Die Welt von unten

(Samstag, 8. Januar 2011)

Auf dem Weg zum Morgenessen begegnen wir schon vielen Angestellten: Frauen
wischen die Sandstrasse und sammeln die Blätter auf. Ein Maler streicht
Lampen, Schilder und andere Pfosten (den habe ich bisher täglich gesehen!).
Jemand mäht den Rasen. Einer führt den Pelikan Aisha spazieren.
Sauerstoffflaschen werden zu oder von den Einstiegsstellen gebracht. Oder
sie laufen geschäftig, teils in Uniform umher. Aber alle Männer grüssen
immer freundlich, viele fragen auch nach unserem Befinden (aber das halte
ich für eine Floskel).
Unsere morgendliche Schnorchelrunde planen wir so, dass wir bei unserem
Bungalow aus dem Wasser steigen können. Die Strömung ist am Morgen noch
nicht so stark, dennoch sehen wir in der Tiefe einen Weissspitzenriffhai.
Auch sonst sehen wir immer wieder Neues, Spannendes. Ich kann mich an den
blauen, violetten, rosa Muscheln nicht satt sehen.
Nach dem Mittagessen dösen wir eine Runde und bereiten uns dann auf unseren
Tauchgang in die Tiefe vor. In der Tauchschule wird uns erst ein
45minütiges Video gezeigt, dann müssen wir uns unsere Weste mit der
Sauerstoffflasche selber zusammesetzen. Sie werden aber dann von Helfern
zur Lagune gebracht, so dass wir nur unsere Flossen, Brille, Schnorchel und
natürlich Kamera tragen müssen. Nach ein paar kurzen Übungen für die Tiefe
(Wasser aus der Brille lassen, Atemgerät hinter dem Rücken hervorholen und
auspusten) schwimmen wir zum Riff. Nach kurzen anfänglichen Schwierigkeiten
tauchen wir der Wand entlang hinab. Irgendwann habe ich verstanden, wie das
mit dem Austarieren durch die Weste und meine Atmung klappt und kann die
Höhe behalten. Etwas mulmig ist mir immer noch. Ich zwinge mich,
regelmässig zu atmen und den Druckausgleich zu machen. Alles neue
beschäftigt mich stark und ich muss mich sehr konzentrieren. Die Strömung
ist das Wenigste, das mich stört, obwohl es komisch ist, wenn das Riff so
schnell vorbei zieht. Nach einer Weile beginne ich es zumindest etwas zu
geniessen, ein beklemmendes Gefühl bleibt aber. Unser Guide Mohammed winkt
uns, wir sollen ihm in eine offene Höhle folgen. Tief drin zeigt er uns
einen Rochen, der sich wohl versteckt hat. Ganz tief unten am Riff liegt
ein Wrack, aber da dort kaum jemand hintaucht, haben sie ein Stück daraus
in diese Höhle gelegt. Mittlerweile ist es zugewachsen und sieht ziemlich
spannend aus. Wir sehen noch einen Rochen von unten und er zeigt uns auch
Moränen und einen kleinen Fisch, der es sich in seiner Koralle gemütlich
gemacht hat. Mohammed ist seit 4 Jahren Tauchguide auf dieser Insel und
kennt das Hausriff in- und auswendig. Trotzdem finde er jedesmal wieder
etwas Neues, was jeden Tauchgang spannend mache. Die Ausstiegstellen sind
mit Seilen markiert, an die die Hausnummern geklebt sind. So werden diese
Stellen bezeichnet. Wir ziehen uns dem Seil nach zurück in die Lagune und
können endlich wieder normal atmen. Mohammed ist zufrieden mit uns, wir
seien bis 13 m tief getaucht. Er empfiehlt uns einen Tauchkurs, damit wir
nächstes Mal alleine tauchen könnten.
Wir gehen erst nochmal schnorcheln, kommen aber nicht weit, da die Strömung
einfach zu stark ist. Wir könnten versuchen, mit starken Flossenschlägen
vorwärts zu kommen, aber das Riff ist nicht sehr tief an dieser Stelle und
wir wollen keine Beschädigung riskieren. Ich bin sowieso erstaunt darüber,
wie viele abgebrochene Korallen zu finden sind. Leider werden es eher mehr
als weniger. Wir schwimmen in der Strömung auch an einem Palmenstamm
vorbei, entschliessen uns aber, ihn nicht aus dem Wasser ziehen zu wollen
(ob wir das überhaupt geschafft hätten, steht hier mal nicht zur
Diskussion;-)).
Unsere Squashrunde bleibt eher kurz, wir haben beide schon ziemlich warm,
als wir nur die Schläger auspacken. Aber wenn wir schon mal da sind…
Es hat viele neue Leute auf der Insel, einige von ihnen sind schön
angezogen, als sie beim Nachtessen erscheinen. Martin hat seit er hier ist
nur noch Badeshorts an, ich trage auch immer kurze Hosen. Beide haben wir
nur Schuhe zum Squash an. Wir können nicht verstehen, weshalb andere Gäste
in langen Jeans und mit anständigen Schuhen auf dieser Barfussinsel
herumlaufen können. Aber davon lassen wir uns nicht weiter stören, sondern
gönnen uns noch eine Portion Zitronen-, Blaubeeren-, Erdbeer- und
Kokosschaum. Einfach köstlich!
Während wir unsere Drinks (Palm Heaven, Gin Sling, Tropical Kiss, Ellaidhoo
Dream und wie sie alle heissen) schlürfen, beginnt das Krabbenrennen. Gäste
konnten sich eine kleine Krabbe “kaufen”, die dann gegen andere antreten
muss. Die Krabbe, die zuerst den Tischrand erreicht, ist eine Runde weiter.
Es sieht ziemlich witzig aus, aber die kleinen Tiere tun mir leid, sie
werden ziemlich durchgeschüttelt. Stattdessen verziehen wir uns in eine
ruhigere Ecke und schauen zu, wie eine Roche eine Moräne provoziert. Leider
passiert nichts Spannendes und so ziehen wir uns nach dem obligaten Besuch
des beleuchteten Steges in unser Bungalow zurück, wo unsere Decke bereits
hübsch zurechtgelegt wurde.

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