Endlich auf dem Stromboli!

(Freitag, 16. Oktober 2009)

Wieder weckt uns die vertraute Melodie, die wir in den Ferien nur sehr ungern hören. Umso erfreuter sind wir, dass der Himmel teilweise sogar blau ist. Am Hafen vorne scheint sogar die Sonne! Ein Boot steht bereits an der Anlagestelle, unseres soll auch pünktlich fahren, lasse ich mir sagen.
Tatsächlich legen wir um 08:20 Uhr ab. Via Vulcano, Salina, vorbei am Regenbogen, dann über Panarea, Ginostra erreichen wir endlich unser Ziel: Stromboli.
Ein Italiener bietet uns ein Zimmer an, für 20 Euro pro Person und Nacht. Er lädt unser Gepäck in sein “Auto” und fährt uns dahin. Auf Stromboli gibt es keine richtigen Autos, nur Apes und Roller. Ein Ape ist ein dreirädriges Fahrzeug mit kleiner, fast schon winziger Führerkabine und meist einer Ladefläche hinten drauf. Als Zweitakter und mit oft nur 50 ccm geht es entsprechend langsam und laut den Berg hinauf.
Die Strassen, die unser Fahrer nimmt, sehen für mich wie enge Fussgängerwege aus. Bei jeder zweiten Kurve fürchte ich, dass wir irgendwo anstossen und fallen. Nichts dergleichen passiert und wir erreichen sicher das Ziel. Von der Strasse zweigt ein immer schmaler werdender Weg ab und nach der zweiten Ecke frage ich mich mal wieder, worauf wir uns hier eingelassen haben. Doch plötzlich stehen wir auf sauberen, farbigen Bodenplatten mitten unter kleinen Bäumen. Das einzelne Zimmer liegt ganz in der Ecke dieser Oase, neben einem Limettenbaum, die andere Frucht kenne ich nicht. Der Schlafraum und das Badezimmer sind sauber, der Preis stimmt, wir packen aus.
Wir machen einen kleinen Spaziergang zur Kirche mit dem grosse Treffpunktplatz davor. Sollten die Sirenen losgehen, dass ein Tsunami auf die Insel zukommt, hat sich jeder auf diesem erhöhten Platz einzufinden.
Das Büro von magmatrek liegt gleich neben der Kirche. Die sprachgewandte Italienerin erklärt uns, dass die Entscheidung über die Durchführung der heutigen Expedition kurz vor dem Abmarsch gefällt wird. Momentan sieht es nicht so gut aus, aber das ganze Wochenende soll wechselhaft werden.
Im Laden kaufen wir Wasser und etwas zu essen und frühstücken erst mal gemütlich vor unserem Zimmer. Anschliessend machen wir einen Rundgang durch San Vincenzo. Die Hauptstrasse, Strada Vittorio Emanuele, ist zwischen drei und fünf Meter breit und wäre bei uns bestenfalls ein Radweg. Hier jedoch fahren Zwei- und Dreiräder hin und her, welche bei uns kaum zugelassen wären. (Das gilt übrigens auch für die meisten Autos in Vulcano und Lipari. Solche Rostbeulen wären bei uns schon lange aus dem Verkehr gezogen worden.) Leichter Regen setzt ein und verdirbt uns die Stimmung. Zurück im Zimmer lege ich mich hin, ich habe die letzten zwei Nächte nicht sehr gut geschlafen.
Als wir uns bereit machen, hat sich der Himmel aufgeklart und der Gipfel ist wolkenfrei. Wir sind zuversichtlich, heute etwas Interessantes zu sehen.
Vor dem Geschäft warten schon andere. Wir bezahlen, unterschreiben, dass wir mit allem einverstanden sind und gesund sind und erhalten Helme. Unsere Schuhe sind in Ordnung, aber andere werden zum Schuhgeschäft geschickt, sie sollen sich Wanderschuhe mieten. Allgemein sind Martin und ich ausrüstungstechnisch sehr gut dran. Es sind hauptsächlich Deutsche und Franzosen in unserer 21köpfigen Gruppe, meist Familien, aber auch ein junges Paar aus England.
Kurz nach halb vier laufen wir los. Ich hatte mir im Vorfeld noch Gedanken über meine Kondition gemacht, aber in diesem langsamen Tempo könnte ich noch stundenlang laufen. Zudem hat sich Martin nur für einen Rucksack entschieden und den will er nicht abgeben. Ich kann die Wanderung also total geniessen. Nach knapp drei Stunden, die wir auch mit Kristall suchen verbringen, erreichen wir den Grat. Der Vulkan begrüsst und gleich mit einem lauten Grollen und er speiht glühendes Magma in die Höhe. Wir laufen noch die letzten Meter bis zum Gipfel (918 m. ü. M.), ziehen uns warm an und essen etwas. Die Sonne geht bereits unter und die folgenden Ausbrüche werden immer schöner. Erst künden sie sich mit einem Grollen an, dann fliegen leuchtend rote Brocken bis 100 Meter hoch in die Luft, welche dann, immer noch leuchtend, ausserhalb des Kraters liegen bleiben. Von unserem erhöhten Standpunkt haben wir eine wunderbare Aussicht auf den Krater mit seinen kleinen Öffnungen, die nur etwa 300 Meter von uns entfernt sind. Ich bin froh, habe ich keine Kamera dabei, so kann ich mich voll auf das imposante Schauspiel konzentrieren. Bilder habe ich schon viele gesehen, auch viel darüber gehört, aber es live mitzuerleben ist immer noch das Beste. Mir gefällt es hier sehr gut (wenn da nicht die klammen Finger wären. Aber immerhin ist die Mütze sehr nützlich!;-)).
Martin bereut seine Entscheidung, das Stativ nicht mitzunehmen und baut sich aus unserem Rucksack etwas Behelfsmässiges. Bei den vier, fünf Ausbrüchen, die wir noch sehen, kann er aber doch noch zwei, drei gute Fotos machen. Der starke Wind bläst glücklicherweise den Rauch nicht in unsere Richtung, sondern den Berghang hinauf neben uns. Leider müssen wir nach einer Stunde bereits wieder den Abstieg antreten.
Die ersten 500 Höhenmeter sind sehr angenehm und einfach. Ein grosses Aschefeld lindert den Abstieg und jeder Fuss, der aufgesetzt wird, rutscht noch mindestens 10 cm weiter in die sandige Asche hinein. Mir macht dies riesig Spass, am liebsten würde ich mich auf einen Plastiksack setzen und runterrutschen.Zwischendurch löschen wir unsere Stirnlampen um den Sternenhimmel zu betrachten. So im Dunkeln sieht man sogar die Milchstrasse. Der zweite Teil des Pfades ist etwas härter und mein Rücken beginnt bald zu reklamieren. Ich lenke mich ab und denke an das Augenpaar, das wir weiter oben gesehen hatten. Im Kegel der Lampe sehe ich nur genau die zwei Schritte vor mir. Links, rechts und hinter mir (ich bin das Schlusslicht) herrscht völlige Dunkelheit. Wer weiss, vielleicht ist die Katze mir gefolgt? Nach knapp zwei Stunden Abstieg erreichen wir wieder die Stadt und verabschieden uns von Luca, unserem Führer.
Mit einem verdienten Gelato (Caramel und Zuppa Inglese) setzen wir uns vor unser Zimmer in den Schein einer Kerze. Wir sind zwar wieder auf Meereshöhe, aber die Temperatur ist immer noch sehr kühl.
Die Dusche ist bei mir entweder heiss oder kalt, bei Martin hat es dann nur noch kaltes Wasser. Als wir eher frierend im Bett liegen, hören wir leichten Regen auf unser Dach fallen. Wir hatten heute endlich mal wieder Glück mit dem Wetter.

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