Platten im Märchenland

(Sonntag, 19. Juli 2009)

Trotz der hellen Nacht kann ich gut schlafen. Auch die anderen haben nach dem gestrigen anstrengenden Reisetag sehr gut geschlafen. Wir sind früh auf, die ersten auf dem Campingplatz. Die Sonne scheint schon wieder, bereits um halb sieben.
Toast mit Käse und Salami und dazu heissen Tee gibt es zum Frühstück. Der Abbruch der Zelte klappt bereits sehr gut, bis Ende der Woche werden wir ein perfekt eingespieltes Team sein!
Das erste Dorf, das wir durchqueren, besteht aus kleinen, meist einstöckigen Häuschen, die in allen Farben gestrichen sind. Dazwischen sind hübsche, saftige Gärten und teilweise auch Felder, auf denen das Heu darauf wartet, in die Scheune gebracht zu werden.
Beim Reykjanes-Rücken halten wir das erste Mal an. Hier treffen die eurasische und die amerikanische Kontinentalplatten aufeinander. Jährlich entfernen sie sich 2 cm voneinander. Der entstehende Spalt füllt sich mit Lava. Dies ist für uns zum Glück nicht sichtbar, wir sehen nur einen ca. 4 m tiefen Graben. Sandiger Boden umrahmt einzelne Vulkansteine oder ganze Steinformationen.
Die Landschaft zeigt sich oft sehr karg, mal wieder mit (violetten, nach Thymian riechenden) Blümchen, mal mit grünen und weissen Flechten.
Zwischendurch wechselt die Umgebung und wir fahren entlang von grünbraunen Gräserfeldern.
Neben einer Fischerei warnt ein Schild von tieffliegenden Möwen auf der Strasse. An den Schwefelgeruch werden wir uns wohl auch gewöhnen müssen.
Plötzlich ist die geteerte Strasse zu Ende und die Jungs können das Auto mal richtig ausprobieren. (Aus Kostengründen haben wir uns entschieden, nur zwei Fahrer anzumelden. So lassen wir Manus uns herumkutschieren;-)). Die Landschaft wird etwas hügeliger und bleibt weiterhin atemberaubend.
Bei Krysuvik empfängt uns starker Schwefelgeruch, der aus dem Boden strömt.
Entlang des kleinen Baches hat es einen Tümpel am anderen. Die Temperatur beträgt zwischen 80 und 100 Grad, tiefer in der Erde soll es über 200 sein.
Überall steigen Luftblasen auf. Im klaren Wasser sieht dies nicht spektakulär aus, aber die schlammigen Tümpel bieten gute Bilder. Der aufsteigende Dampf und das Zischen und Blubbern bilden ein skuriler Ort, wo wir gerne verweilen. Wir sind nicht die einzigen, die mit der Serienbildfunktion auf eine besonders interessante Blase warten;-) Stege führen zwischen den Schwefel-Wasser-Teichen hinauf, so dass wir uns einen Überblick über die rostbraunen, salzweissen und schlammgrauen Tümpel verschaffen können. Mich beeindruckt dies sehr, ich habe noch nie so etwas gesehen. Ich könnte hier stundenlang zusehen.
Nach einer kurzen Mittagspause mit heissem Tee aus der Thermosflasche fahren wir weiter. Manu steckt mich an und wir schlafen beide ein. Als ich wieder aufwache, sind wir in Selfoss, einer kleinen Stadt mit richtigen Bäumen!
Auch danach säumen saftige Weiden unsere Strasse. Zu den Pferden und Schafen gesellen sich noch Kühe auf die Flächen. Nördlich von uns ragt Hekla auf, dessen Ausbruch schon lange überfällig wäre. Südlich erkennen wir die Berge der Westmännerinseln.
Dann kommen wir im Feenland an. Jedenfalls stelle ich mir dieses so vor.
Der 40 m hohe Seljalandsfoss stürzt mit einer solchen Wucht in die Tiefe, dass Tausende Wassertropfen zur Seite wehen. Mit unseren Regenjacken wandern wir hinter dem Wasserfall durch. Die Felsen sind mit dichtem Moos bewachsen. Einfach traumhaft!
Beim nächsten Wasserfall, Skogafoss, bemerken wir einen Platten vorne. Ein Isländer hilft uns, den wieder aufzupumpen und so erreichen wir eine Garage in Vik. Trotz gegenteiliger telefonischer Auskunft ist diese geschlossen und niemand erreichbar. So wechseln wir eigenhändig das Rad und fahren zurück zum Campingplatz am Fusse des Skogafoss. Die Zelte sind schnell ausgestellt und gleichzeitig sind auch die Spaghetti fertig.
Martin und ich nehmen noch eine Dusche beim Skogafoss: Innert kürzester Zeit sind unsere Kleider von der Gischt vollgespritzt, trocknen aber auf dem Aussichtspunkt oben auf 65 m im starken Wind ähnlich schnell.
Ich habe mich noch nicht an die lange Helligkeit gewöhnt und lese beim Getöse des Wasserfalles bis ich müde werde.

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