Andere Länder, andere Sitten…

Am letzten Freitag Morgen teilte mir einer in unserem Team mit, dass er kündigt. Und ach ja, die neue Stelle werde er am darauf folgenden Montag antreten. Ich war erst mal sprachlos und wies dann erst mal meinen Kollegen an, die Arbeit dieses Mitarbeiters zu erfassen, so dass wir immerhin mal wussten, wo er stand, falls er wirklich nicht mehr auftauchte. Das Management im Büro und HR hier war in einer Ganztagesschulung auswärts, so dass ich mit anderen auf meiner Stufe sprach. Es wurde mir gesagt, dass grundsätzlich eine Kündigungsfrist von 2 Monaten besteht, die aber (in Absprache mit HR) auf 1 Monat reduziert werden kann. Nach vielen weiteren Diskussionen wurde dann entschieden, dass der Mitarbeiter uns wirklich noch am gleichen Tag verliess, aber dafür kein Arbeitszeugnis erhalten soll. So geht das.

mallAm Wochenende war ich mal wieder im Spar (wie bei uns, vergleichbar mit Migros/Coop) einkaufen. Dort finde ich immer lustige Shirts für meine Patenkinder und deren Geschwister, sowie alles was ich sonst noch brauchen könnte. An der Kasse wird jeder Artikel einzeln gescannt, dann auf dem Bildschirm kontrolliert dass es der richtige ist, notfalls einige Male auf der Tastatur rumgedrückt und dann zur Seite gelegt. Manchmal wird auch noch geschaut, was denn eingekauft wird (nicht nur, was die Weisse einkauft). Genau, das Ganze geht eine ganze Weile. Für meine 20 Artikel ging das so etwa 10 Minuten. Immerhin habe ich hier nie das Problem, dass ich noch beim Einpacken bin, während ich scmall2hon nach Geld gefragt werde. Im Gegenteil, ich kann gemütlich alles zusammenlegen und richtig einpacken.
Kaum war ich fertig umd hatte bezahlt, sagt die Kassiererin zu mir “Customer Service”. Nicht “Würden Sie bitte dem netten Herrn neben mir zum Kundendienst folgen”. Auf meine Frage weshalb, erhielt ich wieder eine kurze Antwort: “free gift”. Da war ich ja mal gespannt. Ich hatte für mehr als 1500 Rupien (ca. 22 CHF) eingekauft, das berechtigte heute zu einem Geschenk. Einer begleitete mich also zum Kundendienst, an der ganzen Schlange von 5 Inderinnen vorbei und ein anderer sah sich sofort meine Quittung an, während der erste stolz auf einen Stapel Boxen zeigte, “free gift”. Eine Schachtel mit 6 Gläsern und einem Krug war also mein Geschenk. Nach weiterem Warten hatte ich noch einen Plastiksack dazu für 5 Rupien (7 Rappen – das finde ich mal eine gute Idee!).
Einmal mehr (schon länger nicht mehr) ging ich ins Kino. Ticket online lösen ist kein Problem mehr, dank lokaler Bankkarte. Die Bestätigung kommt per SMS und durch Zeigen der SMS komme ich in den Kinosaal. Auch wenn ich die SMS weiterleite, kann der andere in den Raum. Gescannt wird nichts, ich erhalte nur noch ein pro forma Papierticket. Es birgt grosses Potenzial für Betrügereien, aber da die Filme meist eh sehr gut besucht bis ausverkauft sind, versucht es wohl niemand.
Meiner Meinung nach gibt es viele Gründe, dass es so viele Leute im Kino hat. Draussen ist die Temperatur oft zu hoch, um etwas Sinnvolles zu machen (ausser jetzt im Winter, da ist es angehehme 32 Grad). Die Kinopreise in Tamil Nadu sind gesetzlich festgelegt auf 120 Rupien, wobei ich meist nochmals 30 für die online Buchung bezahle, also insgesamt ca. 2.20 CHF. Ausserdem sind im Kino alle Altersklassen vertreten, von Säuglingen (auch in Spätvorstellungen) bis zu vermutlich Pensionierten. Ich habe allgemein festgestellt, dass die Alten hier aktiver sind, sie sitzen immer noch auf Motorrädern oder auf der Ladefläche, vermutlich mangels Alternativen.
Meine Motivation ins Kino zu gehen ist auch das Ambiente, wenn das Publikum mal wieder lauthals mitfiebert, applaudiert und johlt.
img_7971bEndlich hatte ich es mal geschafft, war am Sonntag Morgen früh aufgestanden und war vor Sonnenaufgang am Strand. Ich hatte mir eine Joggingrunde zurecht gelegt, damit ich endlich mal wieder draussen rennen kann (die Motivation für ein richtiges Laufbandtraining fehlt mir immer noch). Es war mal wieder ein Autofreier Sonntag (oder sah es jeden Sonntag Morgen so aus? – Vielleicht finde ich die Antwort dazu noch :-)), das heisst die ganze Strandpromenade war blockiert und viele Menschen spazierten und rannten umher. Ich gesellte mich dazu, rannte vom oberen zum unteren Ende des Strandes, dann in die Seitenstrasse und auf der grösseren Hauptstrasse wieder zurück, um dann oben am Strand einen kleinen Wald zu durchqueren. Dort fehlte mir dann die Orientierung, so dass ich auf einer stark befahrenen Strasse landete, aber schlussendlich fand ich den Weg zurück problemlos. Meistens war ich auf einer Art Trottoir, nur dass dies auf gleicher Höhe wie die Strasse lag, lediglich durch eine Markierung abgegrenzt (was hier niemanden von irgendetwas abhält). Viele andere Läufer waren unterwegs, dies war einer der Gründe, dass ich dieses Quartier ausgesucht hatte. Nur zwei überholten mich, alle anderen kamen mir entgegen. Ob ich da etwas falsch verstanden habe? Sie lächelten mir zu und zwar endlich mal auf gefühlter gleicher Ebene. Ich fühlte mich nicht mehr als Fremde/Weisse begutachtet, sondern eine von ihnen betrachtet, eine Sportlerin. Ob Einbildung oder nicht, es tat auf jeden Fall gut und ich genoss es sehr! Die Temperatur war unter dem bewölkten Himmel gut unter 30 Grad, es war nicht übermässig heiss wie die letzten Male, aber das war jeweils auch ein Wettkampf.img_7970b
Zurück am Strand spazierte ich die letzten Meter, um mich wieder abzukühlen und den Schweiss trocknen zu lassen. Ich beobachtete die Trommelspieler, Seilzieher, Volleyball-, Cricket- und Fussballspieler und amüsierte mich über die mit dem übergrossen Würfel beim Leiterspiel. Sehr viele Leute waren an der Strandpromenade und am Strand selber, dabei war es noch nicht einmal 7 Uhr. Es gab sogar einen Stand der Chennai Runners, wo sie Wasser und Bananen anboten. Als sie dann aber den Beginn der Zumbalektion ankündigten, machte ich mich schnell auf den Heimweg.
So richtig im Sportmodus angekommen, absolvierte ich noch ein gutes Training im Pool. Als ich fertig war, kam eine Inderin ins Wasser, gegensätzlicher hätte es kaum sein können. Ich in meinem Sportbikini, sie in langärmligen Schwimmanzug mit langen Beinen. Aber sie hatte Spass und das ist es worauf es ankommt!
img_7974Am Nachmittag besuchte ich das Ciclo Cafe in der Umgebung, wo es auch Fahrräder zu kaufen und mieten gibt. Sie hatten einige schöne Rennräder, aber leider war nur ein (langweiliges) Fahrrad zur Miete, die anderen zu einem stolzen Preis zu verkaufen. Ich werde mich also weiter umschauen müssen bis zum Chennai Triathlon….
Wir hatten zu einem neuen Fahrdienst m Büro gewechselt. Jeden Abend werden wir von einem (anderen) Fahrer abgeholt und nach Hause gebracht. Leider klappte es mit den neuen Fahrern nicht immer wie gewünscht. Sie fanden manchmal nicht einmal den Weg aus der Tiefgarage (und da kann ich echt nicht helfen!). Spannend fand ich, dass sie mich plötzlich nach einer Woche anriefen um zu fragen, ob ich gut abgeholt worden sei. Etwas erstaunt erkundigte ich mich nach dem Grund des Anrufs. Die Antwort war dann doch eher amüsant (für unsere Verhältnisse): Da ich als Frau alleine reise, wollten sie sicherstellen, sweetsdass es mit den männlichen Fahrern keine Probleme gibt. Ich teilte ihnen dann mit, dass ich nicht alleine reise und sowieso gut auf mich aufpassen kann.
Diwali ist das indische Lichterfest, das von der Grösse her mit unseren Weihnachten verglichen werden kann. Im Büro gab es Süssigkeiten für alle sowie eine einstündige Disco in der Kantine mit sehr lauter Musik. Ich genoss die Süssigkeiten, gesellte mich zum stark vertretenen Schweizer Team in die Tanzrunde und bewegte mich zu Hindi und Tamil Musik. Tanzen können sie, die Inder!
Wir haben nun 4 Tage Wochenende, dabei wird es wohl sehr viel Feuerwerk und Festlichkeiten geben. Dazu vielleicht mehr im nächsten Beitrag….. Bis dahin:
Happy Diwali!
diwali

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