Milford Track – Tag 3

(Donnerstag, 22. November 2012)

Ich hatte schlecht geschlafen, aber es stellte sich heraus, dass ich nicht die einzige war. Es war sehr unruhig im Schlafsaal.
Um halb acht waren wir die zweiten, die los liefen, andere waren bereits in den Startlöchern. Der bevorstehende Aufstieg schien einige zu beunruhigen. Dieser Teil der Wanderung war tatsächlich anstrengend. Während ich den steinigen Berg hoch kämpfte, freute sich Martin über die Blumen. Je näher wir zur Passhöhe kamen, desto kälter wurde es. Kurz vor der oberen Ebene begann uns der feuchte Nebel einzuhüllen. Wir zogen die warmen Kleider an und erreichten kurz darauf die Passhöhe. Der dichte Nebel verhinderte die Sicht auf das Tal, woher wir kamen und auch auf das, wohin wir wollten. Nach einigen Minuten hoffen und einem kleinen Fenster im Nebel liefen wir weiter zur Hütte. Daneben ist eine der Toiletten mit der besten Aussicht, darum hatte diese sogar ein Fenster! Der Nebel machte uns dieses Vergnügen kaputt, so dass wir weiter zogen.
Nach dem Mackinnon-Pass verdoppelte sich die jährliche Regenmenge von etwa 4 m pro Jahr auf der Seite, woher wir kamen, auf gute 8 m auf der Seite in Richtung Milford Sound. Hier ist der regenreichste Teil Neuseelands. Wir konnten uns bisher also sehr glücklich schätzen.
Der lange Abstieg führte uns wieder an einigen Wasserfällen vorbei. Wegen Lawinengefahr mussten wir auf den Notfallweg ausweichen, der den gefährlichen Teil umging und später wieder zum Hauptweg kam. Die Ausweichroute war technisch anspruchsvoll, aber niemand verletzte sich. Der Hauptweg war in tadellosem Zustand, die vielen Meter Abstieg waren dank den richtigen Treppen ein Kinderspiel.
Unser Mittagessen nahmen wir an einem Unterstand zu uns, bei dem uns Keas Gesellschaft leisteten. Diese grossen Vögel sind sehr neugierig, aber auch frech. Angeblich können sie Reissverschlüsse und Schnappverschlüsse öffnen. Diese blieben lange genug für ein paar gute Fotos.
Der Umweg zu den 580 m hohen Sutherland Falls war wegen Steinschlag geschlossen. Von weitem konnten wir einen Blick auf diesen imposanten Wasserfall werfen.
Die Tiere bei der Dumplinghütte erfreuten uns einiges weniger. Sandflies waren hier sehr zahlreich vertreten und umkreisten jeden, der sich nicht genug bewegte. So entschieden wir uns, den Rest des Nachmittags drinnen zu verbringen, mit einer heissen Suppe sassen wir im Esssaal mit anderen Geflüchteten.
Während einige Karten spielten, diskutierten wir mit den Ukrainern über Ferienpläne und Wanderungen. Die Amerikaner holten das Stativ für ihre teure Kamera und machten ein Gruppenfoto aller Wanderer. Wir konnten die Mailadresse angeben für ein Erinnerungsbild.
Der Ranger beglückwünschte uns zur erfolgreichen Passbesteigung und erzählte einige Geschichten, die er hier erlebt hatte. Von Regen und überfluteten Wegen wusste er viel zu sagen. Es sollte über Nacht regnen und im Laufe des Morgens aufhören, also kein Grund zur Sorge.
Alle waren ziemlich müde und vor der offiziellen Lichter-löschen-Zeit im Bett.
Während ich noch einige Seiten las, damit ich müder war und weniger dem Schnarchen zuhören musste, begann leise der Regen auf das Dach unserer 12er-Kabine zu tröpfeln.

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