Hochzeit, Mahabilipuram und Notfallübung

IMG_7405_2Eines Abend kehrte ich vom Büro nach Hause zurück, an der Reception warteten zwei Arbeitskolleginnen. Sie wollten ihre Taschen in meinem Zimmer deponieren, während sie an das Hochzeitsfest des Bruders einer anderen Kollegin gingen. Klar, kein Problem, solange sie mich mit an die Party nahmen. Im ersten Stock des Hilton, im Bankettsaal, war das Fest schon in vollem Gange. Die Angestellten wie auch die anderen Gäste schauten mich verwundert an, wenn auch aus unterschiedlichen Gründen:-) Während vorne das Brautpaar mit einem Priester und wechselnden Familienmitgliedern die Zeremonie durchführte, schien sich der Rest der Gesellschaft nicht gross darum zu kümmern. Kinder rannten schreiend herum, Telefone klingelten, Essen wurde herumgereicht; es war vor allem ein Grund um die Verwandtschaft wieder zu sehen wie es schien. Nach einiger Zeit war dann die Zeremonie vorbei, wir standen an um zu gratulieren und für ein Foto. Ich war mit einigen vom Büro dort, wir waren 6 Personen, die alle mit der Schwester des Bräutigam zusammenarbeiten, aber eine hatte den Bruder einmal getroffen. Egal, Feste werden gefeiert! Nach einem kurzen Stehdinner verliessen wir das Fest. Das nächste Hochzeit wird mindestens zwei Tage dauern, bis dahin habe ich noch Zeit, mich richtig einzukleiden!

 

Jeder hat mal einen schlechten Tag. Ich hatte mal wieder so einen (nicht dass das allzu häufig wäre). Nicht sehr toll geschlafen (der Rücken und ich suchen immer noch die perfekte Lösung) startete ich meinen Arbeitstag mit leichten Kopfschmerzen und der Kontrolle einer von Flüchtigkeitsfehlern gespickten Arbeit. Leider half mein Tagesablauf gar nicht: Eine Präsentation vor einigen Teammitgliedern, konstantes Beantworten von Fragen, die ich bereits gefühlte dutzende Male beantwortet hatte, und weitere Flüchtigkeitsfehler standen auf dem Programm. Ich versuchte mich lange zusammmen zu reissen, gab aber in der Mitte des Nachmittages auf und versteckte mich (meinem Team zu liebe) in einem Sitzungszimmer mit meinem Laptop.

Auf dem Heimweg wollte ich dann per Telefon an einem Orientierungsmeeting in der Schweiz teilnehmen, als ich feststellen musste, dass mein indisches Telefon abgeschaltet worden war. Da mein Visum, das ich zum Beantragen der SIM-Karte vorwies, ablief, stellten sie den Service früher ein als angekündigt, so dass mir keine Möglichkeit blieb, dies zu verhindern. So besuchte ich mit Robert den Vodafone-Shop und wir beide versuchten dem Mädchen zu erklären, was das Problem war. Eineinhalb Stunden später, die sie hauptsächlich am Telefon mit ihrem Chef verbrachte, hatte auch Robert fünfmal mit ihrem Chef gesprochen und sie hatte allen anwesenden Kunden unsere Geschichte erzählt, vermutlich in etwa so falsch wie sie es auch ihrem Chef erklärt hatte. Wir versuchten alles, freundlich, erklärend, bestimmend, es war alles vergebens, sie blieben dabei: Die bereits abgeschaltete SIM-Karte könne nicht wieder reaktiviert werden. Das darauf noch vorhandene Gesprächsguthaben sei verloren. Sie verkaufte uns eine neue SIM-Karte, die am folgenden Tag aktiviert werden sollte.

Ich gab mich nicht so schnell geschlagen und liess einen indischen Arbeitskollegen am nächsten Tag anrufen. Ihm wurde erzählt, dass die SIM deaktiviert wurde, weil ich das Telefon 3 Monate nicht benutzt hatte. Aber auch das war nicht korrekt, genausowenig wie mein Name, der in ihrem System mit meiner Nummer hinterlegt war.

 

IMG_7423Ich hatte mit zwei indischen Kollegen einen Tagesausflug zu Mahabilipuram geplant. Mit nur 40 Minuten (angekündigter) Verspätung verliessen wir Hilton und erreichten ca. 1.5 Stunden später die Tempelanlagen. Die Ticketpreise waren massiv erhöht worden seit meinem letzten Besuch im März, für Ausländer von INR 250 auf INR 500 (ca. CHF 7), für Inder von INR 10 auf INR 30. Wir besichtigten den Shore Tempel, standen zwischen den Mauern um den kühlenden Wind zu geniessen und beobachteten Frösche im Tümpel nebenan. Der nächste Stopp waren die 5 Rathas, aus einem Stein gehauene Kunstwerke, die angeblich Anhänger darstellen sollten (für mich sah es eher wie ein geschlossenes Gebäude aus). Endlich fanden wir auch eine Stelle, wo wir etwas erhöht über die Landschaft blicken konnten, wieder im herrlichen Wind, traumhaft! Ich genoss den Ausblick über die Weite, das Meer uIMG_7425nd die Tempel und den Leuchtturm nebenan. Als letztes sahen wir uns den Butterball an, ein Stein der angeblich nicht umgerollt werden kann, obwohl er eher unstabil auf einem anderen Stein steht. Für mich war es schön weil es endlich wieder etwas Wiese in dem kleinen Park hatte, auch Bäume die Schatten spendeten. Viele andere dachten ähnlich, die wenigen Schattenplätze waren schon lange ausgebucht, überall schliefen Menschen in der Mittagshitze. Wir verzogen uns ans Meer, sammelten Muscheln zwischen den brechenden Wellen und genossen das kühle Nass (das leider auch unsere Hosen nässte). Egal! Die Hitze setzte uns allen zu, daher waren wir bald wieder im Auto mit Klimaanlage, auf dem Heimweg mit Stops für Chai und Samosas. Was will man mehr an einem freien Sonntag?

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In den letzten Tagen hatte es immer mal wieder geregnet, die Temperaturen waren eher kühl bei 30 Grad, es fühlte sich nicht schlecht an. Zum Glück, denn an einem schönen, nicht allzu heissen Nachmittag fand eine Notfallübung statt. Meine Einwände, es sei nur ein Fehlalarm wie sonst auch immer, wurden ignoriert, wir wurden nach draussen geschickt. Brav strich jeder seinen Badge an der Tür ab, bevor er das Büro verliess und via Treppenhaus 8 Stockwerke nach unten spazierte. Draussen liessen sie uns in Reihen aufstellen, unsere Fragen, welche Reihen denn für Eis (und welche für Vodka) seien, fanden nicht überall gleich viel Anklang, wie auch die Selfies unseres Teams. Trotz den eher angenehmen Temperaturen (für Chennai Verhältnisse) zeigte sich der Schweiss nach wenigen Minuten bei vielen auf der Stirn oder auf der Kleidung, anders geht es hier fast nicht! Nach 15 Minuten draussen durften wir wieder nach oben, ca. 800 Personen in 5 Liften oder halt eben zu Fuss, im gemütlichen indischen Tempo. Ich war nur dankbar, dass sie den Test nicht im Mai bei gefühlten 52 Grad durchgeführt hatten!IMG_7443Einen Tag später hatte ich ein Emergency Response Training für Manager. Wir wurden informiert, wen wir zu kontaktieren hatten bei Notfällen und es wurden ungewöhnlich viele Beispielfälle aufgezählt, das ist hier sehr wichtig, immer vom Leben anderer zu erzählen. Immerhin hatte ich eine weitere Gelegenheit, die Namen der anderen Manager zu lernen und als Quotenfrau/-nichtinderin die Gruppe aufzumischen.

 

Wie gesagt, ich gab meine indische Nummer nicht so schnell auf und schaffte es dann (nach Einbezug eines Kollegen hier und hochrangigeren Angestellten bei Vodafone) meine Nummer wieder reaktivieren zu lassen, musste dafür aber persönlich vorbeigehen. Immerhin, eine Hürde war geschafft, nun musste ich nur noch mein Guthaben wieder auf der Nummer haben. Die Geschichte geht weiter, irgendwann….

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