Jaipur

(Dienstag, 4. November 2014)

Auf der Terrasse des Hauses gegenüber sah ich Shaharzad winken, er meinte dass er nur zwei Stunden geschlafen hatte. Pavan trafen wir beim Kaffee, er hatte gar nicht geschlafen. Die Party war noch lange lange weitergegangen, der offizielle Teil hatte erst nach Mitternacht begonnen. Schade, hatte ich es verpasst, aber ich konnte wirklich nicht mehr.
Ich trank mit den Jungs den angebotenen Kaffee (kaum Kaffeegeschmack und sehr süss), dann wurden wir ins Haus des Bräutigams gebeten. Pravin’s Mutter begann mit der Abschiedszeremonie: Sie malte einen Punkt (“Tika”) auf unsere Stirn, klebte etwas Reis darauf, warf etwas Reis über unsere Köpfe und steckte uns etwas Süsses in den Mund. Dann erhielten wir noch ein kleines Geschenk, Münzen schön verpackt. Als ich an der Reihe war, musste ich wohl ziemlich konzentriert ausgesehen haben, sie lächelte mich verschmitzt an. Dann brachten uns alle zum Auto und wir fuhren los, in Richtung Süden.
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Auf der langen Fahrt erfuhr ich mehr über die Bräuche und Rituale der Hochzeit. Zum Beispiel kann der Fahrer, der das Brautpaar nach Hause fuhr, verlangen was er wollte, Pravin müsste es bezahlen. Nur leider hatte der Fahrer gestern vergessen, die Autotüre zu verriegeln, darum konnten Pravin und Shilpi gemütlich rausspazieren.
Die Brautjungfern hatten es nicht geschafft, Pravin’s Schuhe zu klauen, seine Freunde hatten sie erfolgreich versteckt. Diese Tradition wurde mir mehr mit erlebten Geschichten als mit Hintergrunderklärungen vermittelt, verständlicherweise. So verging der erste Teil der Fahrt ziemlich schnell, bis die Jungs dann erschöpft von der langen Nacht einschliefen. Dies war übrigens der Moment, als sie die Sicherheitsgurte anlegten, damit sie im Sitz blieben;-)
Vor Jaipur gab es noch Mittagessen, Sandwich für mich, Curry für die Jungs, Lassi für alle. In der Stadt dauerte es eine Weile, bis wir uns zum Hotel durchgefragt hatten, obwohl es gleich neben dem Jal Mahal, einem Palast in einem See, lag. Die Aussicht vom Zimmer aus war gigantisch!
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Shaharzad und Pavan verliessen uns in Richtung Flughafen, sie kehrten heute noch nach Bangalore zurück. Navin und ich trafen unseren Stadtführer, der jedoch nur Hindi sprach. So sagte ich stolz meine wenigen Sätze auf und lernte noch einige mehr, während Navin die historischen Fakten der Tour übersetzte.
Als erstes sahen wir uns das Amer Fort an, das etwas erhöht über der Stadt lag. Dort hatte ein hinduistischer König gelebt, der eine Muslimin geheiratet hat und so zeigten die Gebäude Merkmale beider Kulturen. Wir bestaunten den Tempel, die Halle mit Belgischen Spiegeln, die Zeichnungen aus Lebensmittelfarbe (Hunderte Jahre alt!), die Goldzeichnungen, den prunkvollen Garten, die Räume für die 12 (!) Frauen des Königs (die beliebteste hatte ein besseres Quartier;-)) und vieles mehr.
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Wir erfuhren, dass die Kleider und der Schmuck der Königin an Festen bis zu 25 kg schwer sein kann, das erklärte wieso sie getragen werden musste. Fasziniert waren wir vor allem auch über das frühe Heiz- und Kühlsystem in einigen Räumen und natürlich über die Aussicht von der erhöhten Lage aus.
Die Sonne ging unter, als wir das Fort verliessen. Der Fahrer brachte uns nach Chokhi Dhani, einem Touristenort für das kulturelle Rajastan. Hier konnte man Traditionen, Essen und Kultur an einem Ort erleben. Wir schlenderten umher, ritten auf einem Elefant und assen etwas. Gerade als ich mich darüber freute, dass ich kaum Aufmerksamkeit erregte, kamen einige Schulmädchen auf mich zugerannt und baten um ein Foto.

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Der Heimweg gestaltete sich dann schwieriger als erwartet. Wegen einem muslimischen Fest war die Strasse zum Hotel gesperrt. Wir versuchten es auf beiden Seiten und via Seitenstrasse (die allerdings in einem Abfallhaufen endete), aber die Polizei blieb hart, weder der Fahrer noch Navin erreichte, dass wir durchfahren durften. So blieb uns nichts anderes übrig als zu laufen. Mir war nicht ganz wohl dabei. Ich hatte keine Angst, dass etwas passiert, aber die viele Aufmerksamkeit war sehr ungewohnt für mich. Nach fünf Minuten laufen hielt ein Polizeiauto neben uns und bedeutete uns einzusteigen. Sie fragten Navin über uns aus, während sie uns zum Hotel fuhren. Als ich mich dann auf Hindi bedankte, lachten sie freundlich. Ich war echt überrascht über diesen Service!

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