Crocodile Park, der Kampf gegen Schwarzgeld und ein Wintergewitter

Ich bin etwas im Verzug mit Schreiben, manchmal fehlt die Motivation…. Hier die zwei vergangenen Wochenenden (5.-13. November 2016)

Vergangenen Sonntag besuchten wir den Crododile Park südlich von Chennai. Nur einer von drei Kollegen liess sich von mir überreden, aber Hauptsache, ich musste nicht alleine gehen. Im Park empfing uns ein grosses Gehege voll Krokodile mittlerer Grösse (nach meiner Einschätzung). Uns zog es aber erst mal in den Schlangenpark, wo sie die verschiedenen Giftschlangen zeigten und wie sie deren Gift sammelten, um Gegengift zu erstellen. Mit viel Erklärungen führten die Wärter eine Kobra nach der anderen vor, die sich imposant aufbäumten und zischten. Verständlicherweise durften wir nicht näher heran, Berühren war nur bei einer abgestossenen Schlangenhaut erlaubt. Trotzdem fand ich es sehr interessant! Für den Rest des Parkes mit Leguanen, Schildkröten und noch mehr Krokodilen brauchten wir in etwa gleichviel Zeit wie für die Schlangen…

Als nächstes hatte ich mir das Planetarium im Wissenschaftszenter ausgesucht, das angeblich interessant sein soll. Der Park rundherum war ursprünglich sehr schön und spannend gestaltet worden, mit vielen einfachen Experimenten und Erklärungen, so dass die Kinder spielerisch lernen konnten. Es befanden sich einige Personen dort, aber die meisten versuchten herauszufinden, wozu denn dieses komische Gebilde ursprünglich mal gedacht war, bevor die Farbe abblätterte, der Text unleserlich wurde und das Spielzeug eingerostet war. Schade, ich denke mit etwas Sorgfalt könnte dieser Park eine gute Unterhaltungsmöglichkeit für ganze Familien werden. Heute war aber auch die Temperatur perfekt; immer noch auf der warmen Seite, aber nicht zu heiss. Keine Ahnung, wieviele Leute im Sommer hier sind. Wir schlenderten also umher, bis die Vorstellung im Planetarium begann. Und ich wurde bitter enttäuscht. Die weisse Innenkuppel liess mich glauben, dass der Film über die ganze Fläche ausgestrahlt wurde. Zu Beginn konnten wir das aber leider nicht erkennen, weil die Platzanweiser mit Taschenlampen den Zuspätgekommenen die Plätze zuwiesen. Irgendwann bat ich sie dann, damit aufzuhören, ich würde gerne den Film sehen. Ich erhielt keine Antwort. Der Film war ziemlich langweilig und meistens auf normalem Bildschirmformat in einer Ecke zu sehen. Schade, wenn die vorhandene Infrastruktur nicht ausgenutzt wird. Für einen Eintrittspreis von INR 50 (ca. 70 Rappen) konnte ich aber kaum reklamieren.

Stattdessen entschieden wir uns für ein verspätetes Mittagessen in Thalappakatti, einem auf Biryani spezialisierten Restaurant. Ich wollte mal etwas anderes als meine Lieblingsspeise versuchen, aber das Kartoffel-Masala kam nicht an mein Ideal heran und das Eier-Brot war eher ein Omlett, als für ein Mittagessen mit Masala geeignet. Aber ich hatte ein leckeres Essen, das mich für den Rest des Tages mehr als gut nährte.

 

Mitten in der Woche, als die ganze Welt auf das Resultat der amerikanischen Wahlen schaute, kam in Indien der Schock: Narendra Modi hatte spontan kommuniziert, dass die 500 und 1000er Noten (im Gegenwert von Fr. 7.30 bzw. 14.60) ab sofort nicht mehr gültig sind (das sind die höchsten Noten, neben 10, 20 und 50er). Umtausch der alten Noten sei noch bis Jahresende möglich, aber nur unter Bekanntgabe der Personalien. Dies war ein lange geplanter und geheim gehaltener Schachzug im Kampf gegen Schwarzgeld und Korruption. Der Gebrauch dieser hohen Noten war überdurchschnittlich gestiegen, obwohl die restlichen Noten konstant im Verhältnis des Wachstums des Landes gebraucht werden. So hatte Modi schon lange angekündigt, gegen Schwarzgeld vorgehen zu wollen und eine Frist zur Nachdeklaration von unbesteuertem Einkommen und Vermögen gegeben. Wer bis zum 30. September 2016 eine solche Nachdeklaration durchführe, war in guter Gesellschaft: Mehr als 650 Milliarden Rupien (fast 9.5 Mia CHF) wurden gemeldet. Hier war mal die Schweiz nicht das schwarze Schaf, denn das meiste Geld liege in Indien selber, heisst es. Nun, als die Noten als ungültig deklariert wurden, galt es zu Entscheiden: Entweder das ganze Schwarzgeld vergessen oder gegen Neues eintauschen und für die Straftat ins Gefägnis. Viele entschieden sich für die erste Variante, die Zeitungen berichteten in den Tagen danach von halb verbrannten Bankknoten an verschiedenen Plätzen…

So blieben also alle Banken für einen Tag geschlossen und die Geldautomaten voraussichtlich für einige Tage leer. Zahlen war nur noch mit tiefen Noten (zur Erinnerung: Mittagessen in der Kantine kostet INR 50) oder mit Karte möglich. Aber auch so liess es sich leben!

Nun heisst es also, meine wenigen Banknoten umzutauschen. In Anbetracht, dass es insgesamt 22 Mia Banknoten umzutauschen gilt, kein einfaches Unterfangen. Als wir über Mittag mal zur nächsten Bank gingen, war die Schlange knappe 100 m lang. Ich verschob das Anstehen, so dringend bin ich glücklicherweise nicht auf Bargeld angewiesen.

Frühmorgens eine Runde draussen joggen war mittlerweile meine wöchentliche Routine geworden. Nachdem ich den Samstag Nachmittag verschlafen hatte (ich hatte endlich ein Velo gefunden und für meinen Triathlon reserviert, also ein wohlverdientes Schläfchen :-)), ging auch das Aufstehen kurz nach 5 Uhr nicht schlecht. Es hatte leicht geregnet, der Himmel war noch wolkenverhangen. So war es noch eher dunkel am Strand, als ich mit meiner Runde begann. Die Temperatur war angenehm, aber wegen des Regens war es feucht. Ich machte meine Runde und überlegte gerade, wo ich jetzt noch eine Schlaufe anhängen soll, als mich eine Gruppe überholte. Kurzentschlossen hängte ich mich ihnen an für einige Kilometer. Irgendwann war es dann genug und ich wollte umdrehen, da öffneten sich die Schleusen am Himmel. Und wie! Es regnete was es konnte, innert kurzer Zeit war ich pitschnass. Zum Vergnügen anderer wartete ich an einer Bushaltestelle auf etwas weniger Regen. Nach wenigen 100 m verstärkte sich der Regen aber wieder, so dass mir nichts anderes übrig blieb, als mich wieder unterzustellen. Mit drei anderen Läufern stand ich also unter einem Dach und diskutierte über Laufgruppen, das beste Training und die heutige Runde, während sich die Strassen langsam aber sicher mit Wasser zu füllen schienen. Niemand fragte nach meiner Nationalität oder so, ich war eine Sportlerin, eine von ihnen. Nach ca. 20 Minuten entschieden wir zwei Frauen uns zum Strand zurück zu kehren. Das bisschen Schuh, das bisher noch trocken geblieben war, hielt keine 10 Sekunden. Wir versuchten die riesigen, tiefen Pfützen zu umgehen, aber es war kaum machbar. Das Abflusssystem existierte kaum. Auch den entgegenkommenden Fahrzeugen, die eine Wasserfontäne mit sich brachten, konnten wir nicht böse sein. Auf uns hatte es sowieso keinen Einfluss mehr, ich hatte nichts Trockenes mehr an mir und hoffte das Beste für mein Telefon in meiner Armtasche. Tropfnass, aber mit einem riesigen Lachen im Gesicht erreichte ich später als erwartet das Ziel. Wie schön kann so ein Wintergewitter (bei knapp 30 Grad) sein!

Nachdem sich die Wolken verzogen hatten, zeigte sich ein strahlend blauer Himmel, wie sehr selten in Chennai. Der Regen hatte wohl allen Dreck aus der Luft gewaschen. Ich genoss es, am Pool dösend…

1 Kommentar

    • Peter auf 25. November 2016 bei 21:50

    Schon spannend was bei dir eine Woche an Überraschungen bringt. Hier feiern wir höchstens den Föhn-Zusammenbruch (nach 4 Tagen über 10 Grad).

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