Kleine Plagegeister

(Freitag, 14. März 2008)
Wieder weckt uns der Regen. Die ganze Nacht hindurch hat es immer wieder
geregnet, sogar der kleine Bach, der durch den Campingplatz Flametree
fliesst, ist über Nacht gewachsen. Unser Nachbar zeigt uns das Opossum, das
sich über dem Fernseher in der Campingküche schlafen gelegt hat. Es ist
ziemlich klein, hat aber lange Krallen und schaut uns müde beim
Fotographieren zu.
Wir packen unsere Sachen, verabschieden uns von den Dänen und fahren los.
Das nächste Ziel ist der Eungella National Park, wo man gemäss Qri Platypus
und Schildkröten beobachten kann.
Dieser Park liegt auf dem Hochplateau der Great Dividing Range. Enge Kurven
führen hinauf, die Wolken voller Meeresfeuchtigkeit werden an die Hänge
gedrückt und schleichen denen entlang.
Bei Regen marschieren wir los durch den Regenwald. Es sieht wieder ganz
anders aus als im Norden, als wir im Wald noch Sonne hatten. Wenn alles
nass ist, trauen sich nicht viele heraus und die Bäume wirken trister.
Kleine lästige Viecher zwingen uns zur Umkehr: Landegel saugen sich an
unserer Haut und den Kleidern fest. Die Deutschen schauen uns wohl
belustigt zu, weshalb wir uns beim überdachten Picknickplatz ausziehen und
unsere Kleider gründlich untersuchen. Wir haben jedoch noch genügend
Anschauungsmaterial an Beinen und Kleidern. Laut unserem schlauen Buch
“Tiere Australiens” saugen sich diese Egel für 10 Minuten fest und können
dann wochenlang von diesem Blut zehren. Sie sollten besser nicht abgerissen
werden wegen Infektionsgefahr, aber uns sind diese Tiere nicht ganz geheuer
schon gar nicht in so hoher Anzahl. Danke Katrin für die Reiseapotheke, den
Desinfektionsspray können wir jetzt sehr gut gebrauchen!
Wir versuchen unser Glück etwas weiter am vorne am Broken River, sehen aber
leider keine Schnabeltiere, jedoch Schildkröten, Buschtruthähne und einen
blauen Kingfisher. Der Regen hindert uns daran, geduldig auf die Platypus
zu warten, vielleicht haben wir später noch eine Gelegenheit.
Knapp schaffen wir es noch bis zur nächsten Tankstelle, indem Martin den
Berg im Leerlauf hinabfährt. Wir lernen einmal mehr, dass auf das Navi
nicht so viel Verlass ist.
Weiter im Süden scheint endlich wieder die Sonne und lässt uns hoffen. Die
Landschaft hat sich wieder verändert und nun zeigen sich uns endlose Weiten
mit hohen, alleinstehenden Bäumen.
Gegen Abend beschliessen wir, die Route abzukürzen und nicht bis
Rockhampton zu fahren. Der Campingplatz in Marlborough, den wir gleich nach
Sonnenuntergang erreichen, gefällt uns gar nicht. Laut Karte sollte im
nächsten Dorf ein anderer Platz sein. Nur leider hält sich die Strasse
nicht daran, die nächste Ortschaft ist Rockhampton. So bleibt uns nichts
anderes übrig, als uns einem Road Train anzuhängen und in die Stadt zu
fahren.
Der erstbeste Campingplatz reicht uns. Der “Country Club” liegt zwar direkt
an der Hauptstrasse, aber wir haben Hunger und für heute genug vom Fahren.
Nur das Zwitschern der Vögel und das Zirpen der Grillen fehlt uns beim
Einschlafen…

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