalem Stein in vielen Farben. Ein Solfatarenfeld ist auf dem Kraterrand angesiedelt. Die Rauschschwaden erschweren uns einen sicheren Tritt und eine gute Atmung.
Aber was nehmen wir nicht alles auf uns, um einige gute Fotos nach Hause bringen zu können. Ich schnappe mir Martin’s Makroobjektiv und widme mich den gelben und weissen Schwefelkristallen, besser gesagt den Wassertröpfchen in den Kristallen. Faszinierend!
Später stellen wir allerdings fest, dass es weiter unten einen Weg hat und somit der Gang zwischen den Solfataren hindurch kaum gestattet ist. Ich erinnere mich daran, dass ich in Island schon wissen wollte, ob man eine Schwefelvergiftung haben kann und was die Auswirkungen sind. Wenn ich da keine hatte, sind hier meine Chancen enorm gestiegen. Wo sind die Schweinegrippemasken, wenn man mal eine braucht?
Einige Meter weiter oben haben wir den höchsten Punkt erreicht (391 m ü.
M.) Der Wind ist hier sehr stark, ich fürchte um meine Mütze. Auf dem Abstieg kommen uns die ersten anderen Besucher entgegen. Sie mussten wohl alle Eintritt bezahlen, denn als wir hinaufstiegen, war die Kasse noch nicht besetzt. Glück für uns, dass die Kassenfrau beschäftigt ist, als wir absteigen.
Zurück in der Unterkunft essen wir etwas, dann wird Martin vom Sandmännchen besucht und ich lese mein Buch weiter. Die Vermieterin schickt mich auf die Terrasse auf dem Hausdach mit einem tollen Ausblick auf die umliegenden Dächer und das Dorf.
An Nachmittag spazieren wir zum Strand und den Klippen und schauen den Wellen zu. Heute ist “mare mosso”, unruhiges Meer, so dass nicht einmal die Tragflügelboote anlegen können. Das Dorf ist also noch ausgestorbener, da keine Tagestouristen vorbeikommen. Den ganzen Tag scheint die Sonne, aber durch die starken Winde ist es eher kühl.
Nach einer erfrischenden Dusche machen wir uns auf die Suche nach einer Pizzeria. Etwas versteckt werden wir fündig. Von aussen eher unscheinbar, aber innen hat das Restaurant einen hübschen Hof mit gedeckten Tischen. Die Pizzen sind sehr gut und wir sind dieses Mal auch nicht die einzigen Gäste.
Mit dem obligaten Gelato in der Hand stehen wir auf unserer Terrasse und bestaunen die Sternenvielfalt. Einfach unbeschreiblich! Mit immer noch gut gefülltem Magen ziehen wir uns in unser Zimmer zurück.

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