Gestrandet auf Lipari

(Donnerstag, 15. Oktober 2009)

Die Melodie des Weckers klingt unwirklich. Dennoch stehen wir auf, packen unsere Sachen und laufen im Regen an den Hafen. Die Wellen klatschen immer noch meterhoch an die Mauern. Usticalines hat den Fährendienst eingestellt, das heisst es fahren keine Tragflügelboote mehr. Siremar hat ein Boot, das heute fährt, jedoch nur bis Lipari. Wir entscheiden uns für dieses, so sind wir immerhin schon mal einen Schritt weiter. Lipari ist die Hauptinsel der eolischen Insel und hat die meisten Schiffsverbindungen.
Die Überfahrt klappt trotz der grossen Wellen problemlos, im Hafen von Lipari wird das Anlegen doch noch zum Kampf. Immer noch im Regen suchen wir die nächste Biglietteria auf, um uns nach den Verbindungen nach Stromboli zu erkundigen. Der Mann schaut mich belustigt an und meint: “Bei dem Wetter? Da fährt kein Schiff mehr!”
So kommen wir also doch noch zu unserem Tagesausflug auf Lipari…
In den Strassen fragt uns ein Italiener, ob wir ein Zimmer benötigen. Wir folgen ihm durch eine enge Seitenstrasse in eine noch schmalere, über der trotz des Regens Wäsche hängt. Die Pension “Diana Brown” erweist sich als sehr gepflegt. Diana selber steht in der Küche und bereitet zwei Schweizerinnen, die mit der heutigen Fähre nach Napoli zurück wollen, das Frühstück zu. Unser Raum muss noch gereinigt werden, also machen wir einen Stadtrundgang.
Auch in Lipari hat es streunende Katzen, Hunde wie in Vulcano sehen wir jedoch keine. Am Hafen ist der Parkplatz leicht überflutet, denn das Meerwasser schwappt durch die hohle Hafenmauer hindurch bis zur Öffnung in Richtung Parkplatz. Wir finden sogar einige Quallen zu unseren Füssen.
Gemäss Aushang bei Diana sind sie jedoch nicht gefährlich.
Auf der Suche nach Frühstück landen wir in einer Konditorei. Ich bestelle eine heisse Schokolade, bin aber erstaunt, dass ich genau das erhalte: eine Tasse voll geschmolzener bitterer Schokolade. Das ist sogar für mich definitiv zu viel!
Zurück in der trockenen Unterkunft lesen wir im Essraum, bis unser Zimmer frei wird. Da der Regen draussen anhält, bleiben wir im Zimmer. Martin schläft über seinem Buch ein. Ich beende mein zweites und tausche es in den Regalen von Diana gegen ein anderes. Dabei werden wir vom prasselnden Regen und von laut übenden Flötenspielern unterhalten.
Die Fähre nach Napoli geht heute nicht, die Schweizerinnen müssen hier bleiben. Die nächste ist am Montag, für die haben wir auch Tickets. Aber alle sind zuversichtlich, dass der Regen morgen weg ist. Immerhin hat er schon etwas nachgelassen.
Wir suchen uns eine Pizzeria in der Nähe. Noch nie hatte ich so viele Meeresfrüchte auf einer Pizza, aber mehr bot diese Pizza auch nicht. Der Käse fehlte und die Tierchen waren lieblos draufgeknallt worden und kalt.
Dennoch geniessen wir unseren Abend. Der Regen hat aufgehört, aber die Wellen sind immer noch sehr stark und schlagen an den Mauern hoch.
Diana’s Mitarbeiter zeigt uns, wo die Schiffe morgen fahren würden, kann uns aber auch keine grossen Hoffnungen machen. Wir werden einfach vorbeigehen und abwarten müssen.
Im Zimmer lese ich das dritte Buch zu Ende, während der Flötenspieler seine letzten Übungen macht. Nach einer spärlichen aber heissen Dusche sinken wir ins weiche, saubere Bett und hoffen auf weniger Wellen morgen.

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