Hotelalltag und anderes

Nun bin ich seit gut drei Wochen hier in Indien… Ich habe mich gut eingelebt, habe mein eigenes Hotelzimmer nach meinem Geschmack eingerichtet, das klappt sehr gut, auch wenn die Handtücher jeden Tag wieder am falschen Ort hängen, aber das sind ja Kleinigkeiten.

Das Personal hier ist sehr freundlich, sie kennen uns bereits! Wenn ich zum Frühstück komme, weiss ich, wer schon da war und wie lange er schon weg ist. Einige kenne ich schon sehr gut, trotzdem fragt mich der Manager regelmässig, ob ich zu meinen Frühstücksflocken und frischen Ananas nicht noch etwas anderes dazu haben möchte, sie können nicht verstehen, dass ich mein Frühstück (während der Woche) einfach und in 10 Minuten fertig habe.

Eines Abends im Restaurant meinte eine der Servierdamen, dass heute Südindische Nacht sei, es werden südindische Spezialitäten serviert, daher bringe sie mir ein Kerala Parotta, die ich ja so gerne mag. Das ist Aufmerksamkeit! Beim Verabschieden schüttelte sie mir die Hand und meinte, wir sehen uns morgen zu Kornflakes, Ananas und Apfelsaft. Das scheint hier eine Spezialität zu sein, dass sie aufmerksam die Kunden studieren und so die Wünsche der Gäste schnell erfüllen können.

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Einen der Restaurantmanager lernte ich bereits im November kennen. Diese Woche meinte er, dass er mal wieder einige Tage frei habe und nach Delhli gehe. Ich wusste, dass er dieses Jahr heiratet (sie arbeitet auch im Hilton), daher sprach ich ihn darauf an. Freudig erzählte er mir von der Ringzeremonie (eine Art offizielle Verlobung), die in den nächsten Tagen stattfand, und auch vom geplanten Hochzeit im Oktober. Vielleicht klappt es ja und ich bin noch/wieder in Indien im Oktober….

Auf dem Weg zum Restaurant muss ich durch die Bar laufen, da kommt mir manchmal schon der Kellner entgegen und meint, meine Kollegen seien immer noch draussen beim Bier, es sei noch niemand im Restaurant.

Vor dem Hoteleingang sind diejenigen, die für die Autos zuständig sind. Auch dort kennen sie mich (und meine Zimmernummer) bereits, sie rufen das Auto wenn sie mich nur sehen. Als ich eines Abends noch aus war und spät zurück kam, war einer ganz besorgt und noch am nächsten Morgen fragte er mich, ob ich genügend Schlaf hatte. Ich habe es aufgegeben, sein Alter schätzen zu wollen, das ist nicht sehr einfach. Aber er ist auf jeden Fall sehr jung!

Manchmal  komme ich mir selber etwas ungeduldig vor, aber wenn das Auto vorfährt, warte ich nicht, bis jemand mir die Türe aufhält oder den Sitz so einstellt, dass die vierte Person von uns hinten einsteigen kann. Dann nehme ich das selber in die Hand und dann kommen sie angerannt “Mam, let me help you” und schon habe ich ein schlechtes Gewissen.

Allgemein hat es sehr viele Angestellte hier im Hotel und viele, auch die Empfangsdamen und der Türsteher für den Club, kennen uns und grüssen uns freundlich. Einerseits schön, andererseits auch mühsam, denn so werde ich schon frühmorgens unzählige Male gefragt, wie es mir gehe und ob ich einen strengen Tag vor mir habe.

Die Jungs haben auch Gefallen am Mückenmann gefunden. Seine Aufgabe ist es, Mücken zu erledigen, mit einem elektrischen Mückentöter, der jedesmal ein Zischgeräusch macht, wenn eine Mücke stirbt. Aber wenn die Jungs ihn ansehen, dann versteckt er sein Gerät und lächelt, so in etwa “Nein, wir haben keine Insekten hier”.

Der Fitnesstrainer hat Gefallen an mir gefunden, wie es aussieht. Mit den Jungs spricht er gar nicht, auch wenn alle drei häufiger im Fitness sind als ich. Mich lässt er kaum gehen, will mir Tipps geben und einen ganzen Trainingsplan aufstellen, dabei hat er noch nicht mal eine Fitnessausbildung (und vermutlich nicht viel mehr Wissen als ich in dem was ich im Fitness mache). Aber ich habe gesehen, dass er auch mit anderen Frauen spricht, also ignoriert er nur Männer (und das rigoros, dann sitzt er nur vor dem Fernseher auf einem der Velos).

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Wir sind hier also schon sehr bekannt und werden nach Strich und Faden verwöhnt!

Am Abend werden wir vier jeweils von einem Fahrer abgeholt, der nicht zum Hotel gehört, aber vom Büro organisiert wird. Leider können diese nicht immer (gut) englisch und so geschah es diese Woche zweimal, dass ich einen Kollegen ans Telefon bitten musste, um mit dem Fahrer in Tamil zu sprechen. Nach dem ersten Mal lernte ich “Neenga enge irukeenga” (wo bist du), bis ich realisierte dass ich ja die Antwort nicht verstehe. Darum brachten sie mir bei zu sagen “innum 5 minutes la ground floor ku varen” (wir treffen uns in 5 Minuten im Erdgeschoss). Diesen Satz werde ich nächste Woche ausprobieren. Jedenfalls hatte ich gemeldet, dass ich mit den Fahrern nicht kommunizieren kann, was dazu führte, dass der Fahrer am Freitag anrief, dann kam der Kollege vorbei der den Fahrer organisiert hat und schlussendlich riefen sie vom Empfang an, ich solle mich melden, wenn ich gehen möchte, sie würden mich zum Fahrer bringen. Ob das als Verwöhnen, Bevormunden oder Gastfreundschaft bezeichnet wird ist Ansichtssache, aber auf jeden Fall meinen sie es gut!

Im Büro hatten wir diese Woche eine Fotosession, damit wir das Team auch in der Schweiz präsentieren können. Auch hier zeigte sich wieder deutlich: Inder lieben Fotos! Wir hatten viel Spass! 😉


Viele hatten mich nach den Temperaturen und Klima gefragt. Es ist hier zur Zeit sehr angenehm. Tagsüber 33 Grad, nachts ca. 22 Grad. Ich verbringe aber 99% meiner Zeit in klimatisierten Räumen, nur vom Büro zum Mittagessen bin ich mehr als 50 m draussen, daher kann ich sagen es ist angenehm. Es wird jetzt allerdings wärmer, April/Mai werden Spitzentemperaturen von 46 Grad erreicht! Das wird sich dann ganz anders anfühlen, dann werde ich wohl kaum mehr draussen sein wollen.

Dieses Wochenende sind die Jungs nach Pondicherry gefahren. Ich hatte mich für ein ruhiges Wochenende im Hotel entschieden und sagte ab. Am Samstag etwas arbeiten, Sonntag Massage und Kino, aber das Wichtigste: Ich. Die Jungs sind super und wir verstehen uns sehr gut, aber von frühmorgens bis spätabends in Gesellschaft und Rücksicht nehmen bzw. arrangieren, das hängt an. Darum mein Ego-Wochenende für mich. Hat sehr gut getan!

Das hier gab’s zum Abendessen am Sonntag, in einem Nordindischen Restaurant in der Shopping Mall:

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Ach ja, die definitiven Resultate von Chennai Marathon habe ich noch nicht gefunden….

1 Kommentar

    • Peter Weber auf 14. Februar 2016 bei 20:44

    Tönt ja sehr abwechslungsreich; ich verstehe auch warum die Freundlichkeit des Personals manchmal etwas anhängt.
    Wir waren übrigens gestern zum Essen im Tajmahal eingeladen – nein, das ist natürlich lediglich in Ennetbaden. Hat gut geschmeckt, ich kann aber die Namen der Gerichte nicht mehr wiedergeben.
    PS: Danke für die Video-Alternative, habe natürlich Vali’s iPad mal benutzt.

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