Mit Island Pferden durch den Wind

(Montag, 27. Juli 2009)

Es windet und wir tun uns immer schwerer, aus dem Schlafsack zu kriechen.
Die Ruhe an unserem Plätzchen ist traumhaft. Wir frühstücken gemütlich bei einigen Sonnenstrahlen und packen unsere Siebensachen.
Als im Jahre 1000 beschlossen wurde, dass Island (oder zumindest diese Region hier) zum Christentum übertreten soll, wurde die heidnischen Götterstatuen in den Goðafoss geworfen. Der Wasserfall der Götter ist breit, aber nur 12 m hoch. Gemeinsam mit anderen Touristen halten wir am Aussichtspunkt für einige Fotos.
Der nächste Halt ist in Vermahlíð. Manu hat eine Reittour für uns gebucht, wenn wir schon mal in der Heimat der Island Pferde sind. Martin und ich sind beide noch nie richtig geritten, Urs und Manu haben etwas Erfahrung.
Bei einer Österreicherin, die hier ihre Sommerferien verbringt, erhalten wir die bereits gesattelten Pferde: Manu auf Musa, Urs auf Blacky, ich auf Dilah und Martin auf einem, dessen Namen er sich nicht merken kann. Schon beim Losreiten gehorcht Musa nicht und Manu tauscht mit Thessi, der Leiterin, und reitet mit Blacky weiter. Wir durchqueren einen seichten Fluss, üben in einer Kolonne zu gehen und reiten Tölt. Dies ist ein spezieller Laufstil, den nur die Isländer kennen. Angeblich soll der sehr bequem sein, dennoch reagiert mein Magen empfindlich beim holprigen Laufstil von Dinah. Als wir auch noch in der Nähe des Heimhofes meines Pferdes vorbeikommen, reagiert sie gar nicht mehr auf meine Anspornversuche und ich gebe sie an Thessi weiter. Musa hat sich in der Zwischenzeit gut beruhigt und es klappt prima. Gegen Ende durchqueren wir den letzten Bach und reiten wie der Wind zur Weide zurück. Manu wäre gerne noch länger unterwegs gewesen, sie ist begeistert vom Tölt. Mir reichen diese zwei Stunden, die wir doch problemlos überstehen. Es ist interessant, mal diese Art des Reisens und des Sports kennenzulernen, aber Martin und ich bleiben bei den herkömmlichen Mitteln;-) Im Infozentrum empfiehlt uns eine Dame eine Wohnung, etwas weiter entfernt.
Wir nehmen dieses Angebot in diesem Wind dankend an!
Nach guten 20 Minuten Fahrt erreichen wir ein idyllisches Holzhaus, mitten in einer landschaftlichen Umgebung. Für uns ist eine kleine Wohnung mit zwei Zimmern reserviert. Es hat eine kleine Kochnische mit richtigen Herdplatten und richtigem Besteck. Wir können diese Nacht auf richtigen Betten schlafen ohne einen Gedanken an Kälte verschwenden zu müssen!
Nach einem üppigen Mahl mit viel Fleisch für die Herren sitzen wir lange beisammen und quatschen über Gott und die Welt bis nach elf Uhr. Jetzt können wir dies ohne zu frieren. Und draussen ist es immer noch nicht dunkel. Aber es wird knapp 8 Grad sein und vermutlich immer noch ziemlich windig. Meiner Motivation tut es sehr gut, mal so richtig zu erholen und einfach zu geniessen. Ich glaube, auch die anderen freuen sich auf eine ruhige, erholsame Nacht und die morgendliche warme Dusche gleich nebenan.

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